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31.12.2015 Dezember 2015 - Ein Kultur!ngenieur im Interview

7 Fragen an: Felix Liebig

Jeden Monat stellt euch urbanite andere interessante Dresdner Persönlichkeiten vor. Diesmal im Dezember 2015: der Kultur!ngenieur Felix Liebig.

 

Steckbrief von Felix Liebig:

 

7 Fragen Felix Liebig
Im Focus von urbanite: Kultur!ngenieur Felix Liebig
Geburtstag: 11. Juni 1978

Geburtsort: Rostock

Beruf: Freischaffender Kultur!ngenieur

Wohnort: Dresden

Ausbildung: Dipl. Ing. Architekt (TU Dresden)

Vorbild: Seine Eltern

 

Der freie Kultur!ngenieur ist dort unterwegs, wo kulturelles Leben in Dresden stattfindet. Er schickt Kinder auf Stadtsafari, befragt Zeitzeugen für die „StadtGeschichten“ und ist Sprecher der Löbtauer Runde.

 

1. Wie wird man eigentlich Kultur!ngenieur?

 

Man studiert Architektur und verbindet dabei die kulturellen Einflüsse der Mutter mit den ingenieurhaften Einflüssen des Vaters flux zu einem eigenen Label mit dem Motto „Kulturproduktion in Echtzeit!“. Man plant nicht nur Häuser, sondern studiert parallel in Kunst- und Kulturprojekten, wie die Menschen mit den Häusern umgehen. Übrigens, eine intensive Symbiose aus Leben und Arbeit, die ein eigener Studiengang sein könnte.

 

2. An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

 

Gerade präsentierten wir mit der urbanofeel GbR die Ergebnisse unserer Ferienkurse für Stadtpädagogik im Rahmen der CrossMedia Tour Dresden 2015 auf dem jährlichen Medienfestival. Mit der Löbtauer Runde schließe ich soeben ein Projekt zur Initiation und Dokumentation von Bürgerspaziergängen in „Kuhlöbte“ ab. Auf www.Löbtau.org gibt es nun „Rückblicke“ mit Text, Bild – und Ton! Für 2016 feilt der Kultur!ngenieur unter anderem an eigenen Spaziergängen, wie einst der „Wohnzimmersp!onage“, um Kollegen und Interessenten besondere, weniger sichtbare Kulturaspekte Dresdens näherzubringen. Die GbR baut gerade das „JohannStadtRad“, ein mobiles Stadtlabor und Transportgerät. Das JohannStadtRad sollen Privatpersonen und Gewerbetreibende im Quartier Nördliche Johannstadt nutzen können.

 

3. Sie sind seit Jahren in der Dresdner Kulturszene aktiv und haben sehr viele Projekte realisiert. Auf welches sind Sie besonders stolz?

 

Auf alle! Na gut: Mit der „Metropole Pieschen“ hatten wir 2008 einen bis heute bedeutenden Entwicklungsimpuls in Dresden-Pieschen gesetzt und enorme zivile Kulturpotentiale aufgeschlossen – ich nenne es „Kultur!nventur“. Das steht im Kontext meiner Beteiligung an „For Sale“ 2006, wo Bürger und Künstler bis 2012 in einem Verein zusammenwirkten und mich sehr bei meiner Arbeit in der Löbtauer Runde und in der Johannstadt inspiriert.

 

4. Wie hat sich die Dresdner Kulturlandschaft über die Jahre entwickelt und was hat sich in Ihren Augen am meisten verändert?

 

Ambivalent: Dresdens Kultur zeigt nicht erst seit Pegida die sozialen Spannungsrisse einer werdenden Großstadt. 2009 schrieb ich in Nottingham, UK den Artikel „don‘t mind the gap“ für das an-Magazine* über die Kunstszene dort mit einem kleinen Vergleich zu Dresden, sprach mit einigen Akteuren vor meiner Zeit und erfuhr, wie Dresden nach den ersten kulturellen Impulsen im quasi rechtsfreien Raum der Nachwendezeit einen gewissen Braindrain erlitt, nunmehr aber eine nationale und globale Identität in einem sehr reglementierten Kanon aus Ämtern, Politik und Öffentlichkeit sucht. Das finden wir in der täglichen Arbeit heute normal. Dabei verlassen kulturelle Initiativen oft genug die kooperative soziale Nachhaltigkeit in Richtung wirtschaftsliberaler Kosteneffizienz. Das übliche Wording spricht von Kreativwirtschaft und generalisiert darunter nicht selten unvereinbare Arbeitsweisen sensibler Akteursmilieus, die kompetitivere Förderlandschaft, mitunter aneinander vorbei arbeitende Ämter und gelegentliche Überhöhungen der Politik. Das sind kulturproduktive Hürden. Zeitgenössische Stadtwandler gehen damit jedoch sehr selbstbewusst um.

 

5. Sie sind unter anderem Sprecher der Löbtauer Runde. Was zeichnet diese Initiative aus? 

 

Es ist der einzige mir bekannte Kulturstammtisch in Dresden, der auf der reinen Eigenmotivation von circa 50 lokalen Einrichtungen und Personen aus Wirtschaft, Kultur, Verwaltung, Verbänden und Politik beruht und dabei derart nachhaltiges Bürgerkapital entfaltet – zunächst im ideellen Wortsinn. Ich finde das modellhaft und bin den „Gründereltern“ Rovena und Matthias Winkler vom „Treff Emil“ dafür sehr dankbar.

 

6. Woran arbeitet die Löbtauer Runde gerade? Welche Projekte stehen dort in naher Zukunft auf dem Programm?

 

Wir arbeiten eng mit dem einst von Bürgern der „IG Löbtau“ gegründeten „Löbtauer Anzeiger“ zusammen und publizieren dort Aktuelles aus der Löbtauer Runde im Bereich Kommunikation, Miteinander und Aktivität. Neben dem Open Space des Gewerbevereins Kesselsdorfer Straße e.V. zum Thema „Nachbarschaft und Wirtschaftsentwicklung in Löbtau“ im Rahmen der Zukunftsstadt Dresden am 6. Januar von 17 bis 20 Uhr** steht im Januar ein Informationsabend zum Jubiläum „950 Jahre Löbtau“ im Jahr 2018 an. Ferner haben wir für 2016 Meilensteine mit thematischen Bürgerspaziergängen und -aktionen geplant: U.a. die Beteiligung beim 12. Geschichtsmarkt am 27. / 28. Februar und ein Programm zum „International Parking Day“ am 16. September. 

 

7. Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Dresdner Kulturszene?  

 

Ich wünsche mir ein freies stadtweites Gremium von Kulturinitiativen und Einrichtungen als zivilgesellschaftliche Plattform für Aktion und Publikation. Und eigentlich brauchen wir einen „Bürgerkulturarbeiter“ bei der Stadt, um Bürgerprojekte milieugerecht, gesamtstädtisch und ressortübergreifend zu einer selbstbewussten und ganzheitlichen Kulturarbeit im Dialog mit der kleinsten kulturellen Einheit zu vernetzen – dem Menschen.

 
Viola Martin-Mönnich

 

Hier könnt ihr euch im Web ein Bild von den Projekten des KulturIngenieurs machen:

 

www.vorbau.wordpress.com

www.löbtau.org

www.stadtsafari.wordpress.com

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