Suche:
Wähle deine Stadt:
Service

19.06.2017 "Warum ich keine Karriere gemacht habe …"

Autorenvorstellung: Konstantin Turra

Autor Kaddi Cutz

Warum ich keine Karriere gemacht habe … oder ich stehe hier und singe. Für Konstantin Turra war Schreiben schon immer Hobby und Ausgleich: „In der zweiten Klasse habe ich angefangen, mir Geschichten für meine Klassenkameraden auszudenken und auch aufzuschreiben. Noch heute zählen ‚Die Abenteuer von Florian Floh‘ zu den schrecklichsten Peinlichkeiten meiner Kinder- und Jugendzeit. Was meine stolze Mutter natürlich nicht davon abhält, sie bei den unpassendsten Gelegenheiten unermüdlich hervorzukramen.“

 

Artikelbild für Autorenvorstellung: Konstantin Turra
Turras heutige Geschichten vermögen hingegen sehr wohl ein breites Publikum zu begeistern. Regelmäßig tritt er bei Poetry Slams auf und provoziert Wogen von Lachsalven, wenn er aus seinem Kindergartenalltag als Erzieher skurille Geschichten zum besten gibt. Diese sind im letzten Jahr in Buchform beim Dresdner Buchverlag im Imprint Zwiebook erschienen – als Wendetitel. Neben erzieherischen Eskapaden werden im „Buch im Buch“ unter dem Titel „Tränen, Semmeln, Frühaufsteher“ auch sehr leise, nachdenkliche und manchmal ins Erotische abdriftende Töne angeschlagen, eben die Texte, „die ich nicht unbedingt auf der Bühne breittrete.“ Nicht nur dieses Facettenreichtum macht Konstantin Turra zu einem Bombentyp, denn den Erzieherberuf hat er inzwischen an den Nagel gehangen und ist inzwischen als Feuerwerker in der Kampfmittelbeseitigung tätig. „Das Schreiben begrenzt sich da leider oder zum Glück auf das Verfassen von Anträgen, unzähligen Mails und Berichten“, lacht der Autor. Für spontane Gedankenblitze bleibt dennoch Zeit, steuern kann man die ja eh schlecht: „Das hat schon einige Male für Verwirrung gesorgt, wenn ich beispielsweise beim Abendbrot vom Tisch aufspringe und in mein Arbeitszimmer renne, um irgendwas aufzuschreiben, das mir gerade in den Kopf kommt. Inzwischen haben sich aber wohl alle daran gewöhnt.“ Texte schreibt Turra meistens „in einem Rutsch runter. Ich verbiete mir,  hinterher noch große Änderungen daran vorzunehmen, um nichts zu verschlimmbessern. Meistens ist der erste Gedanke, das erste Bauchgefühl, doch das Beste“. 

 

Wenig Zeit für viel Schönes

Wenn es weniger ums Schreiben als ums Lesen geht, ist der Autor breit aufgestellt. Sowohl lebende Slamkollegen als auch olle Schinken toter Dicher und schnöde Unterhaltungsliteratur werden zur Zerstreuung herangezogen. „Ich liebe es Menschen ausgiebig zu beobachten und mir aus dem Fundus ihrer Eigenheiten meine Figuren zu schnitzen.“ Die Dresdner Literaturszene empfindet Turra mitunter als zu groß, „weil mir meist die Zeit fehlt, um alles mitzubekommen was ich gerne möchte. Dresden beherbergt eine Unzahl großartiger Autoren, gerade im lyrischen Bereich. Leider höre oder lese ich sie nur, wenn wir uns bei Veranstaltungen über den Weg laufen.“ Um Konstantin Turra über den Weg zu laufen, solltet Ihr die Augen etwas offen halten, denn der junge Familienvater beschränkt sich gerade im Wesentlichen auf Moderationstätigkeit und „ ein paar ‚Auf-Zuruf-Veranstaltungen‘, auf die ich gerade Lust habe.  Allerdings sind das auch noch genug Termine im Monat. Außerdem habe ich seit zwei Jahren eines kleinen Musikprojekt gemeinsam mit dem wunderbaren Thomas Lautenknecht. Und meine Tochter freut sich auch, wenn ich ab und zu zuhause bin. Gleiches gilt hoffentlich für meine Frau.“ 

 

diesen Artikel teilen auf:
News-Info
  • veröffentlicht am 19.06.2017
  • Aufrufe 629
  • Über den Autor
  • Titelbild
    Artikelbild für Autorenvorstellung: Konstantin Turra
    Fotograf: Matthias Naumann
Kommentare
› Schreibe einen Kommentar