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25.03.2017 März 2017: Diese eine Nacht, Der Weg zu meinem verfickten Seelenfrieden

Buchrezensionen: Diese eine Nacht und der verfickte Seelenfrieden

Autor Kaddi Cutz

Artikelbild für Buchrezensionen: Diese eine Nacht und der verfickte Seelenfrieden
Arunika Senarath 

„Diese eine Nacht“

PEGIDA hat Dresden bislang nicht gerade Positives beschert – einer jungen Dresdner Studentin brachte die abendlandaffine Bewegung rund um Teneriffa-Lutz aber durchaus etwas Erfreuliches: Inspiration nämlich. Arunika Senarath, die 1993 in Colombo, Sri Lanka geboren wurde und inzwischen in Berlin lebt, strickte einen Liebesroman rund um die vernunftgeleitete Amina, deren algerischer Vater die Familie früh verließ, und Sten, der zwar betörend eisblaue Augen, sich allerdings auch ziemlich blauäugig einer rechtsorientierten Gruppierung angeschlossen hat. Das führt zu diversen Problemen, Irrungen und Wirrungen. Vor dem Hintergrund des barocken Dresdens entspinnt sich eine Lovestory, die fraglos an Romeo und Julia erinnert, leider aber auch mit dem ein oder anderen Twilight-Moment aufwartet – was sicher auch den Figuren geschuldet ist und ihrer zum Teil etwas eindimensionalen Darstellung. Alles, was der Leser erfährt, erfährt er aus Aminas Perspektive. Stens Motive bleiben weitestgehend im Dunkeln, dabei wäre gerade der innere Konflikt dieser Figur durchaus spannend zu erfahren gewesen. Auch sind zwar die Settings rund um Frauenkirche und Neustadt mit genug Identifizierungspotential für Dresdner Studis ausgestattet, allerdings ist der Plot leider sehr durchschaubar, durch weithergeholte Wendungen wenig überraschend und nicht so richtig glaubwürdig. Vielleicht gibt der Nachfolger, der gerade in Arbeit ist, da mehr Aufschluss. Wer eine Romanze lesen möchte, die nicht unbedingt realistisch ist, aber an bekannten Schauplätzen spielt und aktuelle politische Themen aufgreift, kann sich das im Vergleich zur Druckversion deutlich günstigere E-Book an einem verregneten Sonntag herunterladen.
 
Diese eine Nacht, erschien im mikrotext Verlag • 16,99€

 

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Laander Karuso 

„Der Weg zu meinem verfickten Seelenfrieden“

Slampoet, Musiker und passionierter Hobbyzyniker Laander Karuso hat einen sehr schönen Namen. Und was noch viel besser ist: Er hat endlich ein Buch veröffentlicht. 
Das war auch höchste Eisenbahn, denn seine Texte begeistern schon ein paar Jährchen auf den deutschsprachigen Bühnen. „Der Weg zu meinem verfickten Seelenfrieden“ vereint auf 146 Seiten vor allem Shortstorys und Blogbeiträge der letzten Jahre im Tagebuchstil. Und diese sind wunderbar skurril, nicht selten politisch und oft herrlich böse. Pointiert, reflektiert und selbstironisch widmet sich Karuso so wichtigen Themen wie beispielsweise dem Älterwerden: „Ich will Kinder mit Hasstiraden überschütten, wenn diese während der gesetzlichen Mittagsruhe spielen oder auf meinem gepflegten Rasen herumtrampeln, meine Nachbarn bei den Behörden denunzieren, wenn sie keine Umweltplaketten an ihren Autos haben. In Konfliktsituationen mit Jugendlichen will ich mich echauffieren und behaupten, dass die Jugend früher nicht so vorlaut gewesen sei und dass früher überhaupt alles besser war, obwohl ich weiß, dass das eine Lüge ist.“ Thematisch ist das Buch natürlich noch viel breiter: So diskutiert er mit dem leibhaftigen Gevatter Tod über den Wert des eigenen Lebens, trifft den Weihnachtsmann auf dem Arbeitsamt und informiert umfassend über „Die Bedrohung durch mutierte Monster-Alien-Roboter-Zombie-Arschlöcher vom Mars“. Ob all diese kuriosen Storys dem Seelenfrieden immer so zuträglich sind, sei mal dahingestellt. Sie machen aber wirklich großen Spaß und bringen durch die Hintertür immer auch Aspekte mit, über die es sich lohnt, mal nachzudenken.
 
Der Weg zu meinem verfickten Seelenfrieden, erschien im periplaneta Verlag • 14,90€
 
 
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