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Kultur

19.05.2017 Egolaut

Egolaut im Interview: "Wir testen unsere Grenzen"

Autor Kaddi Cutz

 Egolaut im Interview: "Wir testen unsere Grenzen"
Egolauts Songs erzählen die kleinen Geschichten, die auf der Straße und in der Luft liegen mit großen Melodien und coolen Texten. Wir sprachen mit Sänger Antonio über Schubladendenken, Mütter und die deutsche Musikszene. 

 

Wofür steht Egolaut?

 

Egolaut ist ein Oberbegriff für viele Projekte, wenn man aber von der Band spricht, dann ist diese aus Sascha und mir hervorgegangen, mit ihm als Pianisten und mir als Sänger. Wir haben schon sehr viel gemacht, ein Musiklabel in Leipzig gegründet, ein Festival zusammen organisiert und eine Art Künstlerhaus geschaffen, das wir intern auch „Egolaut-Haus“ nennen. Sascha und ich haben schon als Duo zusammen Musik gemacht, vor anderthalb Jahren habe ich dann das Singen für mich entdeckt – quasi weg vom Saxophon und hin zur Stimme. Ab da war dann die Idee da: Wir machen eine Pop-Band! Und dazu haben wir uns natürlich unsere drei Lieblingsjungs ins Boot geholt, die allesamt großartige Musiker sind und dieses Quintett gegründet. Im letzten Jahr waren wir sehr fleißig miteinander und haben  viele Songs aufgenommen und immer wieder neu interpretiert, wir probieren gerade sehr viel aus.

 

 

Wie kam es denn auf einmal zu diesem Twist „Ich will jetzt singen!“? Gab es da eine Art Schlüsselerlebnis?

 

Das war eine lange Reise und es haben ganz viele Dinge mit hineingewirkt. Ich habe im Duett mit Clueso gespielt, er hat mich auch zu vielen Sängern mitgenommen und wenn man mit so Leuten wie Udo Lindenberg oder Wolfgang Niedecken auf der Bühne steht, denkt man sich nicht unbedingt: Cool, ich  werde auch Sänger! (lacht) Ich habe aber immer schon Klavier gespielt und deshalb Zuhause viel gesungen. Tatsächlich habe ich beim Duo mit Sascha auch schon einen Song gerappt und auf dem letzten Album auch Hintergrundsounds mit Stimme gemacht. So ist das langsam gewachsen und damit auch das Selbstverständnis.

 

 

Da haben wir ja alle Glück gehabt, dass ihr euch am Ende nicht für Sächsisch entschieden habt!

 

Naaaaain! Nein nein! Zum Glück nicht! (lacht) Das wird auch extrem schnell unsexy.

 

 

Und wieso sind es jetzt deutsche Texte geworden?

 

Uns geht es darum, Inhalte zu transportieren. Man kann mit der Sprache eben viel besser spielen, wenn es die eigene ist. Die Möglichkeit, etwas Persönliches zu schreiben, damit hätten wir im Englischen schnell die Grenze erreicht. Es ist ein Kampf, den man da ausfechten muss, zumindest ist mir das so ergangen. Das ist mit einem Diamanten vergleichbar, an dem lange geschliffen werden muss. Wir sind sicher noch am Anfang, textlich, aber das hat eben zur Folge, dass man sich ganz oft hinterfragt. Alles, was gemacht wird, ist am Ende politisch. Umso wichtiger ist es,  wirklich zu wissen, wo man hingehört und was ausgesagt werden will.

 

 

Wie lange habt ihr denn an der EP „Kein Widerstand, nur Hitze“ gearbeitet?

 

Das kann ich so genau gar nicht sagen, denn wir hatten diese  schon im letzten Jahr, sie aber nur auf der Tour verkauft und mit einem Produzenten erstellt. Wir sind schließlich auch eine Liveband mit fünf sehr guten Musikern. Deshalb sind wir später nochmal ins Studio gegangen und haben das alles neu eingespielt, ohne die Beats vom Rechner und in einem anderen Tempo.

 

 

Die deutschsprachige Musikszene ist nicht einfach. Wo seht ihr euch?

 

Wir stehen noch am Anfang. Die kommende Tour ist entscheidend, um das für uns selber noch mehr definieren zu können. Heutzutage ist man natürlich irgendwie ein Produkt, wenn begonnen wird, im Pop-Business mitzuspielen, aber irgendwann muss man da auch einfach sagen: Wir machen das jetzt, egal, wo uns jetzt jemand reinsteckt. Wenn ich mir unsere EP anhöre und dann einen derben Song wie „Kein Widerstand, nur Hitze“ oder einen soften Song wie „Aschenputtel und Königin“ anhöre, dann würde ich sagen, wir probieren einfach noch sehr viel aus und testen unsere Grenzen. 

 

 

Aschenputtel & Königin ist ist aber in der Tat ein außerordentlich schöner Song!

 

Ja! Es geht um unsere Mütter. Wenn man auf einmal selber Papa ist, dann erscheint das plötzlich aus einer anderen Sichtweise, was die Eltern eigentlich für eine große Rolle im eigenen Leben gespielt haben und immer noch spielen. Gerade, wenn man so ein Freak ist wie ich und das war ich schon als Kind.

 

 

Wie bist du eigentlich an Clueso geraten und wie war das für dich als junger Musiker, so in sein Interesse zu rutschen?

 

Das war mega. Das ist einfach ein richtig guter Freund, der fast schon so ein bisschen wie ein großer Bruder für mich geworden ist und wo ich natürlich gerade in der Anfangsphase auch sehr genau hingeschaut habe, wie macht der das alles so? Ich hab ja auch nie in seiner Band gespielt und wenn wir was gemacht haben, waren wir immer in unserer eigenen Welt. Wir haben viel im Duett gespielt und viele Spontankonzerte gemacht, daher war das immer auf Augenhöhe und ein gemeinsames Improvisieren und Entdecken und dadurch ein ganz lebendiges Geben und Nehmen. Und neben Sascha ist Cluesn einfach einer von denen, die mir musikalisch auch sehr nahe sind und das ist was Unersetzliches. Das ist nichts Zusammengebasteltes, keine Marke, das ist einfach Musik pur.

 

 

Worauf freut ihr euch am meisten im Hinblick auf die kommende Tour?

 

Darauf, wie die Songs sich noch weiterentwickeln werden. Das ist  nichts, was komplett eingeprobt und choreographiert ist, wie bei einer Musicalshow. Der Anspruch ist, dass wir die Songs nach der Tour noch besser spielen können und dass wir als Band noch weiter zusammen gewachsen sind.

 

Info: Live erleben könnt ihr die Jungs von Egolaut am 22. Mai im Bärenzwinger. Karten gibt‘s an allen bekannten Vorverkaufstellen und online. •  www.egolaut.de

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  • veröffentlicht am 19.05.2017
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    Fotograf: Sandra Ludewig
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