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Kultur

18.06.2017 Mit Pegidacolada zum Campusfestival

Faber im Interview: "Ich predige zu überzeugten Leuten"

Es ist so schön, dass es mich gibt; so die erste Zeile auf dem Faber Debütalbum. Und in der Tat: Mit Reibeisenstimme und scharfsinnig-ironischen Texten schafft der Schweizer ein musikalisches Stück Hochkultur zum Mitwippen und ist sich dabei manchmal selbst nicht so sicher, was er meint.     

 Faber im Interview: "Ich predige zu überzeugten Leuten"
Am 27. Oktober gastiert Faber im Beatpol

Am 7. Juli kommt dein Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ raus. Wie wird man das denn und wie sieht ein Faber im Wind überhaupt aus?

Auf jeden Fall sind alle herzlich eingeladen, ein Faber im Wind zu sein. Wie das so genau aussieht, weiß ich selber nicht, aber ich finde, es ist ein sehr abenteuerliches Bild. Irgendwie hat es auch was Frisches, mit ein bisschen Sehnsucht und dabei ist es trotzdem abenteuerlich (lacht).

 

Du warst im letzten Jahr sehr viel unterwegs. Keine Bühne, auf der du nicht warst. Allzu viele Musestunden zum Songwriting gab’s da vermutlich nicht.

Nein eigentlich nicht, aber es ist schon was zusammengekommen. Manchmal brauche ich mehr Zeit zum 

Schreiben und dann auch wieder nicht. Das ist so ein bisschen eine Glückssache. Ich kann über Monate hinweg an einer Sache schreiben, weil ich nicht zufrieden bin oder mir nicht genug einfällt. Und manchmal ist ein Song auch innerhalb von einer Stunde fertig. 

 

Bulimie-Songwriting? Eindrücke in Rekordzeit rein und als Song wieder ausspucken?

Ja (lacht). Wahrscheinlich ist das so. 

 

Wie entstehen denn Songs eigentlich bei dir? 

Schwierig zu sagen. Manchmal platzt wirklich alles so aus einem heraus und dann läuft’s, alles fügt sich, der Song bleibt so und ist auch gut so. Und manchmal sammle ich Sätze und schraube monatelang an denen herum, auch an der Musik. Es gibt beide Möglichkeiten, aber immer kann etwas Gutes bei rauskommen. Ich hab noch nicht so ganz rausgefunden, wie das am besten bei mir läuft. 

 

Welche Songs auf dem Album haben es dir besonders schwer gemacht?

An „Es könnte schöner sein“ habe ich wirklich lange gedreht, bis mir das gepasst hat. Krass ist auch „Bleib dir nicht treu“. Das Lied hab ich 2015 schon mal aufgenommen, aber jetzt auf dem Album ist die Musik eigentlich eine ganz andere. Es gibt eine ganz andere Metrik und zum Teil auch andere Harmonien. Ich find das ganz reizvoll, dass sich der Song über die Jahre immer wieder so geändert hat, bis hin zu dieser Version.

 

Machst du dir manchmal Sorgen, dass manche deine Songs zu ernst nehmen und die Ironie nicht verstehen?

Ausgenommen von Songs wie „Wer nicht schwimmen kann, der taucht“, bei dem es mir schon sehr wichtig ist, dass die Leute dieses Lied verstehen – wobei ich glaube, dass das grundsätzlich schon jedem möglich sein sollte, weil er eben sehr überspitzt und plakativ ist – weiß ich selber manchmal nicht, was ich darunter verstehe und was nicht (lacht). Das ist wirklich schwierig, da hab ich zuweilen auch Missverständnisse mit mir selber. 

 

 

Wie löst du das?

Meistens gar nicht. Dann widerspreche ich mir eben. Mal sage ich das zu einem Song, manchmal was anderes. Es ist immer richtig und zu dem Zeitpunkt seh’ ich das auch wirklich so, in dem Sinne ist es also nicht gelogen. Es stimmt immer für den Moment, was nicht unbedingt heißt, dass es beständig ist. 

 

Wie wichtig ist es dir, deinen Songs auch eine politische Botschaft mitzugeben?

Das ist mir schon sehr wichtig. Ich fände es schön, wenn das viele Leute machen würden. Ich bin nicht der Meinung, dass man in der Verantwortung dazu steht, aber schon, dass man sich interessieren und informieren sollte. Für mich ist es natürlich auch viel, viel einfacher sich politisch auszudrücken als für andere, weil es in der Schweiz sehr wenig Gegenwind gibt. Ich hab das auch schon anders gehört. Zum Beispiel bei den Jungs von Feine Sahne Fischfilet – die haben quasi den Einsatz an der Front. Ich predige ja meistens zu bereits überzeugten Leuten. In dem Moment ist es für mich einfacher.

 

Pop-Musik setzt sich ja generell lieber mit unverfänglicheren, fluffigen Themen auseinander. 

Ich find das schade. Natürlich kann ich keinem sagen: ,Jo, mach mal etwas anderes!‘ Es gilt ja auch nicht nur für Musiker, grundsätzlich sind halt einfach die Spielregeln in einer Demokratie, dass man eben mitmachen muss. Sonst können wir das auch gleich abschaffen und so eine nice Diktatur mit einem gutwilligen Tyrannen starten. Gerade in der Schweiz geht es ja oft nach Mehrheiten, die entscheiden. Aber wenn nur 30 Prozent wählen gehen, dann ist deren Entscheid doch nicht durch die Mehrheit in der Bevölkerung getroffen worden, sondern nur von denen, die sich auf den Weg gemacht und ihren Zettel irgendwo reingeworfen haben. Das ist doch nicht der Sinn der Sache. 

 

Was bei deinen Besuchen in Dresden nicht fehlen darf: der Pegidacolada. So auch beim Campusfestival?

Auf jeden Fall! Pegidacolada ist ein geiles Getränk. Das wäre doch auch echt ein guter Slogan … Auf den Demonstrationen würde ich glaube ich nur Pegidacoladas verkaufen. Mit Schuss und Hauptsache, es schmeckt schlecht. Das wäre voll der Renner, sag ich dir (lacht). 

 

Dein Weg zum Berufsmusiker war ja nicht unbedingt einfach aber konsequent. Gibt es Dinge, die du im Nachhinein anders gemacht hättest?

Nein, eigentlich nicht. Da ist wirklich schon viel richtig gelaufen. Vielleicht sehe ich das in ein paar Jahren anders, aber im Moment hab ich schon das Gefühl wir haben eine gute Arbeit geleistet und viele richtige Entscheidungen getroffen.

 

Eine davon war ja beispielsweise dein Künstlername mit dem du dich zumindest musikalisch von den Familienbanden gelöst hast, denn dein Vater ist ebenfalls Musiker… Hätte die Assoziation mit ihm aber nicht auch Einiges ein wenig leichter machen können?

Das ist eine Sache, über die ich gar nicht so gern rede. Ich wollte einfach nicht, dass wir in Verbindung gebracht werden, denn letztlich sind wir eine total normale Familie. Nicht, dass wir unsere Musik gegenseitig nicht mögen, sondern für mich hat das Eine nichts mit dem Anderen zu tun, es ist eine private Sache. Es war für mich auch gar keine Frage und wäre mir nicht genehm gewesen, irgendwie Vorteile daraus zu ziehen. Ich wollte es nicht und habe keinen Grund dazu gesehen. Andererseits machen wir auch zwei unterschiedliche Musikstile in zwei unterschiedlichen Sprachen. So nah liegen wir musikalisch auch gar nicht beieinander.

 

Du hast in einem Interview mal gesagt, du würdest gern was mit David Guetta machen. Ironischer Spruch oder die Wahrheit?

Lustigerweise wurde ich vorhin schon darauf angesprochen. Aber ich erinnere mich an das Interview dazu gar nicht mehr. Und ich muss auch sagen, dass ich mir oft widerspreche (lacht)… Aber David Guetta hat schon ein paar gute Punkte, zum Beispiel hat er es irgendwie geschafft, dass jeder seiner Songs ein Hit ist – egal ob man die nun mag oder nicht. Der ballert nur Hits raus und das wäre schon eine sehr, sehr gute Sache, wenn ich was mit ihm machen würde: Einen Hit ballern. Und zweitens ist er sehr nett. Ich hab mal eine Dokumentation über ihn gesehen (lacht). Und drittens er spricht französisch, was auch ziemlich nice ist. Auch auf der Bühne kann ich mir das schon gut vorstellen. Leider meldet er sich nicht bei mir.

 

+++ Nicht verpassen: Faber spielt am 22. Juni 2017 beim Unirocks auf dem Campus der TU Dresden +++

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