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Kultur

18.08.2017 "Nur für Erwachsenen"

Fanta4 im Interview über das Nachhaltigste, was sie je zu Stande gebracht haben

Autor Kaddi Cutz

Seit fast 30 Jahren stehen die Fantas zusammen auf der Bühne, was Grund genug war, Ende 2015 nochmal ein Best-Of-Album rauszuhauen. Mit „Vier und Jetzt“ machen sie am 3. September 2017 auch in der Jungen Garde Station. Wir sprachen vorab mit Smudo über hippe Kids, Work-Life-Balance und den Zahn der Zeit.

 

2019 feiern die Fantas 30-jähriges Bandjubiläum.
2019 feiern die Fantas 30-jähriges Bandjubiläum.

Ihr habt Hits aus über einem Vierteljahrhundert am Start, eure Fans sind quasi mitgealtert und bringen schon ihre eigenen Kids mit – dass Eltern und Kinder gemeinsam ein Konzerterlebnis zelebrieren, ist ja schon eher die Seltenheit. Warum ist das gerade bei euch so?

Das bringt die Dauer, wie lang wir das machen, eben mit sich. Die Leute, die mit den Fantas groß geworden sind und uns immer noch gerne hören, werden halt auch irgendwann älter und Eltern und wollen das gemeinsam mit ihren Kindern erleben und das geht vermutlich auch so lange gut, bis die Kinder dann 15 oder 16 werden und anfangen, selber einen eigenen Musikgeschmack zu entwickeln und dann keinen Bock mehr auf die Bands von Papa haben. Ich hab damals auch Papas Platten gehört und die Temptations finde ich auch immer noch gut. Natürlich hat das keiner von uns wissenschaftlich erhoben, aber na klar werden die Fans mit uns älter, wir haben auf unserer letzten Tour erstmals auch Familientickets angeboten in den Locations, wo das ging, und das funktionierte sehr gut.

 

Und wie ist das bei euren eigenen Kindern? Feiern die die Fantas ab?

Die ganz Kleine feiert noch gar nichts ab, die Große: geht so. Und die Mittlere findet das ganz gut, die geht ganz gern auf unsere Konzerte und kann auch die Texte. Ist halt auch irgendwie Geschmackssache (lacht).

 

In den letzten Jahren habt ihr ja insgesamt ganz gut aufgefahren bei euren Shows, was erwartet die Fans bei der Vier und Jetzt Tour?
Das ist ein ziemlich großer Schnitt aus allem möglichen, in erster Linie sind das natürlich erstmal die Live-Hits, die Vier und Jetzt ist ja ein Best-Of-Album und entsprechend Best of gehen wir da natürlich auch zur Sache. Wir spielen auch ganz alte Sachen mit unserem DJ-Weltmeister Eskei83, der übrigens aus Dresden stammt und uns mit dem Oldschool Sound unterstützt, außerdem natürlich auch modernere Stücke und sogar eins vom ganz neuen Album, das gerade erst halb fertig ist, aber wir spielen es trotzdem (lacht).

 

Wann kommt das? 

Das neue Album ist für Frühjahr 2018 geplant. Und ja, wir haben schon einen Namen, den verrate ich aber jetzt noch nicht. 

 

Seit euren Anfängen hat sich in der Musiklandschaft so einiges verändert, ist es heute schwieriger, Erfolg zu haben? So generell und auch im Hinblick auf das große Thema Streaming-Portale?

Ich glaube nicht, dass es da einen so großen Unterschied gibt zu früher, es ist generell immer schwer, populär zu werden. Und Streaming-Portale...naja, so ist es einfach heute. Der fossile Tonträger dient aus, wobei wir da in Deutschland schon noch sehr dran hängen, aber eigentlich genießen alle ihre Daten und Medieninhalte online, das ist völlig normal und das finde ich auch in Ordnung.

 

Lässt sich damit denn auf Künstlerseite überhaupt noch Geld verdienen?

Die Haupteinnahmequelle für Künstler heute sind schon eher Livekonzerte. Natürlich ist das bei Bands, die sich ihre Fans erstmal noch suchen müssen, jetzt vielleicht erstmal noch anders, aber die haben heute über die sozialen Medien ganz andere Möglichkeiten, die zu rekrutieren.  Und die Livefähigkeit war schon immer der Schlüssel zum Erfolg, auch schon vor den Streaming-Portalen. Wir waren halt früher noch selbt im Copyshop, haben unsere Plakate fotokopiert und ausgehängt, damit die Leute zu uns ins Jugendhaus kommen, haben Demo-Tapes aufgenommen und jedem in die Hand gedrückt, der es nicht haben wollte – heute läuft das eben anders, da generiert man Fans über seine Page-Views, arbeitet mit den Sozialen Netzwerken, aber eben mit dem gleichen Ziel, seine Musik unter die Leute zu bringen. Die Mittel sind neu, die Wege sind im Grunde die gleichen. Die Größenordnung ist da sicher eine andere, die Mechanismen aber eigentlich nicht. Die Möglichkeiten, die man heute in der Kommunikation hat, sind aber eigentlich eine gute Sache, finde ich. Natürlich stehst du da immer im Wettbewerb zu anderen Anbietern, aber das war immer schon so. Sieht man ja auch an dieser Generation von Youtubern, die da entstanden ist, das ist auch ein ganz eigenes Feld von Kunst oder Medieninhalten, die in alle möglichen Richtungen geht. Das ist auch eine Plattform, die Kids ziehen sich das rein und entdecken so ihre Leute, wie sie eben früher ihre Musik im Plattenladen entdeckt haben. Das gehört alles zusammen.

 

Welche jungen Rapper begeistern dich denn momentan so als alter Hase?

Die Rapper, die mich begeistern, sind auch schon alte Hasen (lacht). Ich hab lustigerweise diese Woche gelesen von Spongebozz, das muss wohl ein tolles Album sein, was ich mir auch mal anschauen werde, aber da kann ich gerade gar nichts zu sagen. Die super angesagten, hippen Kids kenn ich selber nicht. Ich bin K.I.Z-Fan, die finde ich gut.

 

In meiner Jugendzeit hattet ihr diese großartige VHS am Start, „Nur für Erwachsenen“, inzwischen geht ihr ja mit rasanten Schritten selber auf die 50 zu. Hättet ihr damals gedacht, dass ihr nach so vielen Jahren immer noch Bock habt, eine Platte zu machen und euch auf der Bühne zu verausgaben?

Das erstaunt uns in der Tat selbst sehr. Gerade wenn du mit „Nur für Erwachsenen“ anfängst, was ja echt schon bekifftes Zeug ist (lacht sich kaputt) - wer hätte gedacht, dass wir da so etwas Nachhaltiges am Start haben?! Das ist total schön, wir haben eigentlich immer gemacht, was wir ganz gut können und können davon gut leben, da kann man eigentlich nur dankbar sein, natürlich auch unseren Fans. Wir haben bei unseren Shows immer extra ein paar Titel dafür, wo wir dann unsere gegenseitige Liebe beschwören. Aber ja, ich staune da wirklich immer wieder. Wie das eben so ist, wenn man so als Teenie und dann später als Früh-Twen so rummacht und dann, plötzlich, wird das dein Lebensinhalt, deine Existenz. Ich hab eigentlich mein Leben lang gedacht, das ist nur vorübergehend, das ist aber gar nicht wahr. Das ist tatsächlich das Nachhaltigste, was ich je zustande gebracht habe.

 

 

Da ist ja nun auch erstmal kein Ende abzusehen, oder denkst du es kommt mal der Punkt wo ihr sagt, irgendwann reicht's auch mal, jetzt ist gut?

Die Tendenz haben wir ständig, bei jedem Album haben wir eigentlich keinen Bock, diese anstrengende Hausaufgabe „Album“ zu machen. Gleichzeitig macht das aber auch wahnsinnig Spaß, wir sind ja schon so eine Art Familie, wir hassen und lieben uns und das ist alles schön. Sicher nagt aber auch der Zahn der Zeit an uns und vielleicht macht das früher oder später  tatsächlich nicht mehr so wirklich Sinn. Vereinfacht gesagt: Es muss uns schon noch gefallen, was wir da machen, wenn das nicht mehr so ist, wäre es schon an der Zeit, da die Reißleine zu ziehen. Ich weiß aber auch nicht, ob der Mensch da nicht doch so ein Verdrängungskünstler ist, dass er das dann vielleicht gar nicht merkt. Da hoffe ich dann drauf, dass es in meinem Bekanntenkreis dann Leute gibt, die mich darauf aufmerksam machen. Wir haben jetzt bis zu unserem 30., was 2019 sein wird, erstmal Pläne gefasst, über alles andere denken wir nach, wenn wir das hinter uns gebracht haben. Wir denken auch gar nich so drüber nach, ob es weiter geht, es geht einfach immer weiter.

 

Gibt es eigentlich Songs, die ihr selber nicht mehr hören könnt?

Reichlich! (lacht) Bestes Beispiel ist da sicher „Die da“, was wir lange nicht gespielt haben und jetzt wieder spielen. Aber ein Qualitätsmerkmal einer Band ist ja, dass man es ihr nicht ansieht. Das ist aber auch wechselseitig, manche Songs nehmen wir rein, weil wir voll Bock drauf haben, manche müssen wir reinnehmen, weil die Fans das gern haben wollen, auch wenn wir da vielleicht nicht mehr so Bock drauf haben. Wir spielen ja aber auch total gern Konzerte, wenn wir dann draußen sind und gemeinsam mit den Leuten feiern und abgehen, ist das auch immer noch mal was anderes, als wenn wir allein im Proberaum sitzen und darüber diskutieren, wer auf welches Lied Lust hat. 

 

Wünschst du dir manchmal, einen ganz „normalen“, geregelten Job zu haben? Oder hast du den auf eine Weise auch?

Ach, na der Job ist schon eigentlich auch entspannt (lacht). Vielleicht nicht so geregelt, obwohl, eigentlich schon: Platte machen, Platte veröffentlichen, Tour vorbereiten, Tour machen. Das sind schon die großen Themen, die immer wieder vorkommen. Manchmal geht es mir wie Kevin  Spacey in American Beauty, der an den Drive-In-Schalter fährt und sagt, er sucht eine Stelle mit „the least possible amount of responsibility“. Ich bin schon manchmal müde von der Verantwortung, das muss noch gemacht werden und so, dann beneide ich schon manchmal die stumpfe Routine eines Jobs wo ich morgens aufstehe und weiß, um 17 Uhr ist Feierabend und dann kann ich mich vor den Fernseher setzen und gut ist. Aber das ist wahrscheinlich eine genau so romatische Vorstellung, wie sie andere Leute von meinem Beruf haben. Am Ende versucht jeder, die Balance zwischen Rechten, Pflichten und Freizeit zu finden und hat  gelegentlich mal das Gefühl, irgendwie nur ein Spielball zu sein.

 

Hast du noch irgendein tolles Dresden-Erlebnis aus eurer bisherigen Bandgeschichte?

Tatsächlich spielen wir immer sehr tolle Konzerte in Dresden, ob nun bei den Filmnächten am Elbufer vor dieser grandiosen Kulisse oder in der Jungen Garde. Das Dresden, was ich kennengelernt habe in all den Jahren, ist auch einfach nicht das Dresden, wie es sich aktuell immer wieder in den Medien präsentiert oder präsentiert wird. Das muss man einfach sagen, wir kommen immer gern nach Dresden und spielen dort, das ist eine wirklich wundervolle Stadt. Die guten Sachsen werden's richten, da hab ich einen festen Glauben dran.

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