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Kultur

21.10.2016 Wenn die das scheiße finden, hab ich ein Problem

Im Interview: Zwei von Millionen

Autor Kaddi Cutz

Die Wege des Dresdners Felix Räuber, ehemals Sänger der Band Polarkreis 18, und der Südpfälzerin Eva Croissant, Singer-Songwriterin mit einer beachtlichen Fanbase, kreuzten sich in der Hauptstadt und mündeten letztlich im Duo Zwei von Millionen. Ihre Musik ist vielschichtig und gleichzeitig tanzbarer Elektropop. urbanite traf die beiden zu ihrem allerersten Interview.

 Im Interview: Zwei von Millionen

 

Wie seid Ihr in diesem Projekt „aneinander geraten“?

Felix: An dem Projekt arbeite ich zusammen mit unserer Songwriterin schon ungefähr drei Jahre. Die Idee war, das digitale Zeitalter in Musik festzuhalten, deshalb sind auch die Sprache und die Texte relativ technisch und spielen mit genau diesen Begriffen dieser Zeit. Ursprünglich war der Plan, das so weit zu treiben, dass die Songs am Ende von einem virtuellen, digitalen Wesen gesungen werden, das wir animieren wollten. Wir haben dann aber festgestellt, dass das doch alles zu konstruiert ist, dass Wärme und Menschlichkeit fehlt. Und bei unseren Recherchen im Internet sind wir dann auf die Stimme von Eva gestoßen. Die ist sehr filgran und fragil und hat genau das Schwebende, was wir gesucht haben, damit diese Texte glaubhaft gemacht und vermittelt werden können. Also haben wir Eva kontaktiert, uns getroffen und festgestellt: Das ist total geil. (lacht). Seitdem arbeiten wir zusammen, das ist jetzt ungefähr ein Jahr her. Wir haben das eingesungen, die Arrangements gemacht und uns darauf abgestimmt, dass wir das auch zusammen singen können, was ja eigentlich nie der Plan war. Wir wollten ja tatsächlich nur eine Person im Fokus haben, dieses animierte, digital klingende Wesen, das aber ja dann weggefallen ist, weil das einfach emotional nicht funktioniert hat, und viel zu kalt war. Diese Kälte wollten wir kompensieren, das Schwebende aber beibehalten.

 

Eva: Im Zuge dessen haben wir gemerkt, dass unsere Stimmen eigentlich total gut zusammenpassen und deswegen wurde es dann ein Duo letztlich. 

 

Felix: In Wirklichkeit ist es aber so gewesen, dass mein Ego übelst aufrebelliert hat und ich deswegen unbedingt mitsingen musste (lacht sich kaputt). Das wollte NIEMAND. Nur ich.

 

Eva: So ein Quatsch!

 

Felix: Nee, wir haben einfach gemerkt, dass das irgendwie viel spannender ist, wenn wir uns stimmlich abstimmen.

 

 

Eva, du kommst ja eher aus der Singer-Songwriter-Ecke, wohingegen Felix eher im Elektropop Zuhause ist: Wie geht das zusammen?

Eva: Das war ungewohnt! Ich hab ja vorher schon so etwa sechs Jahre lang von meiner Musik gelebt und war Singer-Songwriterin in Vollzeit, fand's aber gerade deswegen einfach total spannend, mal was ganz anderes zu machen. Als ich die Songs zum ersten mal gehört habe, hab ich sofort gedacht „Huch, cool! Kann ich mir schon vorstellen, dass das ganz gut zusammen passt!“. Das war einfach auch genau der richtige Zeitpunkt,  jetzt einfach zu zweit etwas ganz Neues zu starten.

 

Felix: Es ist schon krass, wie sehr auch Timing bei sowas entscheidend ist, oder auch so generell im Leben. Ein Jahr vorher und Bäm. Es hätte einfach nicht gepasst und wäre nichts geworden. 

 

Eva: Genau. Es hat einfach gepasst. Und: Ich fand die Texte einfach auch wahnsinnig gut, was mir als Singer-Songwriterin auch total wichtig ist, dass ich mich damit identifizieren kann.

 

 

Bist du denn an den Textprozessen noch irgendwie beteiligt gewesen seit du im Projekt bist?

Eva: Nee, gar nicht. Das fand ich aber großartig. Die Texte waren abgesegnet, wir mussten nicht mehr über irgendwelche Zeilen streiten, das Label fand die Texte gut, ich fand sie super und wir konnten einfach direkt damit loslegen, die 1:1 zu interpretieren. Das mach ich ja sowieso gern, ich hab ja auch in der Vergangenheit schon viele Songs von Lieblingsbands gecovert – aber die Texte müssen halt auch passen. Das ist wichtig.

 

 

Was sind denn die Themen vom Album? Eure erste Single „Leben 2.0“ ist ja auch irgendwie so ein Carpe-Diem-Ding und damit von der Grundthematik her ja nicht neu.

Felix: Das lustige an Leben 2.0 ist ja eigentlich die Erzählform, die Art und Weise, wie die Worte gewählt sind, weil die Grundidee ja war, das digitale Zeitalter zu vertonen. Das hört man total in dem Stück. Du kannst es einerseits fast als Schablone für die technisierte Welt lesen, auf der anderen Seite geht es um das ganz grundemotionale Thema, wie es eigentlich ist, wenn du komplett überfordert bist und einfach nicht mehr kannst. Mit diesem Spannungsfeld spielen viele der Lieder, die sind mehrdeutig lesbar und haben etwas Artifizielles, aber gleichzeitig auch etwas Emotionales, Universelles. 

 

 

Wie sieht ein Leben 2.0 nach Eurer Vorstellung aus?

Eva: Für mich ist es das jetzt gerade! Ich merk das aber auch bei Freunden und in der Familie:  Irgendwie reißen sich gerade extrem viele Leute los von ihrem ursprünglichen Leben, weil sie denken: Ey, nee! Man weiß nie, was morgen kommt, ich hab keinen Bock mehr auf diesen 'normalen' Weg.

 

Felix: Eben, es gibt ja nur das eine Leben.

 

Eva: Genau. Wenn man immer nur alles auf später verschiebt, dann ist man irgendwann in Rente und hat nichts davon geschafft. Ich find das super, wenn Leute das erkennen und auch umsetzen und das ist heute tatsächlich einfacher, schon allein deshalb, weil es eben immer mehr einfach machen. 

 

Felix: Und wir diese Grundvoraussetzung Wohlstand haben, die uns die Sicherheit gibt, dass wir uns selbst verwirklichen können. Früher ging das nicht so einfach, da waren noch ganz andere Probleme im Hintergrund. Heute geht es viel mehr darum: Was ist der Sinn meines Lebens? Wer bin ich, was will ich tun, wie will ich mich ausdrücken und worin möchte ich mich finden.

 

 

Wie oft habt Ihr schon zusammen auf der Bühne gestanden und wie war's bis jetzt?

Eva: Das ist das dritte Mal heute und bisher war's super! Die Leute waren sehr dabei, die Resonanz im Nachhinein war toll. Das erste mal war ich mega aufgeregt, jetzt ist es schon entspannter.

 

Felix: Dafür bin ich heute mega aufgeregt, weil nämlich meine Familie kommt. Und wenn die das scheiße finden, dann hab ich echt ein Problem. (lacht) 

 

 

Wie ist es für dich, wieder in Dresden zu spielen? Ist ja schon ein Weilchen her wahrscheinlich.

Felix: Ja, mal sehen, wie das so sein wird. Das Hauptding ist ja, dass ich zwei Kilometer Luftlinie von hier geboren und aufgewachsen bin – daher ist das schon irgendwie witzig, da hängt ja auch viel Erinnerung dran. Ich bin aber tatsächlich noch relativ oft hier, es ist eben die Heimat.

 

 

 

 

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