Suche:
Wähle deine Stadt:
Kultur

02.02.2017 Was gibt es denn aus Dresden?

J.B.O. im Interview: über Schubladenleichen und Bier

Autor Kaddi Cutz

J.B.O. stehen seit über 25 Jahren auf der Bühne und haben so manchem bekannten Hit ein pink anmutendes Heavy-Metal-Mäntelchen übergeworfen – Die Resultate sind tanzbar, machen Spaß und rocken am 3. Februar 2017 auch in der Tante Ju. Wir plauderten mit Frontmann Vito C. über furchtbare Lieder, Schubladenleichen und Bier. 

 J.B.O. im Interview: über Schubladenleichen und Bier
Vito C.: Ich fürchte, die Welt wird uns noch länger ertragen müssen

Die meisten sind ja Weihnachten eher besinnlich unterwegs und lümmeln Aschenbrödel schauend auf dem Sofa herum, Ihr habt zwischen den Tagen ein paar Konzerte gespielt. Warum tut Ihr sowas und wie war's?

Auf'm Sofa rumsitzen ist natürlich auch mal ganz schön, aber warum nicht auch ein bisschen Musik machen? Schöne Weihnachtsmusik! Ordentlichen Weihnachts-Heavy-Metal! Das macht doch Laune! Und genau deswegen machen wir das, weil wir Spaß haben an dem, was wir tun! Und wir haben auch einige vom Sofa locken können damit! (lacht)

 

Ihr macht seit über 25 Jahren zusammen Musik, geht euch der Blödsinn nicht irgendwann mal aus? 

Nö. Natürlich verändert sich schon Einiges, es gibt schon durchaus Sachen, die wir früher gemacht haben und cool fanden, die wir heute aber nicht mehr machen würden. Nicht, weil wir das heute blöd finden, aber weil wir es eben nicht mehr machen würden. Ob uns der Blödsinn mal ausgeht: Schau‘n wir mal! Bisher sieht es nicht danach aus. Es ist zwar schon so, dass wir nach einer CD manchmal denken: ‚Oha, ob uns da jetzt dann nochmal was einfällt, das haben wir ja alles irgendwann irgendwie schon mal gehabt‘ – bis zur nächsten Produktion sind die Ideen dann aber schon wieder da und es geht weiter. Wir sind jetzt im 28. Jahr und ich fürchte, die Welt wird uns noch länger ertragen müssen.

 

Ihr habt aus dem Burger-Dance eine Panzer-Version gemacht, die durchaus auch als politisches Statement verstanden werden kann. Was war eure Intention dahinter, das zu machen und warum gerade mit diesem Lied?

Ich finde dieses Lied einfach so unfassbar daneben! Dass man einen Song macht, dessen einziger textlicher Inhalt Werbung für Fast-Food-Ketten macht! Das ist ja im Grunde schon Gehirnwäsche an Kindern, was da passiert. Je mehr man darüber nachdenkt, desto absurder wird das eigentlich. Wir haben uns gedacht, lasst uns das mal auf die Spitze treiben. Und das mit Abstand Absurdeste, was uns dazu eingefallen ist, war, einfach mal Werbung für Rüstungskonzerne zu machen. Ich find‘s auch immer noch wahnsinnig gut, dieser Happy Sound mit dem ganzen ‚Jaaaa‘ und ‚Juhuu‘ und eigentlich geht’s aber ums Morden und Kriegführen.

 

 

Ist das rechtlich nicht schwierig? 

Nö. Die Plattenfirma hat das gleich als erstes alles abklären lassen, und da die da ja tatsächlich einfach nur vorkommen und wir nicht mal sowas singen wie 'Heckler & Koch sind scheiße', ist das völlig unproblematisch. Und dass es am Ende natürlich ums Töten geht, lässt sich ja nunmal auch nicht von der Hand weisen. Ich glaube auch, dass denen das kilometerweit am Popo vorbei geht – falls das überhaupt irgendeiner von denen mitbekommen hat.

 

Gibt es Songs, bei denen ihr es besonders bedauert, die nicht covern zu dürfen?

Da gibt es ganz viele, die in der Schublade liegen, weil wir dafür keine Genehmigung bekommen haben. Am meisten leid tut es uns bislang um eine Coverversion der Bohemian Rhapsody, die bei uns Frankonian Rhapsody hieß und einen sehr fränkischen Text hat. Davon haben wir sogar mal ein sehr aufwändiges Demo gemacht, was auch schon sehr viel Arbeit gekostet hat. Wir haben das mehrfach angefragt und leider war die letzte Antwort, die wir hierauf erhalten haben: ‚Bitte nicht mehr anfragen.‘ Das ist schon wirklich sehr, sehr schade.

 

Nachdem James Last ja nun inzwischen auch verstorben ist: Wie stehen die Chancen, dass Ihr Euer 'Zensiert' entfernen und Euch endlich offiziell James Blast Orchester nennen dürft?

Da ist eher das Gegenteil der Fall, jetzt ist das quasi für die Ewigkeit zementiert. Ich hab ja mal beim Management angefragt im Vorfeld unseres 25. Jubiläums 2014, ob es nicht ein schönes Zeichen wäre, nach 25 Jahren zu sagen, wir kriegen unseren Namen zurück. Das verwechselt ja eh keiner. Wäre eigentlich für beide Seiten eine schöne Meldung gewesen. 

 

Wollten die aber nicht?

Die einzige Antwort, die ich darauf bekommen habe war, die Band J.B.O. möge sich bitte auch weiterhin vom Namen des James Last Orchesters fernhalten. Das war fernab jeglicher Redebereitschaft und nun brauchen wir da wohl auch nicht mehr anfragen. Allerdings muss man auch sagen, dass die Anwälte der Polydor uns mit der ganzen Sache einen wahnsinnigen Gefallen getan haben. Das war die beste Werbekampagne, die wir je hatten und da bin ich auch immer noch äußerst dankbar dafür. 

 

Gibt‘s ein besonderes Highlight in eurer Bandgeschichte?

Immer diese Superlative! Aber es gibt tatsächlich was, das so ein bisschen ein Highlight ist. Wir hatten auf dem Album „Laut“ ein Cover von „Roots Bloody Roots“ der Band Sepultura, die gehörten Ende der Neunziger so ziemlich zum Härtesten, was es damals so gab. Wir fanden die Idee sehr lustig, eine krasse Heavy Metal Band in eine Art Pavarotti & Friends zu verwandeln. Pavarotti hat ja damals viele solcher Projekte gemacht, unter anderem mit U2 und so und wir haben das dann so zusammengebastelt, dass am Ende ein Duett aus heftigem Heavy Metal und einem Opernsänger entstanden ist. Als dann das Internet immer populärer wurde, haben wir festgestellt, dass viele Leute glauben, dass das tatsächlich Sepultura und Pavarotti sind und das hat dazu geführt, dass Sepultura selber einen Youtube-Link zu unserem Song gepostet haben mit den Worten ‚Wir werden immer wieder gefragt, ob wir wirklich mit Pavarotti gespielt haben - Nein. Aber das ist eine der besten Coverversionen von ‚Roots Bloody Roots‘ von der Band J.B.O.‘ Das kam natürlich einem Ritterschlag gleich. Und es begab sich, dass wir zufällig in diesem Jahr auch zusammen auf einem Festival in der Nähe von Amberg gespielt haben und haben dann tatsächlich auch drei Songs zusammen mit Sepultura geprobt und am Ende live gespielt. Als Highlight natürlich den besagten Song in dieser Version, mit mir im Fatsuit als Pavarotti und beiden Bands komplett auf der Bühne. Das war so kollegial und fernab von jeglichen Allüren und einfach nur schön.

 

 

„Angie – Quit living on Dreams“ hat in Dresden schon vor einer Weile eine etwas traurige Berühmtheit erlangt, weil es auf PEGIDA-Veranstaltungen zum Einsatz kam. Wie geht ihr als Band, die sich gegen rechts positioniert, damit um und wie steht ihr heute selbst zu dem Song?

Wir würden das Lied heute definitiv nicht mehr machen. Ich finde dieses Merkel-Bashing so grauenvoll, auch wenn ich grundsätzlich nicht unbedingt ein großer Freund ihrer Politik bin. Dass dieses ‚Danke Merkel‘ inzwischen so eine Verbreitung gefunden hat, ist grauenvoll, genau wie PEGIDA und dass unser Lied dort missbraucht wurde. Leider können wir dagegen überhaupt nichts machen, die können ja spielen, was die wollen. Natürlich haben wir uns, als das bekannt wurde, öffentlich positioniert, juristisch daran hindern, können wir sie aber nicht. Aber ich weiß, dass es in Dresden auch noch sehr viele andere Menschen gibt. Es ist eine wahnsinnig schöne Stadt und es ist extrem schade, dass immer wieder so ein negativer Touch da hängenbleibt. 

 

Eure Songs widmen sich gern auch den verschiedenen fränkischen Bieren – wie ist denn eure Meinung zu den sächsischen Brauereiprodukten?

Wir haben natürlich unser eigenes J.B.O.-Bier immer dabei, sind aber grundsätzlich anderen Bieren gegenüber aufgeschlossen. Was gibt’s denn da aus Dresden?

 

Das Vier-Vogel-Pils zum Beispiel. Oder Lenin‘s Hanf.

Gut, wir schreiben das immer mit auf die Catering-Liste, dass wir gern auch lokales Bier probieren möchten.

 

Dann wünschen wir schon mal Guten Durst!

 

Info: Einlass am 3. Februar ist am 19 Uhr. Tickets gibt‘s für rund 30€. 

diesen Artikel teilen auf:
News-Info
Kommentare
› Schreibe einen Kommentar