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Kultur

07.09.2016 Vom Kassettenrekorder zum Chartstürmer

Mark Forster im Interview

Autor Kaddi Cutz

Mark Forster ist spätestens seit seiner Hit-Single „Au Revoir“ mit Sido kein Unbekannter mehr – auf seinem  aktuellen Album „TAPE“ fährt er mit den Streichern von Adele und den New Yorker Harlem Gospel Singers heftige Geschütze auf. Und auch der EM-Song des Jahres stammt aus seiner Feder. Im September und November kommt Mark Forster nach Dresden. Vorher gabs ein kleines Stelldichein mit urbanite.

 Mark Forster im Interview

Wie war dein Sommer bis jetzt?

Bis jetzt kann ich mich gar nicht so sehr beschweren. Ich war bei der Europa-Meisterschaft in Frankreich, durfte alle Spiele der deutschen Mannschaft sehen und dann auch das Finale, wo die Deutschen dann ja leider schon nicht mehr dabei waren. Das war schon so ein bisschen mein eigenes Fußball-Disneyland! Ansonsten haben wir wahnsinnig tolle Konzerte spielen dürfen. Bisher ist es wirklich einer der besten Sommer, die ich je hatte. 

 

Wie war Frankreich für dich? Was waren die Highlights, bist du über ein „Au Revoir“ herausgekommen?

Das absolute Highlight für mich war natürlich, die Spieler im Stadion sehen zu dürfen und auch mal einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen. Ich hab ja viel mit den ganzen Sport-Journalisten und Experten quatschen dürfen, ich durfte mit Olli Kahn Fußball gucken, hab lange mit Mehmet Scholl gequatscht, der so ein bisschen der Fußball-Held meiner Kindheit war, mit Gerhard Delling und wie sie alle heißen – durfte mal beim Training zuschauen, bei Pressekonferenzen dabei sein. Das war ein ganzer Sack voller Highlights in kurzer Zeit. Was ich aber gemerkt habe war, dass die Stimmung in Frankreich nicht so euphorisch ist, das ist kein Vergleich zum Sommermärchen 2006. Man merkt schon sehr, dass die Franzosen immer noch unter dem Eindruck dieser schlimmen Geschehnisse standen und von daher keine richtige Euphorie aufkam.

 

Hast du von den Ausschreitungen selber auf der Fanmeile was mitbekommen?

Nein, tatsächlich nicht. Also jein. Ich war viel in diesen Journalistenkreisen unterwegs im EM-Kontext und da ist es schon so, dass es da ganz viele Whatsapp-Gruppen gibt und jeder schickt dem anderen die ganzen Fotos von irgendeiner Prügelei, die es in einer Kneipe gab oder von Rauch-Pyro, die auf der Fan-Meile gezündet wird. Wenn man gerade mit einem Sport-journalisten quatscht, kriegt man das also schon irgendwie live mit. Mein Eindruck war aber schon, dass Vieles auch einfach hochgekocht wurde, was am Ende vielleicht gar nicht so schlimm war. Ich hab die EM als total friedlich und sehr, sehr entspannt wahrgenommen und hatte zu keiner Zeit irgendein unsichereres Gefühl oder so. 

 

Für dein neues Album bist du ja auch krass herum gekommen, warst in London, New York und wo nicht noch überall und hast ziemlich irre Leute an den Start gekriegt, die dich unterstützt haben. War das von Anfang an der Plan? 

Ich versuche eigentlich immer, wenn ich ein neues Album mache, mir so eine Grundidee zu überlegen. Beim letzten Album „Bauch und Kopf“ war das das große Symphonie-Orchester und diesmal habe ich von so einem amerikanischen Sound geträumt. Ich war mal im Urlaub in New Orleans und das hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich wollte unbedingt ganz viel mit Bläsern und Gospel-Chören und sowas machen. Und dann war ich ohnehin mit meinem Produzenten und meinen Lieblingsmusikern eine ganze Zeit in Spanien und der ganze amerikanische Sound kam in der Zeit halt nur vom Band oder Computer. Bis irgendwann der Tag kam, wo wir uns gesagt haben: „Ok, jetzt müssen wir das aber auch tatsächlich mal aufnehmen!“. Und dann habe ich einfach mal Google gefragt: Was ist denn der beste Gospel-Chor der Welt? Und dabei kamen dann die Harlem Gospel Singers in New York heraus. Die habe ich dann tatsächlich einfach angerufen und hatte das große Glück, dass die Lust hatten, mit uns was aufzunehmen. Da waren wir dann plötzlich ein paar Tage später in New York und haben das gemacht. Bei den Streichern war es im Grunde genau so. Ich habe mir überlegt: Was sind die besten Pop-Streicher, die mir einfallen? Und das waren eben eindeutig die von Adele. 

 

Wird dir dein Erfolg nicht langsam unheimlich? Das sind ja schon ziemliche „Nummern“, mit denen du da zusammen arbeitest inzwischen.

Nö, unheimlich wird mir das nicht (lacht). Erfolg ist ja immer so eine Geschichte, die man selber gar nicht so unbedingt mitkriegt. Das ist eher so um einen herum. Ich merke, dass ich erfolgreich bin, weil mich ständig Leute darauf ansprechen, wie erfolgreich ich doch jetzt bin -  in meinem täglichen Leben ändert sich aber ja gar nichts.  Außer, dass wir eben wahnsinnig viele Konzerte spielen dürfen und da einfach richtig viele Leute kommen. Wir können jetzt, sei es spontan bei Konzerten oder eben auch bei Platten, die wir machen, Schnapsideen einfach umsetzen. Das ging früher in der Form so einfach nicht und darüber freue ich mich jeden Tag!

 

Aber sonst hat sich nicht so viel verändert? Du wäschst deine Wäsche noch selber und hast Zeit für so Dinge wie auf Pokémon-Jagd zu gehen?

Pokémon hab ich jetzt noch nicht gemacht. Ich hab mir das mal bei ein paar Kumpels angeschaut, wie man die fängt und fand das jetzt irgendwie zu unspektakulär, um mir das selber runterzuladen. Natürlich ist das ein Punkt, dass ich jetzt nicht mehr so super viel Zeit habe, viel unterwegs und wenig zuhause bin. Aber dafür kann ich auch total tolle Sachen erleben und das ist es mir dann auch wirklich wert.

 

Wie nutzt du denn deine freie Zeit, wenn du mal welche hast?

Du sprichst ja mit jemandem, der sein Hobby zum Beruf gemacht hat, und dieser Beruf bedeutet eben, dass ich immer ganz viel von Event, Lautstärke und ganz vielen Menschen umgeben bin. Da passiert einfach jeden Tag irre viel. Wenn ich dann wirklich mal frei habe und nirgendwo hin muss, dann bin ich auch einfach gerne Faultier und hänge einfach nur ab. Dann mache ich wirklich gern gar nichts, oder gehe spazieren oder mache einfach ruhige Sachen.

 

Dein Album heißt „TAPE“- Da kommen ja schon Erinnerungen an die guten, alten Mixtape-Zeiten auf. Hast du damals auch stundenlang mit der Record-Taste im Anschlag vorm Radio gesessen und auf deine Lieblingssongs gewartet?

Ja, genau so war das. Ich komme ja aus einem kleinen Dorf und in meinem Kinderzimmer hatte ich so eine SABA-Kompaktanlage mit genau zwei Radiosendern. Ich hab das immer auf Kassette aufgenommen und daraus dann Alben entwickelt. Nach „Three Lines On The Shirt“ kommt bei mir No Doubt mit „Don‘t speak“ und „Hope of Deliverance“ von Paul McCartney hat nur eine Strophe, weil die Kassette zu Ende war. Ich wollte mit „TAPE“ eine Platte machen, die genau so abwechslungsreich ist und sich nach Zuhause anfühlt.

 

Du bist ja auch großer Fan des deutschen HipHops, ich hab mich sehr über deine Version von „A-N-N-A“ gefreut. Wie fiel das Feedback von Max Herre aus?

Ja, der hat mir das erlaubt! Max Herre ist wirklich ein großes Vorbild von mir und er fand das glaube ich ganz cool. Man sagt ja immer, man soll seine Idole lieber nicht treffen, weil man dann vielleicht am Ende enttäuscht ist. Aber: Wenn dein Idol Max Herre ist, dann ist das okay!

 

War Deutsch-Rap so die Musik deiner Jugend? Was gab es noch und was hat sich in dein Erwachsenenleben rübergerettet?

Ja! Ich mochte aber auch die Beatles und Queen und die Stones, und Mitte der 90er fing das dann an mit „Lauschgift“ von den Fantas, da wurde zum ersten Mal deutscher Hip Hop cool. Und dann kamen natürlich die ganzen Hamburger und Stuttgarter dazu, Mongo Clikke und Kolchose und vielleicht ist meine Musik heute so ein bisschen eine Mischung aus all dem, aus Dynamite Deluxe und den Beatles. 

 

Du bist im September und November in Dresden – Kennst du die Stadt? Was magst du, was wirst du mitnehmen außer den Konzerten?

Wir haben schon öfters in Dresden gespielt und ich war auch früher öfter da – deshalb freu ich mich auch sehr auf Dresden und deshalb sind wir dort auch zwei mal. Ich kann mich an einen Abend in der Neustadt erinnern, da waren wir lange unterwegs, aber es spricht für den Abend, dass ich nicht mehr weiß, wie die Läden heißen, in denen wir uns rumgetrieben haben (lacht). 

 

Was steht noch an Highlights an dieses Jahr?

Natürlich die Sommer-Tournee und die Tour im Herbst -  das sind so meine Spaß-Eckpfeiler. Und dazwischen wird es noch einige Highlights geben, über die ich noch nicht sprechen darf. Es wird noch sehr viel Cooles passieren in der nächsten Zeit und ganz bestimmt nicht langweilig – lasst euch überraschen!

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