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Mein Viertel: Gorbitz

Zwei unverkennbare Gesichter

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09.06.2018

Gorbitz: Eine reine DDR „Plattenbaulandschaft“, 
denkt jeder erst mal, der den Namen des am westlichen Rande liegenden Viertels hört. Vorurteil oder bittere Wahrheit? Wir haben’s persönlich ausgecheckt!

 

Durchstöbert man das Stadtarchiv, stößt man irgendwann auf Aufzeichnungen über eine sorbische Siedlung namens „Gurbewicz“. Im Jahre 1206 entstand am Westhang des Elbetals eben jener Fleck, wobei es sich die Siedler bei der Namensfindung recht einfach machten, denn der Name „Gurbewicz“ leitet sich vom altsorbischen Wort „Gora“ ab, was so viel wie „Hügel“ bedeutet, auf dem das heutige Gorbitz liegt. Wie es so oft in der Entwicklung einer Siedlung hin zu einem bürgerlichen Dorf ist, zieht irgendwann ein Gutsherr hinein, der sich nach seinem Dorf benennt oder anders-
herum, das Dorf nach ihm oder irgendeine Mischung aus beidem. So traf auch die Siedlung „Gurbewicz“ dieses Schicksal. Eine Familie, die sich fortan als „von Gorbitz“ bezeichnete, erbaute im eingedeutschten „Gorbitz“ den ersten Herrenhof, womit auch eine Reihe weiterer Häuser für die Dienerschaft entstanden. Händler kamen hinzu, Bauern und Schmiede ließen sich nieder und so wuchs Gorbitz, bis der eigentliche Dorfkern für Handel und Geschäftigkeit nicht mehr ausreichte. So entwickelten sich über die Jahre zwei Dorfkerne, die sich ab 1573 offiziell in die Landgemeinden Ober- und Niedergorbitz teilten. Neben diesen beiden Ortsteilen kam später außerdem ein dritter hinzu, das ehemalige Kammergut, welches aus Ländereien des kurfürstlichen Eigentums bestand. 

 

Auf historischer Suche in Altgorbitz 

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Alt-Gorbitz
Obergorbitz war der Ortsteil, an dem sich die kurfürstliche Gesellschaft niederließ, wodurch hier ein wohlhabendes Bauerndorf entstand. Mit zwei Weinbergen, einer Brennerei und einer Brauerei war Obergorbitz eine beliebte Anlaufstelle von Kurfürst August, der die Gorbitzter Röhrfahrt anlegen ließ, eine hölzerne Wasserleitung, die das Dresdner Schloss versorgen sollte. Noch heute kann man historische Bauten aus früheren 
Zeiten im oberen Teil der Uthmannstraße finden. Nieder-
gorbitz dagegen war die Heimat von Tagelöhnern und Söldnern. Die Bewohner verdienten sich ihren Lebens-
unterhalt auf dem nahegelegenen Kammergut und lebten in sehr kleinen und verwinkelten Bauernhäu-
sern. Bis 1745 war Gorbitz ein eher ruhiges Dörfchen mit einem emsigen Bauernleben und kurfürstlichen Lehnsherren. Doch am 15. Dezember 1745 wurde Gorbitz von der Schlacht bei Kesselsdorf ergriffen, da hier das sächsische Heer eine vernichtende Niederlage gegen Preußen erlitt. Auch der Siebenjährige Krieg zog nicht spurlos an Gorbitz vorbei und zerstörte einige wichtige Gehöfte. Ein dreiviertel Jahrhundert später musste Gorbitz als Belagerungsplatz der Franzosen, die in Dresden einfallen wollten, herhalten. Während der Belagerung baute Napoleon die „Freybergische Straße“, die bereits im Mittelalter als eine wichtige Verkehrsverbindung nach Dresden am Gorbitz’schen Dorfkern vorbeiführte, zur „Freybergischen Chaussee“ aus. 1813 wurden schließlich die französischen 
Belagerungstruppen abgezogen, was Dresden zwar eine Belagerung ersparte, in Gorbitz jedoch tiefe Narben hinterließ. Wiederum ein gutes Jahrhundert später, im Jahre 1921, wurden die beiden Ortsteile schließlich nach Dresden eingemeindet. Seit jeher ist Ober- und Niedergorbitz als „Altgorbitz“ bekannt. Geht man heute durch die Straßen von Altgorbitz, führt einen 
der Weg durch schmale Gassen mit historischen Altbauten und kleinen Bauernhäusern, die an schon längst vergangene Zeiten erinnern.  


Ganz im DDR-Flair – Neu-Gorbitz

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Neu-Gorbitz
Wie für ganz Ostdeutschland wurden auch in Gorbitz 
nach dem Zweiten Weltkrieg DDR-Renovierungs-
maßnahmen durchgeführt. So wurde bereits 1945 in der ehemaligen Gaststätte „Zum Reichsschmied“ an der Kesselsdorfer Straße das erste Dresdner Rundfunkstudio nach dem Krieg eröffnet. Ab 1955 wurde aus diesem das DEFA-Studio für Trickfilme. 1979 kam dann der Beschluss der Stadt Dresdens: das größte Neubaugebiet, das Dresden je gesehen hatte, sollte auf dem Boden des ehemaligen Kammergutes hochgezogen werden. Am 21. August 1981 wurde schließlich der Grundstein zum ersten Wohnkomplex des Plans „größtes Neubaugebiet Dresdens“ gelegt. Es dauerte nicht mal ein Jahr und schon konnten die ersten Bewohner in die neuen Wohnkomplexe einziehen. Am 19. Juli 1984, also nur knapp fünf Jahre nach Baubeginn, feierte das Wohngebiet die 100.000. Übergabe einer Wohnung an einen Mieter nach 1945. Der DDR-Neubaukomplex boomte und so entstand in den 1980er Jahren schließlich „Neu-Gorbitz“. Bis Ende der 80er Jahre wurden ca. 14.000 Wohnungen für über 40.000 Einwohner errichtet. Außerdem kamen elf neue Schulen, zwei Seniorenheime, Kindergärten und viele, viele Geschäfte hinzu. Ab 1995 begann man schließlich die alten und doch eher unansehnlichen DDR-Plattenbauten mit modernen Gebäuden zu überbauen, um so das Viertel aufzuwerten. So entstand beispielweise am Wölfnitzer Ring 2 ein Glashaus, das durch den Wechsel von offenen und geschlossenen Platten einer klassischen Moderne nachkommt.

 

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Das Elbamare
Außerdem wurde 1996 an der Schlehenstraße ein neuer und hochmoderner Straßenbahnhof eröffnet. Mit Stellplätzen für 120 Bahnen und einer ca. 13 km langen Gleisschleife befindet sich hier der größte Betriebshof der Straßenbahn Dresden. Noch heute laufen die Modernisierungen auf Hochtouren. So wurde für ca. 20 Millionen Euro das ehemalige und nun schon länger leerstehende „Gorbitz-Center“ umgebaut und soll im Sommer diesen Jahres als neues Einkaufszentrum namens „dresden.karree“ eröffnet werden. Auch findet man auf den ca. 2,83 km² in Gorbitz viele Freizeit- und Kulturangebote, wie Dresdens größtes Erlebnisbad mit Saunalandschaft „Elbamare“ und jede Menge Restaurants. Wer hier mal besonders historisch essen gehen möchte, kann dies im „Gasthof Herrenhaus“ tun, der vor unserer Zeit zum ehemaligen Kammergut gehörte.



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