Suche:
Wähle deine Stadt:
Kultur

09.01.2017 Wunderschöner Kitsch

Neu im Kino: La La Land

„City of Stars. Are you shining just for me?“ Ahhh, da ist es wieder. Dieser Ohrwurm, der erst nur leise im Hintergrund summt und sich später zum ausgewachsenen Kopfverdreher entwickelt, aus dem es kein entkommen mehr gibt. Der Musicalfilm mit Emma Stone und Ryan Gosling wurde schon in Cannes bejubelt und hat auch im Oscarrennen gute Chancen. Zu recht oder doch nur überschätzter High-School-Musical Quatsch?

 Neu im Kino: La La Land
Mia und Sebastian finden schnell viele Gemeinsamkeiten

Mia hat einen großen Traum. Sie will unbedingt die großen Bühnen dieser Welt erobern und Schauspielerin werden. Dafür tingelt sie zu unzähligen Castings und Vorsprechterminen, nur handelt sie sich jedes Mal eine Absage ein. Dem Jazz Pianisten Sebastian geht es ähnlich. Er träumt vom eigenen Club, in dem traditioneller New Orleans Sound läuft – doch für klassischen Jazz interessiert sich keiner mehr. Entmutigt hangelt er sich von Auftritt zu Auftritt. Als die Erfolgsentwöhnten aufeinander treffen, funkt es kurze Zeit später und gemeinsam als Team versuchen sie aus ihren Wünschen Wahrheiten zu machen.

 

Ein Traum in Bunt

La La Land gehört zu der Sorte Filme, bei dem es sich lohnt, auf die letzten Werke der Kreativen hinter der Kamera zu blicken. Regisseur, Cutter und Komponist arbeiteten zuletzt an „Whiplash“. Ein kleiner drei Millionen Dollar Film, der einen von Ehrgeiz zerfressenen Jazzdrummer und dessen Perfektionismus-getriebenen Lehrer in den Mittelpunkt rückte. Ein Musikthriller, der eine einfache Prämisse in ein aufregendes Aufeinandertreffen zweier Antihelden verwandelte. Zwei Oscars gewann Regisseur Damien Chazelle mit seinem Debütfilm. Die Erwartungen für den Nachfolgerfilm waren dementsprechend hoch.

 

Bereits die Anfangsszene macht klar auf sich der Zuschauer in den nächsten zwei Stunden einstellen kann. Eine exzellent gefilmte Choreographie, die mehrere dutzend Tänzer, Statisten und Musiker umfasst, die zum ersten Song des Films ihre Hüften schwingen lassen. Doch keine Bange - hier wird kein süß-plüschiger Quatsch präsentiert wie die High-School Musical Schmonzetten oder einige Step Up Vertreter. Chazelle orientiert sich konsequent an Klassiker wie „West Side Story“. Hier stehen größtenteils einzelne Figuren und deren Choreographie im Vordergrund statt überbordende Massenszenen, die jeglichen Fokus vermissen lassen und zum Selbstzweck verkommen sind. Komponist Justin Hurwitz schafft wunderbar, eingängige Lieder ohne Fremdschamgefühl. Dazu eine punktgenaue Inszenierung mit dem richtigen Auge für Timing und Rhythmus, die bereits die Musikszenen aus „Whiplash“ zum Highlight machten. Zwar droht der Kitsch-Topf  manchmal überzuschwappen, doch lassen Regisseur und Darsteller dies nie zu und bewahren immer Klasse und Anmut. Die Musicaleinlagen sind klar die größten Stärken des Films. 

 

Goldjunge bereits sicher?   

Nicht nur der gesamte Film bekam von Kritikern im Vorfeld überschwänglichen Zuspruch. Auch die beiden Hauptdarsteller bekamen ihren Oscar quasi mit Namengravur schon zugestellt. Alles also abholbereit? Natürlich sind Ryan Gosling und Emma Stone bezaubernd als träumerische Looser. Auch wenn Looser in Anführungszeichen gemeint ist. Hier lieben schöne Menschen schöne Menschen, die schön singen, schön tanzen und manchmal schön scheitern und dann wieder schön Erfolg haben. Gott sei Dank, sind beide Schauspieler sympathisch und charismatisch genug, damit wir vor Neid nicht zu ersticken drohen. Ob das für die größte Filmauszeichnung reicht, bleibt abzuwarten. Beide zeigen jedoch die fast größtmögliche Palette an Emotionen und Ausdrucksweise, die Filmhochschulen im Lehrplan haben: Lachen, Weinen, Wut, Singen, Trauer, Tanzen und Freude.

Artikelbild für Neu im Kino: La La Land
Ob heutzutage überhaupt noch jemand Jazz hören möchte?

 

Erzählerisch wechselt der Film zwischen bekannten Klischees und cleveren Einfällen. Chazelle genießt als Regisseur und Drehbuchautor sichtlich die bekannten Strukturen solcher Liebesstreifen und badet zu gleichen Teilen in ihnen, dreht sie aber gerne auch mal auf links. La La Land erzählt im Grund zwei Handlungsstränge, die sich aber immer wieder überkreuzen. Der Weg beider Hauptfiguren bekommt in etwa den gleichen Anteil, auch wenn Ryan Goslings Jazzmusiker Sebastian eindeutig der favorisierte Charakter ist. Bei seinen Auftritten merkt man Damien Chazelles Jazzaffinität überdeutlich an. Das Musikgenre aus New Orleans und seine Künstler sind ihm sehr wichtig, schenkt er ihnen doch viele kleine Szenen und huldigt ihnen auf die eine oder andere Weise. Das kann man als unnötig und ablenkend bezeichnen oder aber als gelungene Hommage an vergangene Zeiten.

Großes erwartet, großes bekommen –mit einem Hacken

Also ein Film für jedermann und jederfrau? Eher nicht, trotz der beinahe fehlerfreien Umsetzung einer Musical-Romanze, liegt darin auch die größte Schwäche begraben. Zuschauer sollten einen Faible für derartige Erzählungen und Inszenierungen mitbringen, sonst droht eher kaltes Schulterzucken. Wer nur mit den Augen rollen kann, wenn Konflikte durch Gesang und Tanz geklärt werden, dann bleibt dem Kinoticket lieber fern. Er wird auch keine Zweifler überzeugen. Alle anderen bekommen eine großartige Darbietung mit Goldschleife serviert. Klassisches Hollywood der Ära gute Laune. Optimistisch, Überzeichnet und mit den großen Gefühlen ausgestattet.           

 

Info: La La Land könnt ihr ab dem 12.1 u.a. im Kino in der Fabrik oder im Programmkino Ost sehen.  

           

  

  

 

diesen Artikel teilen auf:
News-Info
Kommentare
› Schreibe einen Kommentar