Plan A, Band, Konzerte Dresden,

Plan A im Interview

Von Anzug bis Nackig

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22.03.2018
Autor: Kaddi Cutz

PLAN A besteht aus den Musikern, Choreographen und Tänzern Philipp van der Heijden, Sven Janetzko und Viktor Braun. Alle drei sind Teil des Universums Deichkind. Als PLAN A arbeiten sie auf einer experimen
tellen Welle: Elektronisch, postpunkig, wavig. Der Ablauf eines Abends mit diesen Jungs? Unvorhersehbar, unbeschreiblich und unbedingt unverpassbar. Am 29. März feiert PLAN A in der GrooveStation Konzertpremiere. Warum gerade dort und warum ihr euch das dringend geben solltet, haben uns die Hamburger in einem Vorab-Schnack verraten.

 

Plan A, Band, Konzerte Dresden,
Die Jungs von Plan A
Ihr habt im letzten Sommer ein paar Tage in den Dresdner Ballroom Studios verbracht und dort einen ersten Song aufgenommen – gibt es in der Zwischenzeit schon mehr zum Anhören?

Sven: Wir haben ganz viel produziert, allerdings hat sich unsere zweite Aufnahmesession von Januar auf März verschoben, da Philipp ein größeres Tanzprojekt angenommen hat, welches total spannend ist. Das ist so ein bisschen zwischen die Plattenproduktion geknallt. Ich bin jetzt dabei, Beats zu machen, Philipp auch, Viktor übt an diversen Instrumenten und wir werden uns dann direkt zwei Wochen vorher nochmal im Studio einschließen, Sachen machen und sicher auch schon ein paar Songs fixieren.

Philipp: Gerade arbeiten wir explizit auf die Live-Show hin. Das sind zwei verschiedene Projekte: einerseits Songs zu produzieren und ein Album rauszubringen, andererseits die Live-Show zu konzipieren. Für die Albumproduktion haben wir April oder Mai eingeplant.

 

Ist das der experimentelle Aspekt der Show, dass die Tracks einfach noch nicht fertig sind?

Philipp: Nee, das liegt daran, dass wir alle drei von der Improvisationsstruktur kommen. Dabei arbeiten wir aber immer auch mit fixem Material, mit dem wir spielerisch umgehen. Das ist ganz eng gekoppelt mit den Aktionen, die wir live auf der Bühne machen. Das geht von sehr ruhigen, atmosphärischen Sachen bis hin zu Party-Momenten, wo wir die Leute abholen und die einfach feiern. Wir haben ein Grundmotiv für einen Song und schauen, gerade im Hinblick auf die Live-Show, was man damit noch machen kann. Das muss dann gar nicht so ausproduziert sein, das ist uns relativ egal. Es gibt ein Herzstück, ein Fundament, und dann baust du halt Holz drauf, oder Beton, oder ganz was anderes. Das gibt uns dann die Möglichkeit, live richtig abzufeuern.

 

Sven: Von Anzug bis nackig! Von der Polonaise langsam in den Pogo übergehen. 

Viktor: Am Ende wird das auf eine Kombination aus fertigen Songs und freien Passagen hinauslaufen, für die es schon Grundlagen gibt. Wir müssen ja auch schauen, was denn überhaupt im Raum ist – das ist extrem spannend, fürs Publikum und auch uns selbst. Das dauert manchmal ein bisschen, bis es sich entwickelt, dafür ist es dann aber umso schöner, weil es wirklich in dem Moment genau so entsteht.

Philipp: Das Experimentelle ist also nicht, dass die Leute am Ende völlig verstört und angestrengt sind und gar nicht mehr wissen, wo die Eins ist (lacht). Es ist eher eine große Experimentierfreude und Offenheit, spielerisch etwas Neues entstehen und das Publikum an diesem Prozess teilhaben zu lassen.

 

Wie ist denn überhaupt die Aufgabenverteilung innerhalb der Band?

Viktor: So, wie es sich in einer Band gehört! Jeder macht einzeln Sachen, dann trifft man sich und dann ent-
steht daraus wieder etwas Eigenes. Das entspricht der 
Mischung aus Fundament und freien Sachen, weil eben auch alle Formate für uns funktionieren.

Sven: Das verbindende Element bei uns dreien ist zum einen die Musik, aber auch die Verbindung der Instrumente zueinander. Und auch unsere Performance an sich. Wir sind zu jeder Zeit zu dritt auf der Bühne, es kann aber auch sein, dass Viktor und ich uns musikalisch auf die Aufbauarbeit des Songs konzentrieren und damit Philipp die Möglichkeit geben, zu tanzen oder etwas anderes zu machen. Wir tragen uns zu jeder Zeit, das muss nicht immer als Trio sein, sondern kann auch heißen, dass zwei von uns einfach mal nur zuhören. Das sind alles Strukturen, die wir sehr gerne dem Dresdner Publikum schenken möchten.

Viktor: Wir freuen uns auf jeden Fall schon sehr auf Dresden, auf die GrooveStation, den Billardraum und den Döner-Drive-In, der Philipps Lieblingsladen geworden ist. Wir haben vorher noch nie einen Döner-Drive-In gesehen! Aber am meisten auf die Leute in der GrooveStation und die Party, die wir da kennen und gewohnt sind.

 

Ihr habt ja mit Deichkind im Mai auch schon sehr gut abgerissen!

Sven: Genau! Das ist natürlich etwas anderes, das muss man ganz klar sagen. Wir sind zwar alle drei auch im Deichkind-Kosmos, spielen aber als PLAN A nichts davon. Es wird keine Deichkind-Show, auch wenn wir dort unsere eigene Energie mit reingeben. Das kann man nicht völlig trennen, das sind ja schließlich auch wir mit unseren Persönlichkeiten. Das ist eine ganz andere Striktheit, ich bin ja nun schon zehn Jahre mit Deichkind unterwegs und in frühen Phasen war das vielleicht so ein bisschen wie wir heute. Aber wir haben jetzt keine ausgefeilte Bühnenshow und Schlauchboote am Start (lacht)! Und wir werden diese Hit-Fülle leider nicht bieten können (schallendes Gelächter). Unsere Platte ist natürlich geil, aber aktuell wissen nur wir, wie es sein wird.

Philipp: Wir haben kein „Yippie Yeah“, aber wir haben ein „Flying High“. Außerdem haben wir ja auch Viktor. Viktor macht alles klar!

 

Hauptsache, der hat was an auf der Bühne.

Sven: Viktor soll was anhaben? Du meinst, ich sollte was anhaben.

 

Es wär schön, wenn ihr alle was anhättet, alles andere irritiert ja nur.

Philipp: Wir nehmen das als Hinweis, können aber nicht garantieren, dass wir das schaffen werden (alle lachen sich kaputt).

 

Wie steht denn der Rest von Deichkind zu dem, was ihr da macht?

Sven: Wohlwollend interessiert, würde ich mal sagen. Neugierig, wahrscheinlich wie alle anderen auch. Die hören ja auch die Snippets und Ideen, da gibt’s aber jetzt noch keine explizite Meinung, sondern eher fröhliche Unterstützung und Gespanntheit.

 

Was hat euch überhaupt geritten, eine neue Band zu gründen?

Philipp: Ich hatte einen Proberaum und habe Sven gefragt, ob er nicht Lust hat, mal ein bisschen zu jammen. Da gab es gar keinen festen Plan, aber wir sind ziemlich schnell an einen Punkt gekommen, wo wir gemerkt haben, dass wir ein gleiches Verständnis haben, wie wir Musik begreifen und damit live experimentieren. Es gibt ja tausend Bands, die mit irgendwelchen Effektgeräten arbeiten. Was ich bei PLAN A ganz spannend finde ist, dass man live mitverfolgen kann, wie ganz eigene Sounds kreiert werden, die aber trotzdem tanzbar sind oder einen Sog haben. Da geht es nicht um Noise-Musik oder irgendwelche neue Musik nur für Insider.

Sven: Und Viktor lag halt auf der Straße, total aufgedunsen. Da haben wir einfach gesagt: Junge, du musst mal ein bisschen Sport machen und dann hat er sich an die Keys gesetzt und da ein Solo hingeballert, sodass wir einfach nur dachten: Wow. Dann haben wir ihn mit der Milchflasche großgezogen und nun ist er muskulös, überall, in der ganzen Masse seiner Jugend. Und das werden wir natürlich ganz nach vorne stellen.

 

Wie seid ihr an die Ballroom-Jungs gekommen?

Sven: Wir haben uns bei dem GrooveStation-Gig letztes Jahr kennengelernt, Johannes hat uns auch noch mit einer 
Gitarre ausgeholfen und irgendwie kamen wir dann ins Gespräch. Als wir dann das große Deichkind-Konzert am Elbufer hatten, sind wir drei direkt als PLAN A zu Johannes, haben uns das Studio angeschaut. Dann stand auf einmal im Raum, ob wir nicht Bock haben, vorbei zu kommen. Das haben wir dann auch gemacht und seitdem sind wir in Kontakt und er hat immer noch total Bock drauf, das Album mit uns zu machen. Das ist ein Spitzentyp, der sich super auskennt und Bock hat, den Weg mitzugehen und neue Ufer zu erklimmen. Dresden ist schön, die Leute sind cool, alles super!

Philipp: Deswegen wird das auch unser erstes Konzert in diesem Ausmaß in der GrooveStation, Dresden erlebt sozusagen die Geburt von PLAN A. Wir sind da ganz offen, wir wollen, dass alle kommen. Ich find’s gut, wenn Leute das super finden. Ich find’s auch gut, wenn Leute das scheiße finden, weil das Reibung erzeugt. Wir waren ganz lange in der Findungsphase, jetzt schreit es danach, das einfach rauszuhauen.

 

 

Live: Am 29. März geben PLAN A  um 21 Uhr ihre Konzertpremiere in der GrooveStation.

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