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Kultur

17.06.2017 Das Riverbötchen

Rückblick: So wars bei Kachel&Mann

Im Mai feierte Kachel&Mann – die Talkshow für alle Wetterlagen im Boulevardtheater Premiere. Während Uta Schorn, Gregor Gysi und Sigmund Jähn der Einladung zur Gesprächsrunde an zwei Abenden folgten, erlebte das Publikum Kachelmanns Rückkehr in ein Format, dessen Feinheiten er nach wie vor beherrscht. 

 

Jörg Kachelmann & Angelika Mann
Kachel&Mann hat das Potential, interessante Gäste nach Dresden zu locken.
Die Besucher auf den seit Monaten ausverkauften Plätzen im Großen Saal des Boulevardtheaters beäugen gespannt den güldenen Glitzervorhang, der so oder so ähnlich auch schon bei ABBA gehangen haben könnte. Glücklicherweise ist das Bühnenbild ansonsten schlicht: Drei Stühle, im Halbkreis aufgestellt, jeweils dazwischen ein Tisch, im Hintergrund eine Topfpflanze, die ihre besten Zeiten bereits hinter sich hat und nicht zu vergessen der Mann am Keyboard, welcher erst stoisch Instrumentals von „Raindrops Keep Fallin‘ on My Head“ oder „Summertime“ schmettert. 

 

Beinahe pünktlich betritt Angelika Mann die Bühne und eröffnet mit dem Regenlied aus Reinhard Lakomys Kinderhörspiel „Der Traumzauberbaum“ die Talkshow Kachel&Mann. Es mag seltsam anmuten und das ist es irgendwie auch, aber bei diesem Format ginge es nun einmal um „Wetter, Wetter und nochmals Wetter“, so Mann. Daher erscheine es doch naheliegend, so einzusteigen. Nicht so richtig, aber was soll’s.

 

Schon kündigt Mann schwungvoll ihren Moderationskollegen – Jööörg Kachelmann – an und sofort brandet überschwänglicher Applaus auf. Ja, sie sind vor allem wegen ihm gekommen, dem Mann in heller Blue-Jeans, Hemd und Hipster-Hosenträgern. Das Publikum im oberen Alterssegement erinnert sich an seine Jahre bei der MDR-Talkrunde Riverboat, seinen Witz, seine Souveränität, seinen Charme.

Als hätte er die Talkshows dieser Welt nie verlassen, übernimmt Kachelmann die Führung und gibt zunächst einen zwanzig minütigen meteorologischen Rundumschlag durch den Geographieunterricht der 6. Klasse. Wozu und warum wird bis zum Ende nicht so recht klar. Das Hochdruck-Tiefdruck-Intermezzo ist zwar unterhaltsam, verwirrt aber angesichts des Talkshow-Konzeptes. Dann aber geht es endlich mit der eigentlichen Gesprächsrunde los und Kachel&Mann führen in bester Riverboat-Manier durch den Abend. 

 

Früher war nicht alles schöner

 

Es ist Manns Debüt als Talkgastgeberin, man merkt, dass es nicht ihr heimisches Terrain ist, aber sie schlägt sich wacker und macht ihre Sache gut. Und entgleitet ihr dann doch einmal der rote Faden, lenkt Kachelmann wenig subtil, aber effizient und freundlich bestimmt das Gespräch wieder in richtige Bahnen. 

 

Nach dem Leitspruch „Alles ist schöner als der MDR“, wird der Showmaster dabei nicht müde, nur halb gescherzte Seitenhiebe gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk auszuteilen. Generell lässt er seinen bissigen Humor häufig zuschnappen: Seine Co-Moderatorin, der Gast, das Publikum, Jan Hofer, Alice Schwarzer – sie alle kriegen ihr Fett weg. Lediglich die dicke Schicht Selbstironie, mit der er alles sorgsam umwickelt, führt dazu, dass seine Kommentare sympathisch bleiben. Zumindest über weitere Strecken. Kachelmann – mag man ihn nun oder nicht – weiß einfach, was er tut. Dabei wird Eines schnell deutlich: Er ist nur zur Hälfte der Moderator der Show, zur anderen ihr dauerhafter Star. 

 

Der vorerst letzte Durchgang von Kachel&Mann findet am 20. Juni 2017 statt. Wäre schön, wenn es danach weitergeht. Zwar müsste zuweilen ein wenig auf das Gaspedal getreten werden, da man sich sonst schnell in Belanglosigkeiten verliert und auch ein paar Körnchen weniger DDR-Staub würden dem Format gut tun. Aber das Potential ein buntgemischtes, breites Publikum anzusprechen, ist auf jeden Fall vorhanden.     

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