SC DHfK Leipzig-Geschäftsführer Karsten Günther im Interview über den Aufstieg in die 1. Bundesliga Handball

SC DHfK Leipzig-Chef Karsten Günther über 1. Liga-Handball und Ziele

"Klassenerhalt ist größere Herausforderung als Aufstieg"

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02.06.2015

Sie haben es geschafft. Die Handballer des SC DHfK Leipzig sind Zweitligameister und spielen nächste Saison in der stärksten Handballliga der Welt mit. Damit bewies der Leipziger Verein, der 2007 in der Oberliga das Ziel 1. Bundesliga ausrief, dass Leipzig doch nicht aus „Spinnern“ und „Größenwahnsinnigen“ besteht. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer Karsten Günther, der von Beginn an an eben jenen Größenwahn geglaubt hat, über die Pläne des Neu-Erstligisten, dessen Euphorie bereits einen Tag nach dem Aufstieg gleich mal gebremst wurde. Außerdem verrät er, welche unplanbaren Schlüsselmomente nötig waren, wie er sich eine Zusammenarbeit mit RB Leipzig vorstellt und warum es solange gedauert hat, dass Männer-Handball in Leipzig erstklassig wird.

SC DHfK Leipzig-Geschäftsführer Karsten Günther zum Aufstieg in die 1. Bundesliga Handball
SC DHfK Leipzig-Geschäftsführer Karsten Günther: "Es gab so ein paar Schlüsselmomente, die du nicht planen kannst."

Beschreib mal dein Gefühl nach dem Aufstieg am 8. Mai 2015.
Ja, das kann man sich ja vorstellen. Wir haben zwar viel Arbeit, aber alle rennen hier mit einem strahlenden Lächeln durch die Gegend und freuen sich – Mannschaft, Trainer, Sponsoren und alle im Umfeld. Wir haben das auch ausgiebig genossen – das muss man auch sagen. Den Freitag und das ganze Wochenende. Wir waren mit ein paar Leuten bei dem Final-Four-Turnier in Hamburg. Da hat man aber auch gleich gesehen, wie weit der Weg an die deutsche Spitze ist. Das war wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt auch ganz gut zu sehen, wenn man noch auf Wolke 7 schwebt. Jetzt krempeln wir die Ärmel hoch, um die Weichen zu stellen, dass wir das nächste Saison hinkriegen. 

Mit hinkriegen meinst du wahrscheinlich den Klassenerhalt.
Genau. Und das wird eine viel größere Herausforderung als jetzt der Schritt in die 1. Bundesliga. 

Du und auch Kretzsche betont immer, dass, als ihr das Ziel 1. Bundesliga ausgerufen habt, euch alle für Spinner und Größenwahnsinnige gehalten haben. 
Wir nehmen wahr, wie sich das Feedback auf den SC DHfK extrem gewandelt hat in den acht Jahren. Die haben alle gesagt, dass wir in Leipzig langsam durchdrehen, den Mund aufreißen und dass es dann trotzdem nicht klappt – sowohl im Handball als auch in anderen Sportarten. Es haben ja schon viele versucht, den Männersport erstklassig zu machen. Das hat nie geklappt, was sicherlich verschiedene Ursachen hat. Und jetzt ist es wirklich so, dass sich ganz viele für uns freuen. Viele aus dem Leipziger Sport wie die Icefighters, der HCL, RB Leipzig ... haben angerufen und uns beglückwünscht. Das war einfach schön.
Da merkt man auch diese zwei Welten: Am Anfang mussten wir noch anrufen und fragen, ob wir einen Kleinbus bekommen könnten, damit wir zum Spiel kommen (lacht). Es ist aber auch einfach schön, wie man selbst wahrnimmt, dass man das, was man sich vorgenommen hat, auch funktioniert. Auch wenn das für die, die in diesem Projekt drin sind, irgendwie viel schwerer zu realisieren ist als von außen. Für uns war das ja nicht „bam“ und plötzlich bis du aufgestiegen. Das ging Step by Step und plötzlich ist man in der 1. Liga und irgendwie hat sich doch nichts verändert (lacht). Es geht ganz normal weiter – was auch gut so ist. Deswegen war es auch wichtig, diese Nacht entsprechend auszukosten und das auch so zu feiern. Es gab nur diesen einen Moment, jetzt sind wir Erstligist und haben trotzdem noch die Saison zu Ende zu spielen, mit allem Aufwand, Problemen und Stress. Aber jetzt mit gestärktem Selbstvertrauen.

 


Ihr habt noch ein Heimspiel am 7. Juni 2015. Wie motiviert ihr die Spieler, die Saison noch bestmöglich abzuschließen?
Die haben eine wahnsinnig große Eigenmotivation. Hier muss man nicht mit der Peitsche dahinterstehen. Das sind alles Jungs, die das unbedingt wollten. Das hat ein paar Jahre gedauert, bis die Konstellation so war. Die wollen trotz des Aufstiegs die Meisterschaft holen, die 60 Punkte machen und Heimspiele wollen sie sowieso nicht verlieren. Da muss keiner extra was machen.

Klassenerhalt ist das nächste Ziel. Da sind ja schon einige Aufsteiger dran gescheitert. Wie wollt ihr das anstellen?
Ja, die große Mehrheit ist daran gescheitert. Darüber sind wir uns auch bewusst. Das Gute ist, dass wir schon frühzeitig planen können. Wir können somit auch schon länger darauf hinarbeiten. Die ersten Neuverpflichtungen haben wir auch so gut wie unter Dach und Fach. Jetzt brauchen wir noch zwei bis drei weitere Spieler. Aber auch da sind wir mit den Vertragsverhandlungen sehr weit. Somit haben wir auch Zeit, uns für die nächste Saison entsprechend vorzubereiten.
Das Wichtigste ist aber, dass wir bei uns selbst eine Mannschaft haben, die ein riesen Potenzial hat und die noch nicht fertig ist. Das ist eine junge, ehrgeizige und talentierte Truppe, in der sich auch alle nochmal verbessern und ihren Traum verwirklichen wollen. Das ist das, was mir eigentlich am meisten Mut macht. Dass wir uns von innen heraus noch mal verstärken können, unabhängig von den Neuen, die kommen.

Wie viele werden gehen?
Im Moment sind es sieben Spieler. Letztes Jahr waren es acht. Aber wir sind jetzt auch auf einem Level, auf dem nicht alle mitgehen können. Es ist Quatsch, wenn gesagt wird, der Trainer will nur junge Spieler, aber die jungen haben halt auch noch das Potenzial, den Weg weiterzugehen. Klar, sind die Spieler, die gehen müssen, auch traurig, aber wir kommunizieren das alles offen. Wir versuchen aber auch, den Übergang von einigen Spielern ins Berufsleben zu organisieren.

Ihr setzt auf junge, talentierte Spieler. Ist das euer Modell?
Zum einen ist das sicherlich wirtschaftlich bedingt, zum anderen ist das zu 90 Prozent unsere Überzeugung. Das sieht man auch an unserer A-Jugend, die im Finale der Deutschen Meisterschaft steht (und die Meisterschaft gegen die U19 der HSG Wetzlar auch gewonnen hat, Anm. d. Red.).
Für mich ist das auch ganz klar der Grund, warum wir das hier alles überhaupt machen. Wir wollen Vorbild sein, dass viele Kids mit dem Handballspielen anfangen und dann ist unsere Aufgabe, wieder aus denen Vorbilder zu machen. Das geht in Leipzig, weil wir ein Sportgymnasium und eine Sportuni haben, die auch Trainerpotenzial zur Verfügung stellt, eine Arena sowie Sponsoren. Das alles gibt es hier. Deswegen macht diese ganze Sache soviel Sinn. Da muss man nichts künstlich erzeugen. Klar, man braucht noch Geld. Aber alle anderen Voraussetzungen sind hier in Leipzig ja gegeben. Und auch die volle Überzeugung, dass das alles richtig ist.

Eigentlich merkwürdig, dass es jetzt erst mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga geklappt hat.

Karsten Günther und Stefan Kretzschmar beim SC DHfK Leipzig
"Wenn Kretzsche in Magdeburg nicht unzufrieden gewesen wäre und hier seine Wurzeln hätte, dann wüsste ich nicht, ob wir hier heute sitzen würden."
Na es hat keiner angepackt. Das ist mal Fakt. Es hatte sich niemand darum gekümmert, auch nicht mit der letzten Konsequenz. Und: Man ist immer Publikum, Medien und Sponsoren ausgeliefert – du musst Erfolge bringen. Und es ist kein Erfolg, wenn du in der Oberliga Meister wird. Das wird gar nicht wahrgenommen. Deswegen war ja Kretzsche so wichtig. Deswegen waren Spiele, die du nicht gewinnen konntest, wie im DHB-Pokal 2007 gegen Lemgo, so wichtig. Das war ein Traumlos. Deswegen hat man über den DHfK geredet. Wenn die nicht gekommen wären, wenn Kretzsche in Magdeburg nicht unzufrieden gewesen wäre und hier seine Wurzeln hätte, dann wüsste ich nicht, ob wir hier heute sitzen würden. Nur deshalb wurden wir wahrgenommen. Es gab so ein paar Schlüsselmomente, die du nicht planen kannst.

Was ist mit dem Budget für die 1. Bundesliga?
Das ist auch immer so eine Sache. Die 2 Millionen Euro haben wir zusammen. Aber da kann nicht Schluss sein. Das müssen wir weiter aufstocken. Budget bedeutet immer: Was willst du ausgeben und wie kriegst du das dann wieder refinanziert? Das, was wir jetzt haben, wird auf Dauer nicht reichen. Das muss nicht zu Ende sein und das darf auch nicht zu Ende sein.

Werden die Tickets teurer?
Minimal. Die Tickets werden 4€ mehr kosten. Ich finde, das ist eine faire Lösung. Bei den fünf Topspielen – Berlin, Flensburg, Kiel, Magdeburg, Rhein Neckar Löwen – kommt noch einmal ein Zuschlag drauf. Mit unseren Preisen sind wir noch im unteren Drittel der Bundesliga angesiedelt. Die 1. Bundesliga kann man nicht zu gleichen Konditionen anbieten wie die 2. Bundesliga – das muss jedem klar sein. Ich denke, Erhöhungen von 4€ an der Spitze, 3€ bei Ermäßigung und 2€ bei Kindern werden die Zuschauer akzeptieren. Mit den Dauerkarten, die jetzt auch schon angeboten werden, kommt man noch günstiger.

Träumst du wie so viele Funktionäre vom großen Investor, der Geld mitbringt, bei dem ihr aber auch Änderungen hinnehmen müsst?
SC DHfK Leipzig in 1. Bundesliga aufgestiegen
"Das Wichtigste ist, dass wir bei uns selbst eine Mannschaft haben, die ein riesen Potenzial hat. Das ist eine junge, ehrgeizige und talentierte Truppe, in der sich auch alle noch mal verbessern und ihren Traum verwirklichen wollen."
Ein Traum ist es jetzt nicht, aber wenn ein großer Investor kommt, würde ich mich natürlich freuen. Man müsste dann bei Änderungswünschen Mittel und Wege finden, auch die eigenen Interessen wahren zu können. Aber wir haben als größter und erfolgreichster Sportverein in dieser Region auch eine Tradition, die entsprechende Werte und Vorstellungen hat – das muss dann schon kompatibel sein.

Ist es dir wichtig, dass der DHfK eine Tradition hat?
Es ist schön. Wichtig ist es nicht. Es würde sicher auch ohne gehen. Auf der anderen Seite wäre ich ohne diese Tradition wahrscheinlich auch nie auf den Gedanken gekommen, hier anzufangen.

Ihr habt in dieser Saison eure Spiele zweimal zeitlich vorverlegt, damit die Zuschauer gleich danach zu RB Leipzig gehen können, wenn die Spiele auf einen Tag fallen. Ist das in der 1. Bundesliga immer noch möglich?
Kurzfristig wird das nicht mehr möglich sein. Aber sinnvoll ist es schon, dass die Partien nicht zur selben Zeit ausgetragen werden. Zum einen gibt es Chaos bei der An- und Abfahrt und beim Parken. Die Medien können sich auch nicht immer zweiteilen. Außerdem wollen die Zuschauer vielleicht beides sehen. Da muss aber auch der Gegner zustimmen und die Arena muss freie Kapazitäten haben. Wir werden es zukünftig schon versuchen, das so hinzukriegen.

Der SC DHfK Leipzig und RB Leipzig verstehen sich recht gut. Ist eine gemeinsame Zusammenarbeit geplant?
Es herrscht eine sehr angenehme Kommunikation zwischen den beiden Vereinen. Wir haben auch ein bisschen was vor. Zum Beispiel ein gemeinsames Projekt, das eine duale Karriere anstrebt. Ich glaube schon, dass man einiges zusammen wuppen kann. Wir haben ja auch keine Ambitionen, dass wir jetzt hier die Nummer eins sein wollen. Das ist eine Illusion. Die Nummer eins ist Fußball. Und das ist auch gerechtfertigt. Es sind 10 Mal so viele Leute im Stadion wie bei uns in der Arena. Aber den Platz dahinter wollen wir schon einnehmen. Jetzt sind wir erstmals Erstligist im Männerhandball. Das wollen wir auskosten und gucken, wie man so gut wie möglich voneinander profitieren kann. Ich denke, dass die harte Ausbildung eines Handballers durchaus auch einem Fußballer zugute kommen kann. Auf der anderen Seite gibt es Bereiche bei RB Leipzig wie Infrastrukturen, Trainingsmethoden und Scoutings, die extrem weit sind. Ich glaube, man kann viele Synergien nutzen. Wir müssen jetzt erstmal die Trainer, Nachwuchsleiter und Manager an einen Tisch bekommen und gucken, wie und wo man zusammenarbeiten kann. Das wäre wirklich eine neue Qualität und das fände ich sehr schön.

Das letzte Spiel der Saison ist das Heimspiel am 7. Juni 2015 um 17 Uhr gegen TV 05/07 Hüttenberg in der Arena Leipzig.

 

Dazu verlosen wir 3x2 Tickets


Dauerkarten für die kommende Erstligasaison 2015/2016 findet ihr unter www.scdhfk-handball.de/heimspiel/dauerkarten

 

 



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