Bücher für graue Tage

Wenn draußen der Herbstwind durch die Bäume fegt, der Regen gegen die Fenster prasselt und die Tage kürzer werden, gibt es kaum etwas Schöneres, als sich mit einem Buch zurückzuziehen. Herbsttage laden gerade dazu ein, sich unter eine Decke zu kuscheln und in die Bücherwelten einzutauchen. 

© Manja Reinhardt

Wir haben für euch die schönsten Bücher für graue Tage zusammengesucht. Mal lustig, mal traurig, mal spannend, mal melancholisch und auch zum Vorlesen für die Kleinsten ist etwas dabei: Max Kersting verwandelt alte Flohmarktfotos in humorvolle, überraschende Miniaturen, während Beatriz Serrano mit „Geht so“ das moderne Leben in all seiner Widersprüchlichkeit spiegelt. Berit Glanz entführt nach Island zwischen Fjorden und Genforschung, Anne Sauer zeigt die Möglichkeiten, die sich in Parallelwelten eröffnen, und Maya Rosa lässt mit „Moscow Mule“ das junge Leben zwischen Aufbruch und Alltag aufblitzen. Jaroslav Rudiš schildert in „Bier“ das Leben in Kneipen zwischen Humor und Melancholie, Tove Janssons Klassiker „Winter im Mumintal“ ist ein poetischer Wintervorläufer und für Kinder (und alle anderen natürlich auch) öffnet Robert Scheffner mit „Griselda und der Geist der Weihnacht“ ein magisches Tor in die Vorlesezeit.

Max Kersting – „Damals hatten wir nur Minigolf, sonst nichts“

© Manja Reinhardt

Max Kersting aus Flohmarkt- und Trödelfundstücken: Alte Fotos werden von ihm mit nachträglich hinzugefügtem Text versehen, aber nicht bloß als Untertitel, sondern direkt auf die Fotovorlage. So entstehen kleine Kunstwerke, die Banales absurd, witzig oder poetisch machen. Man trifft auf skurrile Szenen, geheimnisvolle Posen, verschwommene Blickkontakte oder seltsame Alltagsmomente, die plötzlich in neue, fiktive Kontexte gerückt werden. Die Mischung aus Bild und Text ist intelligent, humorvoll und leicht melancholisch zugleich. Gerade jetzt, wenn Tage kürzer und Abende länger werden, lädt das Buch ein, sich Zeit zu nehmen, die kleinen Details zu entdecken, zu schmunzeln und über Vergänglichkeit, Erinnerung und Fantasie nachzudenken. Es ist ein ideales Buch für ruhige Stunden auf dem Sofa, das sowohl unterhält als auch inspiriert. Ein Coffeetable-Book im besten Sinne, denn man blättert immer wieder gern darin. 

Erschienen bei Eichborn, ISBN: 978-3-8479-0213-3, 18,00 €

Beatriz Serrano – „Geht so“

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Auch wenn der Roman schon im Frühjahr erschienen ist, passt er doch bestens in den Herbst. In „Geht so“ (Übersetzt von Christiane Quandt) begleitet man Marisa, die in Madrid in einem Werbejob steckt, der sie erschöpft und emotional abstumpft. Ihr Alltag ist geprägt von absurden Meetings, Team-Events und der ständigen Notwendigkeit, Leistung zu simulieren. Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, geraten ihre Routinen ins Wanken: Angstzustände, Selbstzweifel und der Wunsch nach Veränderung werden spürbar. Serranos Sprache ist präzise, humorvoll und zugleich warmherzig. Sie zeigt, wie man versucht, Balance zu finden zwischen Anpassung und Selbstbestimmung, zwischen Routine und Sehnsucht. Die Geschichte spiegelt aber auch das eigene Leben und lädt dazu ein, über Prioritäten, Selbstwert und kleine Freuden nachzudenken. Ein Buch, das tröstet, unterhält aber auch urkomisch ist.

Erschienen bei Eichborn, ISBN: 978-3-8479-0212-6, 22,00 €

Berit Glanz – „Unter weitem Himmel“

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„Unter weitem Himmel“ spielt in den Ostfjorden Islands und verknüpft historische und gegenwärtige Zeitebenen. Anfang des 20. Jahrhunderts begegnet der bretonische Fischer Olier der jungen Isländerin Sólrún, eine Begegnung, die Fragen über Heimat, Identität und Zugehörigkeit aufwirft. Mehr als hundert Jahre später arbeitet die deutsche Genetikerin Maris in derselben Region an einem wissenschaftlichen Projekt: der Erforschung einer Schaf-Chimäre. Dabei stößt sie auf kulturelle und persönliche Verbindungen, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Berit Glanz beschreibt die raue Schönheit Islands, die Weite der Fjorde und das Licht der Herbst- und Wintermonate, wodurch die Landschaft selbst zu einem zentralen Charakter wird. Berit Glanz hat ein außergewöhnliches Buch über Erinnerung, Herkunft und Familie, verwoben mit der rauhen Landschaft Islands geschrieben, bei dem man gegen Ende immer langsamer liest, weil man nicht möchte, dass das Buch endet.  

Erschienen bei Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-1439-9, 24,00 €

Anne Sauer – „Im Leben Nebenan“

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Wer hat sich nicht schon einmal ein anderes Leben gewünscht? Anne Sauer spinnt dies in ihrem Buch „Im Leben Nebenan“ weiter. Sie erzählt von Antonia, deren Leben zwischen Stadtwohnung, Arbeit und Alltagspflichten zerrieben wird. Nach einer Fehlgeburt und dem unerfüllten Kinderwunsch befindet sie sich plötzlich in einem zweiten parallelen Leben: Landhaus, Jugendfreund Adam, ein Baby. Eine Welt, die genauso real wirkt wie ihre Stadtexistenz. Wäre so das Leben verlaufen, wenn sie nicht aus dem Dorf in die Großstadt gezogen wäre? Sauer schildert die Unterschiede beider Leben aber ohne zu bewerten, welches das Bessere ist: Verantwortung, Nähe, aber auch Unsicherheit und Freiheit werden spürbar. Das Buch regt zum Nachdenken über Entscheidungen, Lebensentwürfe und das eigene Glück ein. Sauer gelingt es zu zeigen, dass jede Wahl ihr eigenes Gewicht und eine eigene Schönheit hat, egal für welche Abbiegung man sich im Leben entscheidet.

Erschienen bei dtv, ISBN: 978-3-4232-8483-7, 23,00 €

Maya Rosa – „Moscow Mule“

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Maya Rosas Debüt spielt Anfang der 2000er Jahre in Moskau. Karina und Tonya navigieren zwischen Studium, Geldknappheit, politischen Spannungen und ihren Träumen von Europa. Freundschaften werden auf die Probe gestellt, Sehnsüchte nach Freiheit und Selbstbestimmung drängen auf Entscheidungen, die das Leben verändern. „Moscow Mule“ erzählt mit Witz, Leichtigkeit und Tiefe vom Erwachsenwerden in einer unruhigen Zeit. Er zeigt mit einer beeindruckenden Sprachgewalt die kleinen Momente des Aufbruchs, die großen Fragen des Lebens und das ganz normale Chaos, das dazugehört. Das Buch ist eine perfekte Mischung aus Humor, Emotion und Lebensklugheit und wie ein literarischer Cocktail gegen graue Tage.

Erschienen bei Penguin, ISBN: 978-3-328-60394-8, 24,00 €

Jaroslav Rudiš – „Bier“

Nach seinen Zugfahrten nimmt uns Jaroslav Rudiš nun mit auf eine unterhaltsame Reise zum Bier. Er taucht tief in die Kultur der Kneipen und in das Leben der Menschen, die sie bevölkern, ein. Es geht nicht nur um Bier als Getränk, sondern um das Ritual, die Gemeinschaft und die Geschichten, die zwischen Zapfhahn, Tresen und Biergläsern entstehen. Rudiš begleitet unterschiedliche Figuren vom alten Stammgast über den unerfahrenen Besucher bis zur Kellnerin und zeigt, wie sehr Bier und Gespräche Erinnerungen, Sehnsüchte und Lebenskrisen verbinden. Die Geschichten wechseln zwischen Humor, Melancholie und leiser Tragik. Mal beschreibt Rudiš skurrile Begegnungen, mal Alltagsmomente voller Nachdenklichkeit, stets mit einem feinen Gespür für menschliche Widersprüche. Der Roman spiegelt nicht nur das soziale Leben in Kneipen wider, sondern auch die Suche nach Zugehörigkeit, Trost und kleinen Fluchten aus dem Alltag. „Bier“ ist wie ein literarischer Kneipenabend mit guten Freunden: warmherzig, ehrlich und tiefgründig zugleich.

Erschienen bei Piper, ISBN: 978-3-492-27772-3, 16,00 €

Tove Jansson – „Winter im Mumintal“

© Manja Reinhardt

Tove Janssons Klassiker „Winter im Mumintal“ erscheint pünktlich zum 80 Geburtstag der Mumins bei Reclam im neuen Gewand und mit einem Vorwort von Sarah Lorenz. Mumin erwacht mitten im Winterschlaf und entdeckt eine ihm völlig unbekannte, verschneite Welt. Schnee, Dunkelheit und Ruhe bestimmen die Landschaft, die poetisch und eindringlich beschrieben wird. Mumin lernt Mut, Freundschaft und das Staunen über Unbekanntes kennen. Stille, Reflexion und eine magische Atmosphäre passen perfekt zu den langen Abenden. Janssons Figuren lehren Geduld, Achtsamkeit und den Wert von Gemeinschaft. „Winter im Mumintal“ ist ein poetisches Meisterwerk, das sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Es lädt dazu ein, die winterliche Stille zu genießen und die kleinen Wunder des Lebens zu schätzen.

Erschienen bei Reclam, ISBN: 978-3-15-014708-5, 8,00 €

Robert Scheffner – „Griselda und der Geist der Weihnacht“

© Manja Reinhardt

Herbstzeit ist Vorlesezeit. Und was passt da besser als ein Buch, dass es schafft, Halloween und Weihnachten mit einander zu verbinden. Genau das ist Robert Scheffner mit „Griselda und der Geist der Weihnacht“ gelungen. Das charmante Bilderbuch rund um die kleine Hexe Griselda, die sich überglücklich über ihren ersten eigenen Zauberstab freut. Aber anstelle gruseliger Zaubersprüche zu wirken, erschafft sie versehentlich festliche Elemente wie Lametta, Geschenke und sogar einen Schnee. Da kann nur ein kleiner Geist weiterhelfen. Die Illustrationen von Scheffner, die in kräftigen Farben und mit viel Detailtreue gehalten sind, unterstützen die Erzählung und entführen in eine zauberhafte Welt. Das Buch vermittelt Geborgenheit und Fantasie, ideal für lange Herbstabende im Kerzenschein. Es zeigt, dass Vorlesen verbindet, das Herz öffnet und selbst graue Tage in leuchtende Momente verwandeln kann. Griselda schafft es die festliche Jahreszeit mit einer Prise Magie und Humor zu bereichern und die heimelige Weihnachtszeit schon eher beginnen zu lassen.

Erschienen bei Ueberreuter – annette betz, ISBN: 978-3-219-12089-9, 16,00 €

Mit dieser Auswahl kann der Leseherbst beginnen.  Wir wünschen euch unterhaltsame Lesestunden. Was sind eure Favoritenbücher für die dunkle Jahreszeit. Schreibt es uns gern in die Kommentare.

Mehr Tipps für den Herbst findet ihr hier auf unserer Website.