
Dabei geht es längst nicht nur darum, still zuzuhören. Zwischen den Lesungen wird geblättert, gemalt, gebastelt, gelacht und entdeckt. Kinder stöbern in Büchern, tauschen ihre ausgelesenen Bücher am Tauschregal gegen neuen Lesestoff und sammeln mit jedem gehörten oder selbst gelesenen Buch einen Stempel für ihren Lese-Pass. Mit etwas Glück wartet am Ende des Tages sogar ein neues Lieblingsbuch als Gewinn.
Dass Bücher alles andere als langweilig sind, zeigt das Vorlesefest mit einem abwechslungsreichen Programm, das jeden Tag unter einem anderen Motto steht. So fühlt sich jeder Besuch ein bisschen anders an und wer Zeit hat, kommt am besten gleich mehrfach vorbei.
Den Auftakt macht am Donnerstag das Motto „Haste Töne?!“. Geschichten treffen auf Musik, Rhythmen und Klänge, die sich nicht nur hören, sondern auch erzählen lassen. Mal geht es laut und fröhlich zu, mal märchenhaft und leise. Die Leipziger Städtischen Bibliotheken eröffnen gemeinsam mit LeseLust den Vorlesereigen, später entführen Märchenerzählungen und ein Dudelsack die kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer in Welten, in denen Musik oft die eigentliche Hauptrolle spielt.
Am Freitag feiern Bücher sich selbst. Unter dem Titel „Bücher über Bücher“ geht es um Geschichten, die zeigen, warum Lesen so viel mehr ist als Zeitvertreib. Bibliotheken werden zu Schatzkammern, Lieblingsbücher zu treuen Begleitern und aus einer Idee entsteht Schritt für Schritt eine Geschichte. Besonders spannend: Illustratorin Susanne Göhlich liest eine Geschichte von den „wilden Zwergen“, zu der sie die Bilder gezeichnet hat. Wer schon immer wissen wollte, wie Geschichten ihren Weg aufs Papier finden, ist hier genau richtig.

Der Samstag lädt zu einem Ausflug in eine Welt ein, die sonst erst nach Sonnenuntergang erwacht. „Auf leisen Sohlen durch die Nacht“ nimmt Kinder mit zwischen funkelnde Sterne, geheimnisvolle Schatten, freundliche Gespenster und leuchtende Nachtlichter. Statt gruselig wird es vor allem fantasievoll. Geschichten zeigen, dass die Nacht voller Abenteuer steckt, man muss nur genau hinsehen. Autorin Maja Conrad liest aus ihrem Buch „Henry Kolonko und die Sache mit dem Finden“ und Autorin Helga Voigt liest aus ihrem Buch „Pelle, der Träumer“ und bastelt mit den Kindern im Anschluss kleine Eulen.
Zum Abschluss richtet sich der Blick am Sonntag nach vorne. „Überübermorgen“ fragt danach, wie unsere Zukunft aussehen könnte. Wie fühlt sich eine Reise ins All an? Welche Erfindungen wünschen wir uns? Und was möchten Kinder eigentlich einmal werden? Autor Christoph Seidler geht mit den Kindern der großen Frage nach dem „Was wäre wenn …“ nach.
Auch abseits der Lesungen gibt es auf dem Gelände viel zu entdecken. An der Lesebar wartet jeden Tag eine neue Auswahl an Kinderbüchern darauf, durchgeblättert zu werden. Wer lieber selbst kreativ wird, kann in der Buchwerkstatt des Deutschen Buch- und Schriftmuseums basteln und gestalten. So wird aus einem Vorlesetag schnell ein ganzer Ferientag im Park.
Hinter der Veranstaltung steht LeseLust Leipzig e. V., der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert. Seit 2006 engagieren sich mittlerweile mehr als 150 ehrenamtliche Vorlesepatinnen und Vorlesepaten dafür, Kinder zwischen drei und zehn Jahren für Bücher zu begeistern. Woche für Woche lesen sie in Kitas, Schulen, Bibliotheken und vielen weiteren Einrichtungen vor. Unter dem Jubiläumsmotto „Überall ist Platz für eine Geschichte!“ bringt der Verein 2026 Geschichten außerdem an 20 ungewöhnliche Orte in Leipzig, genau dorthin, wo sonst eher selten vorgelesen wird. Aber egal wo gelesen wird, wichtig ist der Anstoß zum gemeinsamen Lesen und genau den bietet auch die LeseLust im August. Man kann einfach vorbeikommen, auf einem Sitzkissen landen und sich für eine halbe Stunde oder den ganzen Tag in eine andere Welt entführen lassen. Vielleicht geht es danach weiter auf den Spielplatz oder zum Eis. Vielleicht wird am Büchertauschregal noch ein neues Lieblingsbuch entdeckt. Und vielleicht sitzen am Abend genau diese Geschichten noch mit am Abendbrottisch oder begleiten die Kinder bis zum Einschlafen. Manchmal braucht es eben nicht mehr als ein gutes Buch, einen schattigen Platz unter alten Bäumen und jemanden, der die erste Seite aufschlägt.

LeseLust im August 6. bis 9. August 2026 | täglich 10 bis 18 Uhr Clara-Zetkin-Park, Wiese am Musikpavillon | Eintritt frei
Das vollständige Programm mit allen Lesungen, Mitmachangeboten und Gästen gibt es unter www.leselust-im-august.de.