
Die guten und die besseren Tage
Ein Glas Wein nach Feierabend, ein paar Bier am See – Alkohol ist für viele ein fester Bestandteil des Alltags. Doch wann wird aus gelegentlichem Genuss eine Abhängigkeit? Die Guten und die Besseren Tage stellt diese Frage aus weiblicher Perspektive und ist dabei schonungslos ehrlich, empathisch und ohne Klischees.
Nach einem Autounfall verliert Suzanne das Sorgerecht für ihre Kinder. In der Entzugsklinik trifft sie auf Chantal, Alice und Diane – vier Frauen, vier unterschiedliche Biografien, vereint durch die gleiche Sucht. Zwischen Gruppengesprächen, Rückschlägen und ersten Erfolgen wächst langsam ein Gefühl von Gemeinschaft. Ein ungewöhnlicher Therapieansatz bringt neuen Schwung: Sportlehrer Denis möchte Selbstbewusstsein und Teamgeist stärken und meldet die Gruppe kurzerhand zur legendären Dünen-Rallye in der marokkanischen Wüste an.
Was folgt, ist eine emotionale Reise zwischen Wüstenstaub und Neuanfang, zwischen Grenzerfahrung und echter Freundschaft. Der Film erzählt eindrücklich von Sucht, Scham und Akzeptanz. Die Regisseurinnen schaffen mit Feingefühl und Kraft einen Raum, in dem weibliche Abhängigkeit sichtbar und besprechbar wird, ohne zu beschönigen und ohne zu verurteilen.
Kinostart: 31. Juli 2025
Genre: Drama, Komödie
Regie: Elsa Bennett und Hippolyte Dard
Besetzung: Sabrina Ouazani, Michèle Laroque, Valérie Bonneton, Clovis Cornillas u.v.m.

Wenn der Herbst naht
Michelle genießt ihren Ruhestand in einem idyllischen Dorf im Burgund, nicht weit entfernt von ihrer engsten Vertrauten Marie-Claude. Die Tage verlaufen ruhig, geprägt von Gartenarbeit und Spaziergängen, bis ein Familienbesuch alles ins Wanken bringt. Als Michelle ihrer Tochter Valérie versehentlich giftige Pilze serviert, eskaliert das ohnehin fragile Verhältnis zwischen den beiden Frauen. Valérie verdächtigt ihre Mutter, sie aus dem Weg räumen zu wollen, und verbietet ihr fortan den Kontakt zum geliebten Enkel Lucas. Für Michelle beginnt ein tiefer innerer Absturz. Halt findet sie ausgerechnet in Vincent, dem Sohn von Marie-Claude, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde und entschlossen ist, Michelle zur Seite zu stehen.
Mit Wenn der Herbst naht kehrt François Ozon nach der leichten Komödie Mein fabelhaftes Verbrechen zurück zu einem intimeren, ernsteren Ton und ins Herz einer Landschaft, die auch seine eigene Kindheit geprägt hat. Mit einem Gespür für feine Zwischentöne, erzählt Ozon vom Älterwerden, von Familienbanden, die verletzen und heilen können und davon, wie ein einfacher Waldspaziergang alles verändern kann. Ein leiser und eindrucksvoller Thriller.
Kinostart: 28. August 2025
Genre: Thriller, Drama
Regie: François Ozon
Besetzung: Hélène Vincent, Josiane Balasko, Ludivine Sagnier, Pierre Lottin, Garlan Erlos u.v.m.

Rave On
Flackernde Lichter durchbrechen die Dunkelheit, der Bass vibriert tief im Körper, schweißnasse Körper bewegen sich ekstatisch: Technoclubs sind mehr als nur Orte des Feierns. Sie sind Parallelwelten, Labyrinthe aus Licht, Klang und Gefühl. Räume voller Widersprüche, Freiheit und Sehnsucht. In Rave On begeben wir uns gemeinsam mit Kosmo, einem einst gefeierten DJ und Produzenten, an so einen Ort und erleben eine berauschende Rave-Odyssee durch die Nacht und in das Innere eines Mannes, der einst zur Speerspitze der Technoszene gehörte. Ein viele Jahre zurückliegender Streit mit seinem besten Freund zerstörte jedoch alles. Während neue Namen die Bühnen der Clubs eroberten, verschwand Kosmo aus dem Rampenlicht.
Nun will er zurück in die Clubs, mit einer selbstgepressten Platte unter dem Arm und dem brennenden Wunsch, sie dem legendären Techno-DJ Troy Porter zu überreichen, der in einem der berüchtigtsten Clubs der Stadt auflegen wird. Was als einfache Übergabe geplant war, entgleitet in eine fiebrige Nacht voller halluzinatorischer Begegnungen, pulsierender Beats und der drängenden Frage: Gibt es einen Weg zurück oder nur einen Weg hindurch?
Rave On ist ein immersives Kinoerlebnis, das die ekstatische Euphorie und die tiefen Abgründe einer durchfeierten Nacht erfahrbar macht. In energiegeladenen Bildern und einem treibenden Soundtrack entfaltet sich das Lebensgefühl einer Generation zwischen Eskapismus und Identitätssuche. Dabei zeigt der Film die Schönheit und Fragilität einer Subkultur, die in den Mainstream gedrängt wird und erzählt zugleich von der inneren Zerrissenheit künstlerischer Existenzen. Diese audiovisuelle Reise in das Herz der Technokultur ist eine Hommage an Orte, die zunehmend aus unseren Städten verschwinden – Orte der Freiheit, des Kontrollverlusts und der radikalen Selbstbegegnung.
Kinostart: 31. Juli 2025
Genre: Musikfilm, Drama
Regie: Viktor Jakovleski und Nikias Chryssos
Besetzung: Aaron Altaras, Clemens Schick, June Ellys Mach, Ruby Commey, Bineta Hansen u.v.m.

In die Sonne schauen
Vier Mädchen unterschiedlichen Alters, vier Jahrzehnte, ein Hof auf dem Land: In die Sonne schauen ist ein vielschichtiges, sinnlich verdichtetes Kinoerlebnis über die Spuren, die Zeit in unseren Körpern und Erinnerungen hinterlässt. Regisseurin Mascha Schilinski verwebt die Leben der vier Mädchen, die zwar denselben Ort bewohnen, jedoch zu unterschiedlichen Zeiten. Vom frühen 20. Jahrhundert bis heute blicken wir mittels der Kamera durch ihre Augen, folgen ihren Körpern, tauchen ein in ihre Gedanken, Stimmungen und sinnlichen Wahrnehmungen. Ein Sommer folgt dem nächsten, bis die Jahre sich überlagern und scheinbar zu einem einzigen, endlosen Tag verschmelzen.
In die Sonne schauen ist kein klassisch erzählter Film, sondern eine assoziative, atmosphärische Spurensuche nach dem, was sich nicht benennen lässt, nach inneren Konflikten, geerbtem Schmerz und den Geistern der Vergangenheit. Dabei verknüpft der Film eine sehr unmittelbare, körperlich erfahrbare Darstellung mit Momenten, die über das Sichtbare hinausweisen. Realistische Alltagsszenen verschmelzen mit traumartigen Sequenzen, in denen Zeit, Gefühl und Erinnerung ineinanderfließen.
So entfaltet sich ein ungewöhnliches, tief emotionales Filmerlebnis über Identität, generationenübergreifende Erinnerung und das Unsichtbare, das in uns weiterlebt. Ein intensiver, leiser Film, der sich anfühlt wie das Flirren von Sonnenlicht hinter geschlossenen Augen.
Kinostart: 28.08.205
Genre: Generationen-Drama
Regie: Mascha Schilinski
Besetzung: Lena Urzendowsky, Laeni Geiseler, Zoë Baier, Hanna Heckt, Konstantin Lindhorst, Greta Krämer u.v.m.

Electric Child
Was, wenn eines der größten menschlichen Gefühl, die Liebe zu einem Kind, zur größten Gefahr für die Welt wird? Mit Electric Child bringt Regisseur Simon Jaquemet ein außergewöhnliches Sci-Fi-Drama ins Kino, das tief unter die Haut. Als Akiko und Sonny ihr erstes Kind bekommen, scheint das Glück perfekt, bis sie erfahren, dass ihr Sohn an einer tödlichen Krankheit leidet und kaum ein Jahr überleben wird. Während Akiko im Hier und Jetzt Trost sucht, stürzt sich Sonny, ein brillanter Computerwissenschaftler, in seine Forschung: eine Künstliche Intelligenz, die nicht nur denkt, sondern bald auch fühlt.
Angetrieben durch seine Verzweiflung trifft Sonny eine Entscheidung, die alles verändert. Er schließt einen Pakt mit der KI, um das Leben seines Sohnes zu retten und setzt damit eine Kettenreaktion in Gang, die die Grenzen von Ethik, Menschlichkeit und Realität sprengt.
Electric Child ist ein packender Genremix aus emotionalem Familiendrama, philosophischem Zukunftsentwurf und technologischem Albtraum. Der Film denkt die rasanten Entwicklungen künstlicher Intelligenz weiter und stellt dabei die existenziellen Fragen: Was ist Bewusstsein? Wo beginnt Verantwortung? Und dürfen wir Maschinen töten, wenn sie leben?
Zwischen den kontrastreichen Welten rosafarbener Häuslichkeit und klaustrophobischer Supercomputer-Zentrale und getragen von einem immersiven Sounddesign, entwickelt sich Electric Child zu einem sinnlichen Erlebnis über Verlust, Liebe und den fatalen Wunsch, den Tod zu überlisten. Ein Film, der weh tut, fasziniert und lange nachhallt.
Kinostart: 21.08.2025
Genre: Science-Fiction
Regie: Simon Jaquement
Besetzung: Elliott Crosset Hove, Rila Fukushima, Sandra Guldberg Kampp, João Nunes Monteiro, Helen Schneider
Noch mehr Lust auf Kino? Hier erfahrt alles über die Open Air Kinos in Leipzig.
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