Schuldnerberatung zur Privatinsolvenz

Im letzten Quartal 2024 gab es in Berlin 1.672 Insolvenzverfahren. Davon waren etwa die Hälfte Privatinsolvenzen. Viele Menschen geraten unverschuldet in Zahlungsverzug. Dann beginnt ein Teufelskreis. Wir möchten euch in diesem Fall die Schuldnerberatung ans Herz legen. In Berlin gibt es mehrere Einrichtungen, die kostenlos arbeiten und Schuldner unterstützen. Anlaufstellen sind zum Beispiel die Caritas oder die Landesarbeitsgemeinschaft für Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin e. V. Im Text verraten wir euch, wie Schuldnerberatungen arbeiten und wann ihr euch an die Einrichtungen wenden könnt.

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Schuldnerberatung – richtig und wichtig

Was macht die Schuldnerberatung im Rahmen einer Privatinsolvenz?

Schuldner haben die Möglichkeit, eine staatliche, gewerbliche oder anwaltliche Schuldnerberatung aufzusuchen. Dass verschuldeten Menschen geholfen werden kann, setzt zunächst Eigeninitiative voraus. Es ist nicht einfach, über seinen Schatten zu springen und einen Termin bei einer der zahlreichen Berliner Schuldnerberatungsstellen zu vereinbaren. Der Ablauf vor Ort unterscheidet sich nicht wesentlich.

Rechtlich betrachtet haben Privatpersonen zwei Möglichkeiten, ihre Schulden abzubauen. Die Insolvenzordnung schreibt den außergerichtlichen Vergleich mit den Gläubigern oder die Verbraucher- oder Privatinsolvenz vor. Priorisiert wird dabei der außergerichtliche Vergleich. Eine Privatinsolvenz darf erst beantragt werden, wenn keine Einigung mit den Gläubigern gefunden wurde und dies von einer anerkannten Stelle bescheinigt wurde.

Was erwartet euch nun beim Termin in der Schuldnerberatungsstelle? Zunächst erfolgt eine allgemeine Bestandsaufnahme. Das Ziel ist die Gegenüberstellung von angehäuften Schulden und bestehenden Einnahmen. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle müssen über alle angesammelten Schulden informiert sein. Nur dann können sie gegenüber den Gläubigern authentisch auftreten und ernsthafte Verhandlungen führen.

Schuldnerberatung – So geht es Schritt für Schritt

Die Schuldnerberatung geht in folgenden Schritten vor:

  • Finanzielle Situation analysieren: Es wird darum gehen, die Ursachen der Überschuldung herauszufinden. Die Offenlegung der persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse ist dafür Voraussetzung. Alle Forderungen der Gläubiger sind ebenfalls offenzulegen.
  • Schuldenberatung: Nun erfolgt die eigentliche Schuldenberatung. Es werden Möglichkeiten der Schuldenbereinigung aufgezeigt. Schuldner werden über die außergerichtliche Einigung informiert. Auch Ratenzahlungen können angestrebt werden, um den Weg in die Privatinsolvenz zu verhindern.
  • Schuldenregulierungsplan: Es wird ein konkreter und auf die individuellen Verhältnisse des Schuldners zugeschnittener Schuldenbereinigungsplan erstellt.
  • Verhandlungen mit Gläubigern: Der erstellte Schuldenregulierungsplan bildet die Grundlage für die nun anstehenden Verhandlungen mit den Gläubigern. Das Ziel besteht darin, Ratenzahlungen oder Stundungen der offenen Beträge zu erwirken oder andere konkrete Vereinbarungen zu treffen, die eine drohende Privatinsolvenz noch abwenden können.
  • Hilfe bei Antragstellung: Lässt sich die Privatinsolvenz nicht abwenden, ist die Schuldnerberatung bei der Antragstellung und der Vorbereitung des anstehenden Verfahrens behilflich.
  • Begleitung im Insolvenzverfahren: Während der Privatinsolvenz bietet die Einrichtung umfassende Beratungen an. Schuldner werden nicht alleingelassen und bei der Erfüllung der Auflagen unterstützt.
  • Hilfe beim Umgang mit der Situation: Schuldnerberatungen sind im Rahmen von Privatinsolvenzen auch ein Anlaufpunkt, wenn die betreffenden Personen unter der finanziellen Krise leiden und Unterstützung in sozialer und psychischer Hinsicht benötigen.

Kommt es zur Privatinsolvenz, liegt das Hauptaugenmerk der Beratung auf folgenden Aspekten:

  • Stundung der Kosten des Verfahrens beantragen
  • Hilfestellung bei Fragen zur Pfändbarkeit von Vermögen und Einkommen
  • Klärung von Fragen und Problemen, die während der Dauer des Verfahrens auftauchen

Welche Themen kommen bei einer Schuldnerberatung zur Privatinsolvenz noch zur Sprache?

Damit die Schuldnerberatung ihrer Arbeit nachgehen und die Privatinsolvenz begleiten oder ggf. sogar verhindern kann, ist die Mitarbeit des Schuldners eine wichtige Voraussetzung. Die persönliche Situation muss umfassend beleuchtet werden. Dies erklärt, warum die Hemmschwelle besonders hoch ist und viele Menschen einfach zu viel Zeit verstreichen lassen, bis sie sich an Schuldnerberatungsstellen wenden und eine Privatinsolvenz in Betracht ziehen.

Da alle Schulden beim Termin offengelegt werden müssen, ist es wichtig, dass sich der Schuldner vorab einen Überblick über seine finanzielle Lage verschafft. Dies wird nicht immer gelingen und oft erst in Zusammenarbeit mit den Schuldnerberatern vor Ort möglich werden.

Folgende Unterlagen sind beim Termin mit der Schuldnerberatung wichtig:

  • Gehaltsnachweise oder Bescheide über Arbeitslosen- oder Bürgergeld
  • lückenlose Kontoauszüge
  • Rechnungen und Mahnungen
  • Mahnbescheide und ggf. Vollstreckungsbescheide
  • Schriftverkehr mit den Gläubigern
  • Verträge über Miete, Strom, Gas, Mobilfunk etc.

Bei der Aufstellung des Schuldentilgungsplanes müssen alle Ausgaben und Einnahmen des Schuldners gegenübergestellt werden. Es werden dabei Themen angesprochen, welche Ausgaben sich vermeiden lassen. Dies betrifft die Kündigung von bestehenden Abonnements oder Mobilfunkverträgen. Auch der Wechsel von Versicherungen kann eine Rolle spielen.

Thematisiert wird das generelle Verhalten zu Geld und Ausgaben. Auch hier ist es wichtig, ehrlich zu antworten und mögliche Schwachstellen offen zuzugeben. Ein wichtiger Punkt ist auch der Umgang mit der Situation. Eine Privatinsolvenz kann mit großem psychischem und sozialem Druck einhergehen. Betroffene fühlen sich oft isoliert und ausgegrenzt und leiden unter Depressionen oder Angstzuständen. Die Schuldnerberater greifen hier beratend ein oder verweisen auf Psychologen und Therapeuten vor Ort.

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Viele Rechnungen, wenig Geld. So kann man in die Schuldenfalle geraten.

Kann ich sofort Privatinsolvenz anmelden bei Überschuldung?

Nein, bei Überschuldung kann nicht sofort ein Antrag auf Privatinsolvenz gestellt werden. Wie bereits erwähnt, steht vor dem Antrag auf Privatinsolvenz der Versuch einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern. Der Antrag kann erst gestellt werden, wenn dieser Versuch nachweislich gescheitert ist und sich die Gläubiger nicht auf Ratenzahlung, Stundung oder ähnliche Vereinbarungen eingelassen haben.

Diesen Einigungsversuch unterstützen und begleiten Schuldnerberatungsstellen. Es wird dazu geraten, die Hilfe einer Schuldnerberatungsstelle möglichst frühzeitig in Anspruch zu nehmen. Es gibt dafür keine Voraussetzungen. Ihr könnt einfach dort vorsprechen, braucht aber natürlich einen Termin. Diesen könnt ihr telefonisch oder per E-Mail vereinbaren.

Seht ihr euch mit einer der folgenden Situationen konfrontiert, nehmt die Hilfe der Berliner Schuldnerberatungsstellen in Anspruch:

  • Ihr kommt vom Dispo nicht mehr runter.
  • Rechnungen stapeln sich auf dem Schreibtisch.
  • Ihr bekommt keinen Kredit mehr bewilligt.
  • Ihr habt Mietschulden und könnt auch die Gas- und Stromrechnung nicht mehr zahlen.
  • Ausgaben pro Monat übersteigen die Einnahmen.
  • Gerichtsvollzieher hat sich angekündigt.
  • Lohn- oder Kontopfändung droht
  • Mahn- oder Vollstreckungsbescheid war im Briefkasten.

Der Weg führt niemals direkt in die Privatinsolvenz. Verschuldete Verbraucher müssen sich zunächst an eine Schuldnerberatung wenden. Da sich die meisten Menschen mit der Situation komplett überfordert fühlen und häufig den Blick für das Ausmaß der Schulden verloren haben, ist professionelle Hilfe gefragt.

Tipp: Die Termine bei den Beratungsstellen sind häufig mit längeren Wartezeiten verbunden. Daher ist es ratsam, sich frühzeitig mit einer Schuldnerberatung in Verbindung zu setzen.

Sollte kurzfristig kein Termin zu bekommen sein, nutzt die Möglichkeit, euch von einem Anwalt für Insolvenzrecht beraten zu lassen. Erstberatungen werden auch hier häufig kostenlos durchgeführt.