Tabellenführung futsch: HCL verliert nervenaufreibendes Gipfeltreffen in Berlin

Packendes Spitzenspiel mit bitterem Ausgang: Der HC Leipzig muss nach einer 21:25-Niederlage in Berlin die Tabellenführung räumen. In einem Duell, das von starken Abwehrreihen geprägt war, scheiterten die Leipzigerinnen vor allem an der eigenen Chancenverwertung. Nun richtet sich der Blick auf die Relegation.

Handballerin in blauem Trikko im Sprung am Ball wird von zwei Gegnerinnen in Grün blockiert
© HCLeipzig
Mit vollem Einsatz gaben die Spielerinnen alles

Es war das Duell, auf das die gesamte 2. Alsco Handball Bundesliga hingefiebert hatte. Am Samstagabend trafen am 27. Spieltag die beiden Giganten der Liga aufeinander: Die Füchse Berlin empfingen den HCL zum ultimativen Kampf um die Spitzenposition. In einer hitzigen Atmosphäre in der Sporthalle Charlottenburg mussten die Leipzigerinnen jedoch einen herben Rückschlag im Kampf um die Meisterschaft hinnehmen. Mit einer 21:25 (12:13)-Niederlage im Gepäck trat das Team von Trainer Erik Töpfer die Heimreise an und musste gleichzeitig den Thron der Tabelle an die Hauptstädterinnen abtreten.

Hexenkessel Charlottenburg: 200 Leipziger reisen mit

Die Kulisse war eines Spitzenspiels würdig. Insgesamt 2.000 Zuschauer verwandelten die Sporthalle in einen Hexenkessel. Besonders beeindruckend: Rund 200 Fans aus Leipzig waren mitgereist, um ihren HCL lautstark zu unterstützen. Die Vorzeichen standen gut, denn erstmals seit langer Zeit konnte der Trainer wieder auf den kompletten Kader zurückgreifen. Von Beginn an entwickelte sich eine intensive Partie, in der sich die beiden defensivstärksten Mannschaften der Liga absolut nichts schenkten.

Starker Beginn und Leipziger Dominanz

Der HCL fand zunächst besser in die Spur. Die Defensive stand kompakt und zwang die Berlinerinnen immer wieder zu Fehlern. Bis zur 20. Minute behielten die Gäste die Oberhand und erspielten sich eine verdiente 10:8-Führung. Es schien, als könnten die Leipzigerinnen den psychologischen Vorteil des Tabellenführers nutzen, um das Spiel frühzeitig zu kontrollieren. Doch der Motor im Angriff geriet plötzlich ins Stocken.

Sieben Minuten ohne Tor bringen die Wende

Was folgte, war eine kritische Phase, die den Spielverlauf massiv beeinflusste. Ganze sieben Minuten lang gelang den Leipzigerinnen kein einziger Treffer. Diese Torflaute nutzten die Füchse eiskalt aus, drehten die Partie mit einem Lauf und gingen in der 27. Minute erstmals mit 11:10 in Führung. Mit diesem hauchdünnen Rückstand von 12:13 aus Leipziger Sicht ging es schließlich in die Kabinen.

Nele Kurzke glänzt – Marlene Tucholke trifft

Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie hochspannend. Besonders eine Spielerin hielt den HCL in dieser Phase im Spiel: Torhüterin Nele Kurzke zeigte eine herausragende Leistung und entschärfte mit insgesamt 13 Paraden zahlreiche Großchancen der Berlinerinnen. In der Offensive war es vor allem Marlene Tucholke, die Verantwortung übernahm. In der 35. Minute erzielte sie den viel umjubelten Ausgleich zum 14:14. Mit insgesamt sieben Treffern krönte sie sich zur treffsichersten Werferin des Tages auf Seiten des HCL.

Die Treffsicherheit als größtes Manko

Trotz der Paraden von Kurzke und des Kampfgeistes der gesamten Mannschaft blieb die Chancenverwertung das Sorgenkind. „Unser Problem war die Abschlussquote – vor allem in der zweiten Halbzeit“, bilanzierte Erik Töpfer nach dem Spiel. Unglaubliche 23 Fehlwürfe standen am Ende in der Statistik – ein Wert, der in einem Spitzenspiel kaum zu kompensieren ist. Während die Abwehr viele Bälle gewann, ließ man im Angriff zu viel liegen. Berlin nutzte dies konsequent, setzte sich bis zur 56. Minute vorentscheidend auf 25:19 ab. Die letzten zwei Leipziger Tore waren lediglich Ergebniskosmetik.

Zielsetzung Aufstieg: Schützenhilfe und Hausaufgaben

Durch die dritte Saisonniederlage liegt Berlin nun mit einem Punkt Vorsprung an der Spitze. Bei nur noch drei verbleibenden Spielen ist der HCL auf Schützenhilfe angewiesen, um wieder auf Platz eins zu klettern. Das Minimalziel ist nun klar definiert: Platz zwei sichern, um über die Relegation den Sprung in die 1. Bundesliga zu schaffen. Coach Töpfer hofft dabei auch auf das kommende Wochenende, wenn die Füchse auf den Tabellendritten TG Nürtingen treffen. „Wir drücken Nürtingen die Daumen, aber natürlich müssen wir selbst unsere Hausaufgaben erledigen“, so Töpfer kämpferisch.

Showdown in der Brüderstraße: Alle in die Halle!

Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt nicht. Bereits am Sonntag, den 17. Mai, steht das nächste wichtige Spiel an. Um 16 Uhr empfängt der HC Leipzig den Bergischen HC in der Sporthalle Brüderstraße. Um den Traum von der Bundesliga und den Druck auf Berlin aufrechtzuerhalten, zählt für die Leipzigerinnen nur ein Sieg. Die Mannschaft hofft erneut auf die lautstarke Unterstützung ihrer Fans, um die nötigen Punkte für die Relegation einzufahren.