Laut-leise-Schlachteplatte I Galaxy Kling Klang I Urbaner Synthiepop I Klarinette trifft Beat 4 x neue Musik aus Berlin: Lindemann, Globus, Liun + The Science Fiction Band, junk-E-cat

Wie jeden Monat haben wir auch diesmal wieder Release-Listen und Blogs durchforstet, um die spannendsten neuen Platten aus und zu Berlin zusammenstellen. Dies sind unsere Highlights im Dezember ...

Lindemann – F & M

© Jens Koch
Abseits des Rammstein’schen Pauken-und-Trompeten-Universums setzt Till Lindemann mit seinem im Jahr 2017 ins Leben gerufenen Soloprojekt auf Vielfalt und Experimentierfreude. Gemeinsam mit seinem schwedischen Koop-Partner Peter Tägtgren geht es auch diesmal wieder um eine detailverliebt arrangierte Laut-und-leise-Melange, gefüttert mit feinster Polarisierlyrik – diesmal komplett auf deutsch. Mal mit brachialen Gitarren, mal mittels epischer Pianoklänge befeuern die beiden Ausnahmekünstler den Rausch der Wollust und die Verfressenheit der Liebe. Die Songtitel sprechen Bände. „Blut“, „Knebel“, „Gummi“, „Allesfresser“. Noch Fragen? 

Globus – Day Music

© staatsakt
Ein blauer Globus im Kinderzimmer-Look, eine Ansammlung von Synthesizern aus allen Technik-Himmelsrichtungen und zwei tüftelnde Regler-Nerds mit einem Faible für extraterrestrische Elektro-Sounds: Der erste Longplayer-Auftritt des Berliner Instrumental-Duos Globus hat es bereits ordentlich in sich. Anstelle von ausgeklügelten Texten nutzen die beiden Globus-Gründer Sonja Deffner (bekannt unter anderem Jason & Theodor und Die Heiterkeit) und Patrick Hohlweck (PTTRNS) die Magie der Atmosphäre. Inmitten eines Klang-Labyrinths aus zwischen mystisch und eingängig pendelnden Synth-Spielereien zaubern Globus Stimmungen herbei, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Grandiose Minimal-Musik auf Kassette. Die Zukunft ist jetzt.

Liun + The Science Fiction Band – Time Rewind

© Dovile_Sermokas
„Das Album ist eine Kapsel, in der verschiedene Seiten meiner Persönlichkeit zwischen 2013 und 2018 eingefangen sind“, erklärt Lucia Cadotsch. Und in der Tat: „Time Rewind“, das Debütalbum des Duo-Projekts Liun + The Science Fiction Band, beeindruckt mit facettenreicher Dynamik. Gemeinsam mit ihrem Mitstreiter Wanja Slavin kreiert die Echo-Gewinnerin ein urbanes Sound-Gebilde aus oszillierendem Synthiepop und sphärischem Elektro-Jazz. Entstanden in den Wäldern Brandenburgs tanzen die Beats und Vocals dieser Tage auf internationalem Parkett. Mit Flöten, Synthies, Bläsern, Streichern, Trommeln und der klaren Stimme der Hauptprotagonistin geht es im tanzenden Untergrund auf Stimmenfang – und das mit einschlagendem Erfolg. Auch live eine wahre Freude: das nächste Mal am 11.12. im Badehaus. 

Junk-e-cat – Treature

© Ruthe Zuntz
Die Veröffentlichung der jüngsten, von der Fanbase gefeierten EP „Kreatur“ ist gerade mal ein halbes Jahr her, da kommt Experimental-Guru junk-E-cat bereits mit einem neuen Output um die Ecke. Und abermals bebt die Tanzfläche: Befeuert von Klarinetten-Riffs, Live-Loopings und spektakulärem Fingerdrumming katapultiert sich der in Berlin lebende Produzent mit seiner neuen EP „Treature“ erneut an die Spitze der Electronica-Jazz-Nahrungskette. Zudem gibt es einige feine Remixe, mal mit dubbigbluesiger Note (Mr. LuckyLoop), mal mit straighten House-Vibes (Carlo). Ob mit mystischer Bauta-Maske oder komplett freier Sicht: Hier wird geschwitzt, getanzt, gefeiert. In diesem Sinne: Turn it up, junk-E-cat!