Best of Leipzig Liest 2026

Die Leipziger Buchmesse verwandelt die Stadt in ein riesiges Literaturfestival. Entdecke unzählige Neuerscheinungen in den Messehallen und stöbere an den Verlagsständen. Wir haben die Highlights von Best of Leipzig Liest 2026 für dich zusammengetragen.

Best of Leipzig Liest 2026 auf der Leipziger Buchmesse in der großen Glashalle
© Manja Reinhardt

Wenn sich im Frühjahr die Buchwelt auf der Leipziger Buchmesse trifft, verwandelt sich die Stadt für ein paar Tage in ein großes Literaturfestival. In den Messehallen warten unzählige Neuerscheinungen darauf, entdeckt zu werden, und an den Ständen der Verlage kann man stundenlang durch Bücher stöbern. Aber die Messe ist vor allem auch ein Ort der Begegnung. Hier können Leserinnen und Leser ihre Lieblingsautoren live erleben, ihnen zuhören, Fragen stellen und einen Blick hinter die Geschichten werfen. Möglich macht dies Europas größtes Lesefest „Leipzig liest“.

Willkommen zum großen Lesefest in Leipzig 2026

Über 2.500 Veranstaltungen an mehr als 300 Orten in der ganzen Stadt, von der Messehalle über Buchhandlungen und Museen bis hin zu Cafés und Theatern, laden dazu ein, Literatur auf ganz unterschiedliche Weise zu erleben. Ob große Premieren, spannende Gespräche, szenische Lesungen oder Buchvorstellungen, für jedes Interesse und jedes Alter ist etwas dabei. Damit ihr bei diesem riesigen Programm nicht den Überblick verliert, haben wir einen Blick in das Veranstaltungsangebot geworfen und eine Auswahl besonders spannender Lesungen und Termine zusammengestellt. Hier sind unsere persönlichen Highlights zur Buchmesse.

Rote Treppe mit Buchmesse Leipzig Symbol in der Glashalle des Messegeländes Leipzig
© Manja Reinhardt

Die Donau im Fokus

Jahrelang stand ein Gastland im Mittelpunkt der Messe, aber in diesem Jahr geht die Messe einen neuen Weg: sie widmet sich dem Fokusthema „Donau –Unter Strom und zwischen Welten“, das umfassend beleuchtet wird. Im Mittelpunkt steht der vielstimmige literarische Raum entlang der Donau, der sich über zehn Länder erstreckt und von einer bewegten Geschichte geprägt ist. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich hier politische Systeme, Herrschaften, Grenzen und sogar Landessprachen immer wieder verändert, und Identitäten wurden neu verhandelt. All diese Erfahrungen prägen bis heute die Literatur der Region. Die Messe möchte diese Perspektiven sichtbar und hörbar machen: Welche Geschichten, Erinnerungen und Hoffnungen kommen aus den Ländern entlang des Flusses? Welche Stimmen erzählen von Umbrüchen, kultureller Vielfalt und neuen Blickwinkeln auf Europa? Das Fokusthema wird während der gesamten Messe auf der Donaubühne in Halle 4 präsentiert. Rund 85 Veranstaltungen, darunter Buchvorstellungen, Gespräche und Podiumsdiskussionen, widmen sich der literarischen und kulturellen Vielfalt dieser besonderen europäischen Region. Es lohnt sich immer wieder über alle Tage hinweg an der Donaubühne vorbeizuschauen und eine der zahlreichen Veranstaltungen zu besuchen. Und für alle, die tiefer eintauchen möchten, gibt es am Donnerstagabend im Zimeliensaal des Museums für Musikinstrumente im GRASSI in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandradio eine „Lange Nacht“. Unter anderem wird der aus Kroatien stammende Friedenspreisträger der Buchmesse Miljenko Jergovićzu Gastsein.

Donau-Bühne (Halle 4, D300/C301)

Museum für Musikinstrumente im GRASSI, Johannisplatz 5-11, 04103 Leipzig

Familiengeheimnisse zwischen 1945 und heute

Alena Schröder präsentiert ihren neuen Roman „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“. Er handelt von einer bewegenden Familiengeschichte, die über mehrere Generationen hinweg reicht. Zwei Zeitebenen, das Jahr 1945 und die Gegenwart, sind durch ein geheimnisvolles Gemälde miteinander verbunden und legen nach und nach verborgene Familiengeschichten frei. Mit ruhiger, präziser Sprache zeichnet Schröder eindrucksvolle Figuren und verbindet persönliche Schicksale mit deutscher Zeitgeschichte. Der Roman zeigt auf berührende Weise, dass Vergangenheit und Gegenwart untrennbar miteinander verwoben sind. Entstanden ist ein atmosphärischer Roman über Erinnerung, Herkunft und die Suche nach dem eigenen Platz im Leben.

Donnerstag, 14:45 -15:30 Uhr, Hugendubel Messebuchhandlung Halle 4 (Halle 4, C500/D500) sowie bei der Langen Leipziger Lesenacht L3 in der Moritzbastei am gleichen Tag

Alena Schröder: Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel

Literarische Vielfalt zwischen Lachen und Staunen

Im Trubel der Leipziger Buchmesse gehört der Verlagsabend von Voland & Quist längst zu den festen Treffpunkten für Literaturfans. Auch 2026 lädt der Berliner Independent-Verlag im Werk II zu einem besonderen Abend vollgepackt mit Lesungen und Gesprächen. Mit dabei sind unter anderem Nora Gomringer mit ihrem Buch Am Meerschwein übt das Kind den Tod, Béla Rothenbühler mit Polyphon Pervers sowie Alisha Gamisch mit Parasiti und der Leipziger Lokalmatador Julius Fischer mit Ich hasse Menschen. Eine Fortpflanzung. Gemeinsam geben sie Einblicke in ihre neuen Texte und zeigen die literarische Bandbreite des Verlags. Durch den Abend führt der Journalist Cornelius Pollmer. Nach den Lesungen geht es entspannt weiter: Bei Musik und Drinks kann man mit Autoren ins Gespräch kommen und den Messetag ausklingen lassen.

Julius Fischer ist auf den Leipziger Bühnen kein Unbekannter. Er zählt zu den festen Mitgliedern der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz und hat sich mit seiner „Ich hasse Menschen“-Reihe eine feste Fanbase erschrieben. Nun erscheint ein weiterer Teil der Reihe. Mit gewohntem Wortwitz und einer gesunden Portion Misanthropie widmet er sich in Ich hasse Menschen. Eine Fortpflanzung dem Abenteuer Elternschaft. Wer glaubt, hier eine romantische Lobeshymne auf das Familienleben zu hören, irrt gewaltig: Fischer liefert einen gnadenlos ehrlichen, brüllend komischen Einblick in den Wahnsinn zwischen Windelwechseln, Spielplatz-Etikette und dem verzweifelten Versuch, trotz Schlafmangel die Fassade zu wahren. Wie kaum ein anderer schafft es Julius Fischer das Scheitern an dem was man gemeinhin als Normalität versteht, zur Kunstform zu erheben. Außerdem sind seine Lesungen ein wahres Vergnügen, denn wenn er die Bühne betritt, bleibt kein Auge trocken und kein Vorurteil verschont. An den Messetagen bietet sich mehrfach Gelegenheit, sich davon zu überzeugen.

Donnerstag, 19:30 -22:00 Uhr, Werk II, Kochstraße 132, 04277 Leipzig

Julius Fischer solo: Freitag 14:00 -14:30 Uhr, Große Bühne (Halle 5, A500), Messegelände, Sonnabend, 21.03. 20:00 Uhr Buchpremiere Werk II.

Alle Bücher erschienen bei Voland & Quist

Buch "Ich hasse Menschen" von Julias Fischer
© Manja Reinhardt

Zwischen Familiengeschichte und Schweigen

Judith Hermann stellt ihr neues Buch „Ich möchte zurückgehen in der Zeit“ in einem Gespräch und Lesung am Donnerstag im Haus des Buches vor. Sie folgt im Roman den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS in Polen stationiert war. Sie verbindet literarisches Schreiben mit dieser lange verleugneten Familiengeschichte, reist von Polen nach Neapel zu ihrer Schwester und erkundet das Zusammenspiel von Erinnern und Vergessen über Generationen hinweg. Hermann arbeitet in subtilen Zwischen- und Untertönen das Verdrängte auf und zeigt, wie fragil wir unser Leben einrichten. Ihr präziser, zugleich melancholischer Stil macht die Leerstellen unserer Gesellschaft spürbar, was wissen wir, was erfahren wir, was glauben wir nur zu wissen. Gleichzeitig wurde das Buch in Feuilletons kritisch aufgenommen, was vor allem daran liegen könnte, dass viele Erwartungen an das Buch nicht erfüllt wurden. Kritiker hofften vielleicht auf eine klarere historische Analyse oder eine stärker erzählerische Aufarbeitung der Familiengeschichte. Dass diese Erwartungen beim Lesen nicht eingelöst werden, wird Hermann in der Kritik vorgehalten, obwohl gerade die stille, reflektierende Form des Romans seinen eigentlichen Wert ausmacht: ein Roman über Erinnerung, Schuld und das Schweigen der Nachkriegsgeneration. Am besten, man überzeigt sich selbst …

Donnerstag, 20:00 -21:30 Uhr, Haus des Buches -Großer Saal, Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig, sowie Freitag, 12:30 -13:15 Uhr, taz Studio (Halle 5, G500) Messegelände

Judith Hermann: Ich möchte zurückgehen in der Zeit, S.Fischer

Hummeln im Hirn

Judith Holofernes kennt man als Sängerin der Pop-Band Wir sind Helden, doch mit ihrem Romandebüt 2022 „Die Träume anderer Leute“ hat sie sich auch einen Namen als Autorin gemacht. Nun erschient ihr neuer Roman „Hummelhirn“. In klarer, oft tragikomischer Sprache blickt sie auf ihre Kindheit und Jugend zurück. Zwischen Selbstreflexion und warmherziger Komik zeigt sie, wie es ist, sich anzupassen, eigene Macken zu akzeptieren und die eigene Identität zu finden. Davon überzeugt sie in der Radiosendung „Lesart“ des Deutschlandradios live auf der Buchmesse.

Freitag, 10:00 Uhr, Deutschlandfunk/Deutschlandradio, Halle 2, Stand H401

Judith Holofernes: Hummelhirn, Kiepenheuer & Witsch

Ein Ort, den es so nicht gibt, aber geben könnte

Nur wenig später stellt Lukas Rietzschel seinen neuen Roman Sanditz am Stand von MDR Kultur vor. Rietzschel ist hier ein großes vielschichtiges Gesellschaftspanorama gelungen. Rietzschel, selbst ein „Nachwendekind“ verknüpft in der fiktiven Kleinstadt Sanditz, die am Rand der Republik liegt, die Lebenswege ganz unterschiedlicher Menschen zu einem berührenden Bild deutscher Geschichte von den späten DDR-Jahren über die Wendejahre bis hin zur Corona-Pandemie und dem Ukraine-Krieg. Er verwebt die Lebenswege der Familie Wenzel mit denen zahlreicher Mitbürger. Er schafft es meisterlich, große politische und gesellschaftliche Umbrüche in die intimen Lebenswelten seiner Figuren zu holen. Die Suche nach Zugehörigkeit, Freiheit und einer Heimat, die sowohl Halt als auch Herausforderung bietet, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eine Lesung mit dem Autor verspricht nicht nur Einblicke in diese facettenreiche Welt, sondern auch in Rietzschels literarische Intentionen und Erzählstrategien, wie er Gesellschaft und Individuum miteinander verwebt und warum die Stimmen, die selten zu Wort kommen, so wichtig sind. Lukas Rietzschel und sein Buch sollte man auf keinen Fall verpassen.

Freitag, 11:00-11:30 Uhr, Messestand MDR Kultur (Halle 2, H301), sowie 20.03.13:30 –14:00 Uhr mephisto97,6 (Halle 5, E501), Buchpremiere 20.03. 19:30 Uhr im Schauspiel Leipzig, 22.03. 12:10-12:40 ARD/ZDF/3sat-Literaturbühne Glashalle Messegelände

Lukas Rietzschel: Sanditz, dtv

Buch "Sanditz" von Lukas Rietzschel
© Manja Reinhardt

Frischer Wind im Buddenbrookhaus

Vor 125 Jahren wurde Thomas Manns berühmter Familienroman Buddenbrooks veröffentlicht. Aber Hand aufs Herz: wer hat ihn wirklich gelesen. Das Buch „Huch, alle tot? -101 Fragen und Antworten zu Buddenbrooks“, herausgegeben vom Budenbrookhaus schafft einen spielerischen Zugang, der neugierig macht, den Jahrhundertroman vielleicht doch noch zu lesen. Dabei herausgekommen ist eine erfrischende literarische Entdeckungsreise, die Thomas Manns Epos vom Staub befreit. Statt trockener Analyse setzen die Herausgeberinnen auf ein kurzweiliges Frage-Antwort-Format, das selbst bizarre Details wie ausgestopfte Tiere beleuchtet. Die Mischung aus Sachkenntnis und Humor macht das Buch zu einem idealen Begleiter für alle, die den „Verfall einer Familie“ einmal ganz ohne akademische Schwere erkunden wollen. Ein kluges, unterhaltsames Kompendium, das zeigt, wie lebendig (und tödlich) klassische Literatur sein kann. Ein Muss für Fans und ein perfekter Türöffner für Skeptiker!

15:30 -16:00 Uhr, Forum Sachbuch: Horizonte (Halle 2, D609)

Hrsg. Buddenbrookhaus, Huch, alle tot? -101 Fragen und Antworten zu Buddenbrooks, Vandenhoeck + Ruprecht

Philosophisches Kammerspiel in Venedig

Matthias Nawrat nimmt uns in seinem neuen Roman „Das glückliche Schicksal“ auf eine Reise in das Jahr 1983. Mit dem Buch beweist Nawrat, warum er zu den wichtigsten Chronisten europäischer Identitäten und zu den großen zeitgeschichtlichen Erzählern gehört. In einer klaren, fast kühlen Sprache seziert er die Begegnung zwischen der Psychologin Wanda und dem im Exil lebenden Wissenschaftler Henryk als psychologisches Kammerspiel vor der Kulisse Venedigs. Der Roman besticht durch seine philosophische Tiefe. Er fragt nicht nur nach individuellen Lebensentscheidungen, sondern nach der Macht der Bürokratie über das Glück. Die Spannung entsteht weniger durch äußere Handlung als durch das feine Spiel mit Verdacht und Vertrauen. Ein atmosphärisch dichtes Buch, das Geschichte als etwas zeigt, das uns bis in die privatesten Regungen verfolgt. Wer wissen will, was das Buch so spannend macht und warum es schon vor Erscheinen mit dem Berliner Literaturpreis 2026 geehrt wurde, sollte zur Lesung gehen.

Freitag, 19:30 -20:30 Uhr, Alte Nikolaischule -Richard-Wagner-Aula, Nikolaikirchhof 2, 04103 Leipzig

Literatur aus dem Norden: Geschichten, die überraschen

Kein Messefreitag ohne die Nordische Lesenacht im Werk 2, zu der zehn Autorinnen und Autoren aus Nordeuropa wieder jede Menge neue Bücher mitbringen:

  • Tonny Gulløv mit „Millenium Kingdom: Die Feuerprobe“, dem vierten Band der Millenium-Serie (Rowohlt Verlag)
  • Josefine Klougart mit „Das alles könntest du haben“ (März Verlag)
  • Sirpa Kähkönen und „Komm, Mama“ (Blessing Verlag)
  • Kjell Westö und „Dämmerung“ (Piper)
  • Ragnar Helgi Ólafsson liest aus „Die Bibliothek meines Vaters“ (Verlag: Mikrotext)
  • Auður Ava Ólafsdóttir aus „Eden“ (Suhrkamp Verlag)
  • Line Baugsø aus Norwegen stellt „Evil Grandma“ (Rowohlt Verlag)
  • Maria Navarro Skaranger „Emily Forever“ (Luchterhand)
  • Lisa Ridzén liest aus „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“, (Allee Verlag)
  • Mattias Timander liest aus „Dein Wille wohnt in den Wäldern“ (btb)

Der Abend verspricht vielfältig und überraschend zu werden, denn es geht um Wikinger, um Liebe in und zwischen den Kriegen, werdende Mütter und unwillige Großmütter, um Trauer und Erinnerungen, Künstler und Familiengeschichte, um Herkunft und natürlich auch um Buch und Sprache. Zwei Bücher seien hier exemplarisch vorgestellt, für die es sich allein schon lohnt, zur Lesenacht zu gehen.

Buch "Die Bibliothek meines Vaters" von Ragnar Helgi Ölafsson
© Manja Reinhardt

Ragnar Helgi Ólafsson stellt sein Buch „Die Bibliothek meines Vaters“ vor. Übersetzt wurde das Buch von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer. Ólafsson gelingt mit diesem schmalen Band ein kleines Wunder: Er macht aus der traurigen Inventur der Bibliothek seines verstorebenen Vaterseine Feier des Lebens und des Buches. Es geht immer wieder der Frage nach, was bleibt von den Büchern nach dem Tod. Geschickt verwebt er Erinnerungen an den Vater mit der isländischen Literatur und gibt so auch einen Einblick in uns nicht vertraute Literatur. Die Sprache ist isländisch-klar, melancholisch und doch voller feinem Humor. Besonders stark sind die Passagen, in denen er beschreibt, wie Bücher als Anker für Identität dienen. Wer selbst eine Leidenschaft für Bibliotheken hegt, wird sich in jeder Zeile wiederfinden. Das Buch ist eine kluge Reflexion darüber, was von uns bleibt, wenn die letzte Seite umgeblättert ist.

Mit Sprache beschäftigt sich Auður Ava Ólafsdóttir in ihrem Roman „Eden“ (übersetzt von Tina Flecken). Ólafsdóttir liefert mit Eden einen herrlich eigensinnigen Trip in die isländische Wildnis. Die Linguistin Alba tauscht Worte gegen Wurzeln und stürzt sich in das aberwitzige Projekt, tausende Bäume gegen ihr schlechtes Gewissen zu pflanzen. Doch statt purer Naturidylle findet sie skurrile Begegnungen und die Erkenntnis, dass sich die Welt nicht nur mit Birken retten lässt. Mit ihrem typischen, staubtrockenen Humor und einer Prise nordischer Melancholie verwandelt die Autorin die Klimakrise in ein funkelndes Sprachkunstwerk. Ein kluges, überraschend leichtfüßiges Buch über die Lust am Neuanfang, das zeigt: Wer Bäume pflanzt, gräbt vor allem nach sich selbst. Ein Muss für alle, die Hoffnung suchen, ohne dass es kitschig wird! Das Buch hat die Jury des Leipziger Buchpreises ebenso überzeugt. Es steht auf der Short-List im Bereich der Übersetzungen.

Freitag, 18:30 -22:30 Uhr, Werk 2 -Halle A, Kochstraße 123, 04277 Leipzig

Ragnar Helgi Ólafsson, Die Bibliothek meines Vaters, Mikrotext

Auður Ava Ólafsdóttir, Eden, Suhrkamp Verlag

Menasse verdichtet Europa in einer Novelle

Robert Menasse ist der Meister des politischen Romans und zeigt in seiner neuen Novelle „Die Lebensentscheidung, dass er auch ohne 600-Seiten-Epos eine enorme Wucht entfalten kann. Er verknüpft das Scheitern großer europäischer Ideen geschickt mit der ganz privaten Tragödie eines Mannes, dem die Zeit davonläuft. Der Clou: Der Kampf gegen die eigene Biologie wird genauso präzise und ironisch seziert wie zuvor der Brüsseler Apparat. Das Buch ist intelligent, oft überraschend leichtfüßig und stellt die unbequeme Frage, wie viel Willenskraft wir eigentlich gegen das Schicksal aufbieten können. Wer Menasse für seine scharfe Beobachtungsgabe schätzt, bekommt hier die Essenz seines Könnens auf knappem Raum –melancholisch, schwarzhumorig und brillant verknappt.

Freitag 18:30 -19:30 Uhr, Alte Handelsbörse, Naschmarkt 1, 04109 Leipzig

Das DLL lädt ein

Buch "Die Lebensentscheidung" von Robert Menasse
© Manja Reinhardt

Freitag fällt die Entscheidung wirklich schwer, denn es findet auch der Institutsprosaabend des DLL statt. Neun ehemalige Studierende des Literaturinstituts kehren zurück in die Wächterstraße und lesen aus ihren aktuellen Romanen. Man kann sich auf Oliwia Hälterlein, Daniel Mellem, Domenico Müllensiefen, Yade Yasemin Önder, Lara Rüter, Ulrike Almut Sandig, Rina Schmeller, Magdalena Schrefel und Achim Stegmüllerfreuen. Linn Penelope Rieger moderiert.

Wer wissen möchte, was die aktuellen Studierenden schreiben ist zur Releaseparty der Jahresanthologie Tippgemeinschaft am Sonnabend ab 19:00 Uhr eingeladen. Es wird gefeiert und aus den neuen Texten gelesen.

Institutsprosaabend Freitag: 19:00 -22:00 Uhr, Tippgemeinschaft Sonnabend 19:00 –22:00 Uhr, Deutsches Literaturinstitut Leipzig, Wächterstr. 34,04107 Leipzig

Beste erste Bücher–neue Stimmen entdecken

Ein großer Abend der Stimmen von Morgen erwartet das Publikum am Sonnabend 19 Uhr im Ost-Passage Theater. Das Format „Beste erste Bücher“, das beim Literaturfestival Literarischer Herbst seit Jahren ein Erfolg ist, findet 2026 zu zweiten Malals Frühjahrsausgabe in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse statt. Im Ost-Passage Theater gibt es Kostproben aus gleich sechs besonders vielversprechenden ersten Werken zu genießen. Die Auswahl zeigt die umfangreiche Bandbreite der Debüt-Autoren, ihren Stil, ihre Themen und auch die vielfältigen Schauplätze, an denen ihre Geschichten spielen. Wer sich für die kommenden Bestseller interessiert, sollte sich diesen Termin vormerken.

Beste erste Bücher: Seit Jahren ein Publikumserfolg beim Literarischen Herbst und nun erneut im Frühjahr in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse –diesmal so umfangreich wie nie: Gleich neun besonders vielversprechende Romandebüts werden im Ost-Passage Theater vorgestellt. Diese Erweiterung trägt einem Frühjahr Rechnung, in dem auffallend viele starke Erstlinge erscheinen. Unsere Auswahl setzt auf größtmögliche Bandbreite –in Stimmen, Stilen, Themen und Schauplätzen.

  • Muri Darida aus „King Cobra“ (dtv)
  • Hayat Erdoğan aus „Hauptsache kein Zeitgeist“ (Claassen)
  • Oliwia Hälterlein aus „Wir Töchter“ (C.H. Beck)
  • Nefeli Kavouras aus „Gelb, auch ein schöner Gedanke“ (KiWi)
  • Clara Leinemann aus „Gelbe Monster“ (Suhrkamp nova)
  • Son Lewandowski aus „Die Routinen“ (Klett-Cotta)
  • Marie-Louise Monrad Møller aus „Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart“ (Kanon)
  • Rina Schmeller aus „Co“ (Penguin)
  • DavidVajda aus „Diamanten“ (Hanser Berlin)

Moderiert wird der Abend vom Podcast-Duo Josef Braun und Linn Penelope Rieger („Wasser und Buch“). 1

9:00 -22:00 Uhr, Ost-Passage Theater, Konradstraße 27, 04315 Leipzig, Kartenreservierung empfohlen unter Bitte aktivieren Sie JavaScript um diese E-Mail-Adresse anzuzeigen.

Wenn Comedy aus dem Ruder läuft

Man kennt Lutz van der Horst als den Typen, der in der heute-show Leute auflaufen lässt. In seinem Buch „Konfetti-Blueszeigt“ er jetzt, was passiert, wenn die Kamera aus ist und der Witz im Hals steckenbleibt. Sein Held Max ist ein Ende 20-jähriger Comedyautor, der privat aber so richtig gegen die Wand fährt. Das ist oft verdammt lustig, weil van der Horst eben weiß, wie Pointen funktionieren, aber es wird auch düster. Er seziert dieses krampfhafte „Gute-Laune-Ding“, das uns alle manchmal nervt, und lässt die Fassade von Maxzerbröseln. Kein flacher Comedian-Abklatsch, sondern eine ehrliche, bisweilen fiese Abrechnung mit dem Zwang zum Dauergrinsen. Wer schwarzen Humor mag und wissen will, wie viel Blues eigentlich in Konfetti steckt, sollte Sonntag zum Gespräch mit Lesung kommen.

Sonntag, 13:00 -13:20 Uhr, Messestand ARD, ZDF, 3sat / Literaturbühne (Glashalle, Ebene -1, Stand 01)

Lutz van der Horst, Konfetti-Blues, Droemer Knaur

Und noch ein Tipp zum Schluss: Täglich von 11:20-11:50 stellt Denis Scheck Messestand ARD, ZDF, 3sat / Literaturbühne unter dem Thema Druckfrisch im Schnelldurchlauf seine besten Bücher des Frühjahrs vor.

Täglich, 11:20 -11:50 Uhr, Messestand ARD, ZDF, 3sat / Literaturbühne (Glashalle, Ebene -1, Stand 01)

Das komplette Programm findet ihr unter: https://www.leipziger-buchmesse.de/de/veranstaltungsprogramm

Kommentiert gerne, welche Veranstaltung ihr auf jeden Fall besuchen möchtet!