Ist eine Pillenpause zeitgemäße Notwendigkeit?

Das am häufigsten verwendetet Verhütungsmittel in Berlin, ist die Antibabypille. Frauen schätzen bei der Einnahme nicht nur den verhütenden Effekt, sondern auch positive Nebenwirkungen wie beispielsweise weniger Unterleibsschmerzen, eine regelmäßige Blutung und eine Verbesserung des Hautbildes. Auch abgeschwächte Stimmungsschwankungen während oder vor der Menstruation gehören zu den angenehmen Nebeneffekten. Nach der vorgegebenen Einnahmezeit von 21 Tagen, wird eine Pillenpause eingelegt. Doch zunehmend fragt sich so manche Berliner Frau, ob diese Pause überhaupt notwendig ist? Kann die Pille möglicherweise durchgehend eingenommen werden? 

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Was ist überhaupt eine Pillenpause genau?

Die Stoffe in der Pille sind dem weiblichen Geschlechtshormon ähnlich und behindern, vielmehr blocken den Eisprung und den Abbau der Gebärmutterschleimhaut ab. Bei der siebentägigen Pillenpause fehlt plötzlich diese Hormonkonzentration und bewirkt sogenannte Hormonentzugsblutungen. Der Gebärmutterschleimhaut-Wiederaufbau wird ebenfalls von dem Wirkstoff in der Pille verursacht, aus diesem Grund haben Frauen meist leichte bis keine Blutungen während der Pause. Nach Bedarf kann die Pillenpause um ein oder zwei Tage verlängert oder verkürzt werden, wird aber im Normalfall nach 21 Tagen herbeigeführt. Hier findet ihr weitere Informationen zur Pillenpause.

Warum genau sieben Tage?

Zum einen wurde die Pillenpause auf sieben Tage festgelegt, um einen regelmäßigen Zyklus zu gewährleisten, denn dieser dauert immer genau 28 Tage. Um eine bessere Planung hinsichtlich Blutungen oder verschiedene Aktivitäten planen zu können, ist es für viele praktisch eine vorhersehbare Pause zu haben. Sieben Tage sind das Maximum, um noch eine empfängnisverhütende Wirkung zu haben.

Pillenpause weglassen – geht das?

Immer mehr Frauen der Hauptstadt würden gerne die monatliche Blutung einfach weglassen und die Pille durchgehend einnehmen. Um dies bewerkstelligen zu können, gibt es die Möglichkeit einer Einnahme der Pille im Langzeitzyklus. Die monatliche Blutung kann so um Wochen oder sogar Monate verschoben werden.  In den 1960er Jahren wurde die siebentägige Pause zusammen mit der Antibabypille eingeführt, um den Frauen ein Gefühl der Natürlichkeit bei der Verhütungsmethode zu geben. Allerdings wurde diese Form bisher nicht mit stichhaltigen Argumenten untermauert. Anfang 2019 hat der nationale Gesundheitsdienst in England (NHS) die medizinischen Leitlinien für Kombinationspillen aktualisiert und gibt an, eine Pillenpause sei von keiner Notwendigkeit und aus gesundheitlichen Gründen nicht zwingend. Eine durchgehende Einnahme habe sogar viele Vorteile.

Wie funktioniert das mit dem Langzeitzyklus?

Es gibt speziell entwickelte Pillen, die im Langzeitzyklus eingenommen werden können. So können Dreimonatspillen oder Langzeitpillen durchgehend genommen werden. Mikropillen jedoch sind nicht speziell für den Langzeitzyklus entwickelt, können aber durchgehend genommen werden bei Rücksprache mit dem Arzt. Gynäkologen empfehlen eine durchgängige Einnahme von drei Blistern gefolgt von einer siebentägigen Pause, doch letztendlich kann dies variieren und sollte mit dem zuständigen Arzt vorher besprochen werden.

Die Vorteile einer durchgehenden Einnahme lassen sich sehen

Menstruationsbeschwerden wie Unterleibsschmerzen, Blähungen, Brustspannung oder Migräne verringern sich ungemein. Außerdem besteht eine höhere Verhütungssicherheit aufgrund des unterdrückten Eisprungs. Gynäkologische Erkrankungen wie beispielsweise Endometriose oder Uterusmyomen, PCO-Syndrom, Eisenmangelanämie, wiederkehrende Eierstockzysten, therapieresistente Akne, oder andere blutungsbedingte Beschwerden wie Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen können positiv beeinflusst werden. Darüber hinaus werden Blutungsstörungen verringert und Kosten für Hygieneartikel wie Tampons und Binden bleiben einem erspart.

Gibt es Nachteile?

Eine Fruchtbarkeit wird durch den Langzeitzyklus nicht beeinträchtigt, es kann allerdings eine Zeit dauern bis sich der Hormonhaushalt des Körpers eingependelt hat nach dem Absetzen der Pille. In manchen Fällen kann es aber zu Schmierblutungen kommen oder zu Unterleibsschmerzen. Diese sind jedoch sehr selten.

Dieses Risiko besteht im Zusammenhang mit einer Pillenpause

Abgesehen von Minipillen setzen sich Pillenpräparate aus zwei Hormonen – dem Östrogen und dem Gestagen – zusammen. Diese können auf den weiblichen Körper nachteiligen Einfluss in Form von Nebenwirkungen nehmen. Hierbei rückt vor allem das Östrogen in den Fokus der Betrachtungen. Denn Östrogen kann im schlimmsten Fall eine Thrombose und damit ein gefährliches Blutgerinnsel begünstigen. Dabei ist es unerheblich, ob die Pille von jüngeren oder reiferen Frauen eingenommen wird. Vor allem in den ersten sechs Monaten nach Einnahme der Pille besteht ein erhöhtes Risiko.

Folgende Gründe können Frau dazu veranlassen, über eine Pillenpause nachzudenken:

– Wunsch, darauf zu verzichten, dem Körper Hormone bewusst zuzuführen
– keine Verhütung notwendig (z. B. nach einer Trennung)
– Pille wird nicht vertragen und es bestehen Überlegungen, zu einem anderen Präparat zu wechseln
– einschlägige Empfehlungen aus traditioneller Praxis heraus

Auf Basis dieser Gedanken kann grundsätzlich eine Pause bei der Einnahme der Antibabypille eingelegt werden, jedoch ist es wichtig, um den Umstand der erhöhten Thrombosegefahr zu wissen.

Verzicht auf Pillenpause

Aus medizinischer Sicht muss die Pillenpause nicht zwangsläufig eingelegt werden. Ein Überspringen der Pause sollte jedoch stets in Abstimmung mit dem Gynäkologen stattfinden. Gibt dieser grünes Licht, wird es in einem Großteil der Fälle so gehandhabt, dass die Pille drei Monate (entspricht drei Blister-Streifen) durchgängig genommen wird, bevor eine siebentägige Pillenpause zum Tragen kommt. Auf diese Weise wird die Schleimhaut der Gebärmutter geschützt. Der Fokus sollte bei all diesen Überlegungen aber auch den regelmäßigen Zyklus einbeziehen.

Fakt: Laut Umfrage benötigen 3 von 10 Frauen 45 Minuten oder länger bis zur Praxis ihres Frauenarztes; bei knapp 1 von 10 Frauen sind es sogar 60 Minuten und länger. Die Beratung über solche Pillenpausen und/oder andere Fragen mit Ihrem Frauenarzt kann daher schnell viel Zeit in Anspruch nehmen. Eine neue Entwicklung findet daher in der Online-Telemedizin statt. In dieser Studie erfahren Sie mehr über die Möglichkeiten, Fakten und Entwicklungen in der Pillen-Telemedizin.