Lichtkunstfestival von artspring im Pavillon am Milchhof (bis Februar 2022)

Lichtkunst benötigt die Dunkelheit als Umgebung für Environments und Arbeiten, die Licht als ästhetischen Werkstoff befragen und einsetzen. Während der dunkelsten Zeit des Jahres präsentiert das artspring Lichtkunstfestival daher Langzeitbelichtungen, Lichtinstallationen, Lichtskulpturen, Projektionen, Videoarbeiten und Performances. Ort ist der Pavillon am Milchhof. Er bietet eine offene Architektur mit teils gläsernen Wänden, in dem die Ausstellungen rund um die Uhr einsehbar sind.

Licht ist ein 4-dimensionales Medium: Es nutzt die Fläche, den Raum und die Zeit, dazu ein Spektrum aus Farben und Kontrasten – und es kann die Welt in ihrer Transparenz regelrecht durchleuchten. Mit der Inszenierung von drei aufeinanderfolgenden Ausstellungen zieht das artspring-Lichtkunstfestival eine möglichst helle Spur durch den Winter. Licht kann weit strahlen, aber auch einen intimen Raum erzeugen, es trägt Symbolcharakter und ist als Informationsmedium aus dem technischen Zeitalter nicht wegzudenken. Die künstlerischen Positionen im Lichtkunstfestival tragen den vielen verschiedenen Aspekten Rechnung. Neben den im Folgenden Beschriebenen sind weitere Arbeiten noch im Entstehen.

Erste Ausstellung: LUMEN (bis 2. Januar 2022) – Eröffnung 9. Dezember, 19 Uhr

Wenn wir das Licht nicht sehen, ist es dann vorhanden?

mit: Tra Bouscaren, Carlo Crovato, Monika Goetz, Jan Gottschalk, Thomas Möller, Oliver Orthuber, Thomas Wienands

Monika Goetz befragt das Paradoxon mittels zweier Glühbirnen. Und Thomas Wienands lässt es aktiv in den Raum eingreifen: eine Lichtraumerschaffungsmaschine erzeugt einen raumgreifenden Tornado aus Licht mittels Akkuschrauber. Carlo Crovato hingegen hat eine sehr kleine Lichtskulptur entworfen, die die Bewegung des Wassers in einer Glasflasche und dessen Widerschein als meditativen, privaten Moment anbietet. Thomas Möller erkennt in der Welt der Logos und Zeichen den komischen Moment und hat eine verrutschte beleuchtete Hausnummer gefunden. Oliver Orthuber wird zur Vernissage eine Performance mit Overhead-Projektoren zeigen.

Zweite Ausstellung: LUX (6. bis 23. Januar 2022)

Licht und Raum

mit: Sandra E. Blatterer, Janne Höltermann, Yuyu Hollmann, Itzik Illuz, Judith Kuhlmann, Katrin Reutter, Josina von der Linden

Katrin Reutter streut per LED Licht in geometrische Körper ein und lässt es von transparentem Material einfangen – es entstehen Räume, die sich wandeln und farbige Rhythmen. Janne Höltermann erinnert daran, dass Licht auch als Steuerungswerkzeug für computergesteuerte Maschinen verwendet wird, die menschliche Arbeit ersetzen und thematisiert Amazon-Packroboter in ihrer Arbeit. Auch Yuyu Hollmann stellt die Frage nach der Technik und dem Unsichtbaren: sind doch die leuchtenden Displays medizinischer Geräte ein Widerschein des im Inneren Verborgenen, sich ändernd, wenn wir uns verändern, übersetzt in Skulptur. Sandra E. Blatterers Arbeit oszilliert zwischen Display und Landschaft – welches von beiden Gegenstand der Projektion ist, bleibt im übertragenen Sinne offen. Josina von der Linden hat sich für ihre Beobachtung auf Fotopapier in den Innenraum zurückgezogen und fängt das wandernde Licht auf einer Gardine ein.

Dritte Ausstellung: CANDELA (27. Januar bis 13. Februar 2022)

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

mit: Frauke Bergmann, Marta Djourina, Wolfgang Gross, Claire Laude, Boohri Park, Maxi Pfeil, Andrea van Reimersdahl

Andrea van Reimersdahl zeigt ihre Arbeit „Shadow-Painting“, in der qua Beleuchtung aus überlagerten Schatten malerische Effekte entstehen. Marta Djourina untersucht fotografisch Lichteffekte im Wasser. Dem literarischen Licht im Türspalt ist Boohri Park mit der Kamera auf der Spur und fängt den minimalistischen Dialog zweier Zimmertüren ein. Maxi Pfeil hält in Cyanotype-Fotogrammen zwischenmenschliche Begegnungen fest. Frauke Bergemann arbeitet auf erzählerische Weise mit Transparenzen. Ihr fotografischer Blick fällt durch eine Baufolie auf die das Haus verändernden Bauarbeiter. Natürlich ist die Fotografie selbst das Medium, dass aus Licht besteht – Claire Laude fotografiert deshalb Bäume nicht selbst, sondern bildet in einer Langzeitbelichtung ihre Bewegung und Reaktion auf Wind und Wetter ab und Wolfgang Gross lässt den Mond erschütternd schnurgerade durchs Bild ziehen.