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3 x neue Musik aus Berlin: We Are Must, Anja Schneider und Bonnie Li

Rauschreduktion | Quantensprung | Kühle Blasen

28.11.2017

Was bringt Berlin musikalisch Neues im November? Friedrich Reip hat sich durch die Release-Listen und Blogs gelauscht.

We Are Aust mit gleichnamigem Album 

We Are Aust
We Are Aust
Fast ebenso sehr wie um Musik solle es bei We Are Aust (Facebook) um Mystik und Mysterium gehen. Auch wenn die Band im Namen vordergründig mit der eigenen Identität zu hausieren gehen scheint, bleiben die Newcomer doch geheimnisvoll. Immerhin, die Sängerin heißt Olivia und kommt wie ihre hinter unheimlichen Masken (man denkt unmittelbar an Prepared-Pianist Lambert) versteckten Jungs aus Berlin, so viel wird verraten.


Dafür bietet die Musik des Quartetts umso mehr Anknüpfungspunkte: Indie-Singer-Songwritertum vermengt sich hier mit kleinteiliger Elektronik, TripHop und auch einem guten Schuss Funk zu, genau: Popmusik, mit der unterm Strich viele Menschen etwas anfangen können dürften. Highlights des selbstbetitelten Albums sind das über einer blubbernden, immer wieder an einer knarzigen Bassline enlangschrammenden Keyboard-Figur groovende Titelstück und das wunderbare „Runner“, das ist seiner Rauschreduktion kurz an London Grammar erinnert, ehe man allmählich entdeckt (und im Finale des Songs kurz aber deutlich darauf gestoßen wird), was für ein wunderbarer Minimal-Track hier angelegt ist. Remixer gesucht!


Anja Schneider mit neuem Album SoMe

Anja Schneider
Anja Schneider: SoMe
Man könnte meinen, neun Jahre seien eine lange Zeit, doch hat sich der Minimal-Tech-Sound der Hauptstadt in den letzten Jahren bekanntermaßen nicht gerade durch einen Hang zum Quantensprung ausgezeichnet. Szenestar Anja Schneider (Soundcloud) aber bastelt mit dem Sound ihres neues Albums „SoMe“ nicht einfach da weiter, wo sie beim Debüt vor knapp einem Jahrzehnt aufgehört hat, sondern findet in den neun neuen Tracks eine Vielzahl von Stimmungsfarben.


Eben noch geradezu leindwandepisch atmosphärisch angelegt im Opener „The Sun“, puckern die Beats plötzlich nervös durch das direkt anschließende „Secret Escapes“, nur um sich einen Skip später ins angeraggata „All I See“ zu verschieben und einer warmen Vocal-Linie den Teppich auszurollen, die wiederum von einer housigen Verzierung schaumgekrönt wird. Schon geil, und so geht’s auch weiter: „WMF“ rast durch vertrackte Breakbeats, in deren Labyrinth eine verlorene Jazz-Trompete klagt, „Sanctuary“ begrüßt Stereo MC-Stimme Rob Birch, der nach unterkühltem Start mit fortlaufender Zeit mehr und mehr Groove findet, und mit dem ohrenbetäubend klangverdichteten „Night Out“ führt die Platte schließlich auch in den Club.


Der fulminante Tusch kommt mit dem finalen „Shadows“, einer komplex arrangierten Produktion, die in ihrer Rave-Sensibilität an die großen Momente von UNKLE erinnert. Fantastisch geradezu, wenn das wirklich ein Ausblick auf Schneiders nächste Arbeiten sein sollte!

 

Bonnie Li mit EP Plane Crash

Bonnie Li
Das Duo Bonnie Li
Ein kleines Geheimnis ist das Berliner Duo Bonnie Li (Soundcloud), zu dem neben Bonnie Live-Partner Elia M gehört. Ihre EP „Plane Crash“ ist der jüngste Vorbote des für 2018 lose angekündigten Debütalbums. Die sechs Songs schimmern im Spannungsfeld von kühle Blasen schlagenden Electronica und mal warmen, mal aufgekratzten Soul-Vocals, und Tracks wie „Escape“ (zusätzlich in einem Remix enthalten) und „I Want To Run With The Wolves“ sind echte Hits. Wow!

 



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