Perel

4 x neue Musik aus Berlin: Perel, AUF, Paul Kalkbrenner, Maximilian Hecker

Verschobene Beats | Puristische Poetik | Intimer Bum-Bum-Techno | Erbärmliche Love-Songs

04.05.2018

Wie jeden Monat haben wir auch diesmal wieder Label-Listen und Blogs durchforstet, um die spannendsten neuen Releases aus und zu Berlin zuammenzustellen. Dies sind unsere Highlights im Mai...

 

Perel
Annegret „Perel“ Fiedler
DFA ist Fan, Dixon auch und wir erst recht. Grund genug, das Ende April erschienene Debüt der Berlinerin Annegret „Perel“ Fiedler noch im Mai vorzustellen. Mit „Hermetica“ etabliert sich die Produzentin und DJ als erstes deutsches Signing auf dem legendären New Yorker DFA–Label, das Acts wie LCD Soundsystem beheimatet. Geschickt verwischt sie die Übergänge zwischen Experimentellem und Hook-lastigkeit, kreuzt Industrial, Wave und Synthie und bastelt daraus verschobene Beats aus dem Hier und Jetzt. Zu entdecken gibt’s am Ende kuriosen House im Pop-Gewand. Von den herumschwirrenden Synthie-Spielereien von „Pastarell Al Limoncello“ bis zum entrückten The-Cure-Gedächtnisbasslauf auf „Alles“: ein Glanzstück zeitgenössischer elektronischer Musik.

 

AUF | Klangbad
AUF | Klangbad

Wer im Chaos der digitalisierten Welt nach jemandem sucht, der nach der Liebe, Zeit und dem Sinn des Lebens fragt,sollte sich in den Erzählsträngen des Berliner Gitarrenrock-Duos AUF verlieren. „Und alles, alles ist getimed / Alles, alles will gerade mit uns sein / Und ich weiß auch nicht wieso / Doch alles, alles ist für uns allein“, singt Texterin, Gitarristin und Sängerin Anne Rolfs. Einige wenige lyrische Worte reichen ihr, um die Beziehung zwischen dem Ich und der Umwelt auszuleuchten, während sie von zarten Klangarchitekturen oder wuchtigem Krach begleitet wird. Aufgenommen wurde das alles übrigens in einem Take – also ohne Overdubs und Korrekturen. Puristische Musik für vereinsamte Großstadtherzen, die sich nicht weniger vornimmt, als den deutschsprachigen Rock zu retten.

 

Paul Kalkbrenner
Paul Kalkbrenner

 

Nach der Mixtape-Serie „Back To The Future“ des Bum-Bum-Techno-Paten, die seine Favoriten aus den späten 80er-Jahren versammelt hat, geht es auf dem achten Album noch tiefer in die Erinnerungsblase. „Parts Of Life“ ist ein Blick auf den Teenie-Paul und die Anfänge des Techno, auch wenn die zusammengewürfelte Tracklist aus Arbeitstiteln zunächst nicht viel Enthüllendes verspricht. Doch weit gefehlt: Bereits das Cover ist ein Gemälde seines Onkels Paul Eisel und zeigt persönliche Gegenstände. Dahinter verbergen sich 15 Tracks, die entlang Kalkbrenners Biografie raue Töne mit ausufernden Momenten verquicken. Klingt zunächst emotional, ist in Wirklichkeit aber party hard. 

 

Maximilian Hecker
Maximilian Hecker

 

Bindungstraumata – fast jeder in Berlin kennt sie, Maximilian Hecker singt über sie. Über seine Schwierigkeiten, überhaupt lieben zu können, seinen Mangel an Vertrauen, die erbärmlichen Versuche, eine Beziehung zu führen, und natürlich über die wichtigste Frage überhaupt und sowieso: Warum? Ganz schön tragisch alles. Noch tragischer sind in diesem Sinne die Songs des neunten Studioalbums. „Wretched Love Songs“ ist ein düsteres Piano-Pop-Album, mit ganz viel Echo über der Stimme, aber ganz viel Leere in der Seele – ein bisschen verwunschen, ziemlich egozentrisch, aber vor allem viel romantischer, als er vielleicht denkt. 

 



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