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Berlin Adler gegen Berlin Rebels

Interview mit Spielern der Berliner Bundesliga-Footballvereine

16.05.2016

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Mitte: Paul Zimmermann von Berlin Adler
Am 22.5. treten die beiden Berliner Bundesliga-Footballvereine Rebels und Adler im Poststadion gegeneinander an. Wir haben die Quarterbacks Darius Outlaw (34, Rebels) und Paul Zimmermann (19, Adler) zum Interview getroffen.

Ihr seid beide Quarterbacks, kann einer von euch kurz erklären, was der Job des Quarterbacks auf dem Spielfeld ist? 

 

Paul: Der Quarterback ist der Spielführer, wie beim Fußball der Kapitän. Seine Aufgabe ist es, die Spielzüge des Teams in der Offence zu leiten und die Bälle zu verteilen. 

Paul du bist der jüngste Quarterback der Liga, und Darius du bist … 

 

Darius: (unterbricht und lacht) … der Dinosaurier! 

Ist Football in Deutschland eigentlich schon so groß, dass man davon als Profi leben kann? 

 

Paul: Es gibt einige, die es können, aber die meisten haben noch andere Jobs. 

 

Darius: Die GFL (German Football League) holt uns als Profis nach Europa, und wir spielen hier als Profis, aber ich zum Beispiel habe auch noch einen anderen Job. Trotzdem ist die GFL die beste Liga Europas, und von den Spielern hier könnten sicher auch einige Karriere in den USA machen. 

 

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Wie unterscheidet sich bei einem Footballspiel die Atmosphäre im Stadion zu der beim Fußball? 

 

Paul: Beim Fußball wird ja zweimal 45 Minuten durchgespielt, beim Football wechseln sich 5 Sekunden Spielzug und circa 25 Sekunden Pause ab, in denen wir uns zur Strategiebesprechung im Huddle (Formation, bei der die Spieler eng im Kreis stehen, Anm.d.R.) treffen. Es wird also kurz richtig hart gespielt und gerannt, dann der nächste Spielzug geplant, dann wieder gespielt, und so weiter. 



Müsst ihr als Quarterbacks in den direkten Fight? Ihr habt ja die gleiche Schutzkleidung wie die anderen Spieler. 

 

Paul: Wir sollen es eigentlich vermeiden, weil wir nunmal die  Spielführer sind, aber manchmal lässt es sich nicht verhindern. 

 

Wie häufig fallt ihr wegen Verletzungen aus? 

 

Darius: Es ist eben Football. Als Quarterbacks haben wir weniger Verletzungen als andere Positionen, aber manchmal erwischt es einen. Etwa wenn man einen Blindspot (Toter Winkel, Anm.d.R.) hat. Du sieht ihn gar nicht kommen, und dann rennt  er dich um.

 

Paul: Die Gegner wollen dich als Quarterback halt immer erwischen, die wollen dich ausschalten.

 

Darius: Und solange der Quarterback den Ball hat, darf die Defense ihn angreifen.

 

Paul: Und die größten Assis hauen ihn auch dann um, wenn er nicht den Ball hat. Er ist eben der wichtigste Spieler. 

Welche Eigenschaften muss ein Quarterback haben? 

 

Paul: Er muss relaxt sein und mit dem Druck umgehen können. Das ist schon nicht ganz ohne, wenn die Defense wie eine Wand auf dich zugerollt kommt. Man muss gut werfen können. 

 

Darius: Du musst immer den Überblick haben, musst alles wissen, was dein Team gerade macht. Du lenkst die Spielzüge. 

 

Paul: Fußball ist ja zum Beispiel aus unserer Sicht eher Freestyle. Beim Football gibt es viel definiertere Spielzüge und jeder weiß viel genauer, was er zu tun hat. Der Coach gibt uns während des Huddles den nächsten Spielzug, den wir umsetzen. Wenn aber abzusehen ist, dass ein Play nicht aufgeht, dann können wir auch spontan etwas anderes versuchen. 

 

Habt ihr schon einmal gegeneinander gespielt? 

 

Darius: Nein, es ist unser erstes Spiel gegeneinander, aber da wir ja beide in der Offense spielen, werden wir nie direkt gegeneinander auf Platz stehen. 

 

Als Quarterbacks habt ihr eine herausragende Rolle, welche Rolle spielt das mentale dabei? 

 

Darius: Nun, wenn wir verlieren, kriegen wir all den Ärger, wenn wir gewinnen, kriegen wir all den Spaß. Aber es ist ein Teamsport, wie vielleicht kein anderer. Nur wenn alle ihren Job machen, funktioniert es, wie bei Zahnrädern, die ineinandergreifen. Wenn zum Beispiel die dicken Jungs ihren Job nicht erfüllen, kann ich auch meinen Job nicht machen. 

Die dicken Jungs? 

 

Paul: Die, die vorne in der ersten Reihe stehen und als erstes aufeinander treffen. Das sind auch die, die die Quarterbacks beschützen. 

 

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Darius Outlaw von den Berlin Rebels
Wie oft trainiert ihr die Woche? 

 

Paul: Zweimal die Woche mit dem Team, dazu kommt noch Krafttraining. 

 

Darius: Ich trainiere viermal die Woche. Mein Tag sieht normalerweise so aus: Aufwachen, ins Gym gehen, arbeiten gehen, zum Training gehen. 

 

Paul, willst du eine professionelle Karriere machen? 

 

Paul: Das wäre auf jeden Fall mein Traum, in die USA zu gehen, um dort übers College in den Profisport zu gehen. 

 

Darius: Paul sollte das unbedingt machen.

Dafür, dass ihr aus gegnerischen Mannschaften seid, seid ihr ja erstaunlich freundlich zueinander. Ich hatte ja gehofft, hier würden ein paar Spannungen heute zu sehen sein … 

 

Darius: Als Quarterback musst du auch aggressiv sein, aber das wirst du heute nicht erleben. Dafür musst du zum Spiel kommen. Jetzt ist alles gut, kein Druck, aber auf dem Spielfeld bin ich von meiner Mentalität her eher aggressiv. 

 

Paul: Man muss halt auch ein bisschen die Lockerheit nach außen tragen, auch auf dem Platz. Man sagt, der Quarterback ist derjenige, an dem sich das Team orientiert, der die Energie ausstrahlt, an dem zu sehen ist, wie es gerade läuft. 

 

Muss man eine bestimmt Statur haben, um Football spielen zu können? 

 

Darius: Nein, es gibt für jeden Typen, egal ob groß oder klein, leicht oder schwer, die passende Positionen, sei es als Läufer, Werfer, oder eben bei den dicken Jungs. 

 

 

Kleiner Football-Guide: Im Gegensatz zum Fußball besteht beim Football ein Team eigentlich aus zwei Teams ( aber auch 11 Spielern), der Defense und der Offense, die immer abwechselnd, nie zusammen auf dem Platz stehen. Wenn von Team A die Defense auf dem Platz steht, steht von  Team B die Offense auf dem Platz und anders herum. Das Ziel ist es, den Ball in die Endzone des Gegner zu tragen oder zu kicken. Wenn es der einen Offense in 4 Spielzügen nicht gelingt, 10 Yards Raum zu gewinnen, kommt die gegnerische Mannnschaft in Ballbesitz und schickt ihre Offense auf‘s Feld.  In Deutschland beträgt die Spielzeit 4 mal 12 Minuten (Quarter). Die tatsächliche Dauer eine Spieles liegt jedoch höher, da die Uhr nur läuft, wenn tatsächlich gespielt wird, Offence-Defence-Wechsel etc werden nicht als Spielzeit gerechnet. Da das Spiel sehr taktisch von der Seitenlinie aus geprägt ist, wird Football auch als Rasen-Schach bezeichnet. 

Webseite der Adler: www.berlinadler.de


Webseite der Rebels: www.berlin-rebels.de

 



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