Chad Valley: Ohne Privatleben den Hype genießen, der traurig macht

Chad Valley: Ohne Privatleben den Hype genießen, der traurig macht

"Ich finde es sogar schwierig, dasselbe zweimal zu machen. Ich könnte das nicht mal, wenn ich es versuchte!"

03.12.2015

Chad Valley: Ohne Privatleben den Hype genießen, der traurig macht
"Ich genieße den Hype, aber ich mag nicht, wie so ein Hype funktioniert. Jeder liebt etwas Neues und Frisches und für viele Leute zählt leider auch nur das."
Hugo Manuel – besser bekannt als Chad Valley – ist zurück. Der aus Oxford stammende Chillwave-Musiker hat nun endlich sein zweites Album „Entirely New Blue“ veröffentlicht. Dabei kommt die Platte wesentlich melancholischer daher als sein Debüt, bei dem er seine mehr als offensichtliche Affektion zu den 80ern zelebrierte. Am 8. Dezember 2015 kommt er in Musik & Frieden nach Berlin. Wir sprachen vorab mit ihm, was ihn an der Disko-Dekade fasziniert, über Privatsphäre und Hype.

Was ist der Unterschied zwischen deinem Debütalbum „Young Hunger” und deinem Neuling „Entirely New Blue“?
Ich wollte es weniger grell bei diesem Album. Ein Song wie „My Girl“ von „Young Hunger“ könnte auf diesem Album niemals leben. Ich hasse es, Dinge zweimal zu tun. Also war es für mich nur natürlich, das genaue Gegenteil von dem zu machen, was ich das letzte Mal tat.

Warum gibt es das neue Album eigentlich nur auf Vinyl und als Download, aber nicht als CD?
Das ist die Entscheidung meines Record Labels Cascine, was noch nie CDs released hat. Für mich ist das auch überhaupt nicht komisch, weil ich seit acht Jahren keine CDs mehr kaufe. Aber ich kann verstehen, dass es immer noch Menschen gibt, die CDs kaufen und bei denen entschuldige ich mich! Trotzdem denke ich, dass CDs ohne jeden Zweifel ziemlich bald ein Relikt vergangener Tage sein werden – also ist es besser, dem vorauszugehen als hinterherzulaufen.

Eigentlich sollte das Album bereits 2013 kommen. Was hat so lange gedauert?
Touren – und das Leben im Allgemeinen hat sich seinen Weg gesucht! Ich habe einige große Tourneen 2013 und 2014 gespielt und hatte Dinge in der Warteschleife gehalten. Ich denke immer, dass ich fähig bin, unterwegs zu arbeiten, aber es passiert nie, und dann brauche ich immer einige Zeit, um mich nach einer Tour neu zu ordnen. Ich kann nicht einfach nach Hause kommen und ein Album schreiben.

Die Platte ist auch von der für dich schmerzhaften Trennung deiner Freundin beeinflusst. Wie gehst du in deiner Musik damit um? 
Ich habe bei dem Album das Gefühl gehabt, dass ich meine Seele entblößen muss, um sicherzugehen, dass ich mich tatsächlich von den typischen „chillwave bros“ distanziere, die oft emotionslos wirken. Ich liebe Songs, die tief und persönlich sind und bei denen du den Schmerz des Künstlers fühlen kannst. 

Ist es nicht ein sehr schmaler Grat zwischen dir als Privatperson und dir als Künstler, der persönliche Momente als kreativen Motor nutzt?
Heute ist jedermanns Privatleben weltweit einsehbar. Die Menschen haben nicht mehr denselben Grad an Privatsphäre, den sie mal hatten, also scheint es passend, dass ein Künstler wie ich so transparent ist.

Auf deinem Debütalbum hattest du jede Menge Kollaborationen mit anderen Musikern. Auf der neuen Platte verzichtest du komplett darauf. Warum?
Ich sah „Young Hunger“ als einen Versuch, etwas in die Welt herauszutragen und eine Atmosphäre von Zusammenarbeit zu schaffen. Es ging alles um große Standpunkte und um Emotionen, denen sich jeder verbunden fühlt. Ich wollte, dass es wie eine Party klingt, also hat es absolut Sinn ergeben, so viele Freunde auf der Platte singen zu lassen. Anfangs wollte ich das Album auch „Buddy“ nennen.
Und wie gesagt, bei dem neuen Album ging es um Selbstbeobachtung und es hätte einfach nicht gepasst, dasselbe ein zweites Mal zu machen. 

Aber wie kannst du das verhindern, insbesondere wenn du irgendwann 20, 30 Jahre Musik machst? 
Ich finde es eigentlich sogar schwierig, dasselbe zweimal zu machen. Ich kann einfach nicht verstehen, wie diese Bands 12 Mal denselben Song schreiben können. Ich könnte das nicht mal, wenn ich es versuchte!

Du bist ein riesen Fan der 80er. Was magst du an dieser Dekade am liebsten? Was magst du für Musik im Jahr 2015?
Ich habe nie viel neue Musik gehört. Ich liebe wirklich die Musik aus den 80ern, das stimmt. Und ich denke, einer der Gründe, warum ich sie liebe ist, dass die Musiktechnologie einen sehr interessanten Platz an einem Punkt erreichte, wo plötzlich wortwörtlich alles möglich war. Synthesizers erlauben so viel mehr, als es irgendein Instrument zuvor konnte. 

Irgendeine Idee, woher de Liebe für die 80er und die Musik dieses Jahrzehnts kommt?
Ich habe die Musik aus den 80ern erst ziemlich spät in meinem Leben entdeckt. Als ich ein Teenager war, fand ich alles, was mit Synths zu tun hatte, furchtbar. Erst in meinen Mittzwanzigern begann ich, die Synth-Souns zu lieben. 

Dein Song „Shell Suite" war auf dem Soundtrack „Warm Bodies“. Was denkst du über Zombies?
Ich liebe es, dass mein Song in dem Film vertreten war. Es war ein richtiger Trip seit das passiert ist. Ich kann nicht unbedingt sagen, dass ich mich für Zombies interessiere. Ich bin Realist, ich weiß mit Sicherheit, dass Zombies nicht existieren. Oder vielleicht doch??? (lacht) 

 


Wenn du es dir aussuchen könntest, auf welchem Soundtrack, für welchem Film wärst du gerne gefragt worden?
Ich liebe Wes Andersons Filme. Die haben mich zu einer Menge Musik gebracht, die ich mag, also ich würde liebend gerne für ihn und seine Filme schreiben. 

Ich habe gelesen, obwohl du dieses ganze Potenzial hast, dass du immer noch als Insider-Tipp giltst für all diejenigen, die Smooth- und Dreamy-Synthypop mögen. Würdest du dem zustimmen?
Klar. Das klingt für mich nach einem guten Label. Ich liebe es, ein Insider-Tipp zu sein.

Bevor du solo Musik gemacht hast, warst du in der Band Jonquil. Arbeitest du lieber alleine?
Ich begann solo, weil ich freie Zeit und einen Computer hatte und ich Musikmachen erst als Hobby gesehen habe. Es war erst einmal nur eine Art Zeitvertreib – mehr Musik geschrieben habe ich erst, nachdem Jonquils Bandproben geendet hatten. Heute bevorzuge ich das Arbeiten alleine – ich kann einfach tun, was ich will und muss niemanden erklären, warum ich finde, dass diese Note so und so gespielt werden sollte und nicht anders. Ich liebe diese Freiheit. Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas als Solomusiker vermisse, was ich hatte, als ich noch mit Bandmitgliedern unterwegs auf Tour war. Außerdem habe ich immer noch viel Spaß und Gesellschaft, aber ich bin immer noch fähig, exakt die Musik zu schreiben, die ich schreiben will.

Aber gibt’s da nicht ein Risiko, dass man einen limitierten Blick auf seine Musik bekommt? 
Ich vertraue meinem Musikgeschmack. Aber ja, die Gefahr, sich in seiner eigenen Musik zu verlieren, ist da. Und manchmal brauchst du wirklich eine zweite Meinung. Ich habe Menschen, die mir Ratschläge geben – Menschen, denen ich wirklich vertraue.

Nach zwei EPs und deinem Debütalbum gab es einen regelrechten Hype um dich. Was hältst du davon? 
Ich genieße auf jeden Fall den Hype, aber ich mag nicht, wie so ein Hype funktioniert. Ich hatte nicht realisiert, wie glücklich ich mich schätzen konnte, in dieser Position zu sein, als jedes Blog während meiner Unterbrechung über mich schrieb. Jetzt ist es schwieriger, Anerkennung zu bekommen und das macht mich schon traurig für die Musikindustrie. Jeder liebt etwas Neues und Frisches und für viele Leute zählt leider auch nur das. 

 

 



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