Giant Rooks im Interview über Inspiration, Zukunft und Musikbusiness

Giant Rooks im Interview über Inspiration, Zukunft und Musikbusiness

Krumme Gurken im Schlaraffenland

03.02.2018
Autor: Max Hunger

Giant Rooks klingen so gut, sie müssten eigentlich aus England kommen – klischeehaftes Denken, mit dem die Jungs aus dem beschaulichen Hamm aufzuräumen wissen. Mit ihrem melancholischen, aber immer tanzbaren Indie-Pop katapultierte sich das Quintett in kürzester Zeit auf die großen Bühnen – und das bei einem Durchschnittsalter, das die 20 kaum übersteigt. Nach über 100 Konzerten allein im letzten Jahr startet Anfang 2018 ihre zweite Headliner-Tour. Wir erwischen Sänger Frederik auf ein Pläusch’chen bei den Tourvorbereitungen im Proberaum.    

 

Giant Rooks im Interview über Inspiration, Zukunft und Musikbusiness
"In England und Amerika wird ein Songwriter ganz anders wertgeschätzt”
Informiert man sich über Giant Rooks, fällt sofort eure extrem steile Karriere auf – quasi von der Schulbank auf die Festivalstage. Wie fühlt es sich an, nach so kurzer Zeit eine internationale Headliner-Tour zu spielen?

Super natürlich! Für uns fühlt sich die Zeit, in der wir gerade Abi gemacht haben, aber an, als wäre sie lange her. Die Schritte auf der „Karriereleiter“ kamen zwar immer schnell hintereinander; das nehmen wir aber gar nicht so wahr. Wir haben ja die ganze Zeit über nichts anderes außer Musik gemacht. Trotzdem hätten wir nicht gedacht, dass wir jetzt schon zum zweiten Mal eine so große eigene Tour spielen!

 

Was war euer Sprungbrett in das große Musikbusiness?

Da gab es einige. Vor allem einige Zufälle – es hat viel mit Glück zu tun, glaube ich. Bei unserem ersten Gig in Münster ist damals jemand auf uns aufmerksam geworden, der dann später für uns neue Gigs an Land gezogen hat. Dann haben Kraftklub uns in ihrer Heimatstadt Chemnitz live gesehen. Anschließend haben sie uns gefragt, ob wir sie auf ihrer Tour begleiten möchten. Das war zum Beispiel ein ungewöhnlich großer Schritt. 

 

Wie habt ihr euch als Band gefunden? Waren die Ambitionen von Beginn an hoch?

Unser Gitarrist Finn und ich sind Cousins. Wir haben mit acht Jahren unsere erste Band gegründet. Das klang nach Punkrock mit deutschen Texten. Irgendwann war dann mal gut. Also musste das Ganze neu gestartet werden. Diesmal mit einer anderen Besetzung und einem neuen Sound. Wir kommen aus Hamm – eine relativ kleine Stadt. Da war es schwierig, nochmal ähnlich motivierte Leute zu finden. Nach fast anderthalb Jahren Suche sind wir auf unseren Keyboarder und Synthesizer-Spieler Jonathan aufmerksam geworden. Irgendwann später kamen dann noch Luc und Finn an Bass und Schlagzeug dazu. Es war von Anfang an eigentlich klar: entweder ganz oder gar nicht. 

 

Ältere Interviews stellen häufig die Frage nach Studium und Zukunft. Das scheint ja nun geklärt zu sein, oder?

Ich hoffe, dass du das so siehst! Aber wir werden das immer noch häufig gefragt. Musiker sein scheint nicht so richtig als Beruf angesehen zu sein. In England und Amerika wird ein Songwriter ganz anders wertgeschätzt. In Deutschland ist es eher so: „Wie? Damit kann man Geld verdienen?“ oder „Und was machst du danach?“ (lacht)

 

Kommen wir zur Musik. Was macht für dich einen guten Song aus?

Oh, keine leichte Frage. Das ist wohl immer unterschiedlich. Ich glaube, da gibt es keine Formel oder ein Rezept oder so. Mir gefallen Songs, die aus einer relativ simplen Idee entstanden sind. Songs, bei denen ich mich ärgere: Mann, warum bist du nicht darauf gekommen? (lacht)

 

Ich habe zuerst das Video zu „Bright Lies“ gesehen. Das versprüht so einen Retro-Charme. Was ist eure Inspiration?

Das Bright-Lies-Video hat eine bestimmte Idee: Es hat diesen analogen Vintage-Touch, aber auch Gif-Animationen, die ja etwas sehr modernes sind. Wir haben hier Elemente aus unterschiedlichen Zeiten vereint. Das tun wir in der Musik auch gelegentlich, aber wohl nie so richtig bewusst. Wir stellen keinen Plan auf. Wir machen einfach. Es gibt kein Rezept.

 

 

Wann dürfen wir auf ein Studio-Album hoffen?

Dazu kann ich eigentlich noch nichts sagen. Wir waren im letzten Jahr unglaublich viel unterwegs, auf 45 Festivals, haben eigene Touren und Support-Shows gespielt. Jetzt spielen wir wieder eine eigene Europa-Tour. Da bleibt gar nicht so viel Zeit, neue Songs zu schreiben. Für dieses Jahr haben wir uns aber vorgenommen, viele neue Ideen auszuarbeiten und ein bisschen weniger live zu spielen. Mal schauen, was dabei so entsteht. In Leipzig wird es auf jeden Fall den einen oder anderen neuen Song geben, den man so noch nicht gehört hat.

 

Der Schritt in das professionelle Musikbusiness ist geschafft. Was sind eure nächsten Ziele?

Wir haben das große Glück, zum ersten Mal eine eigene England-Tour spielen zu können. Bisher waren wir dort nur als Vorband vertreten. Das ist ein großer Traum von uns und wahrscheinlich jeder Band: international zu spielen. Mein persönliches Ziel ist, mit der Musik zufrieden zu sein. Ein Album zu machen, ist etwas, das für uns relativ fremd ist. Wir haben das noch nie gemacht. Es ist eine große Aufgabe. Ich will, dass wir irgendwann sagen können: „Wir haben ein gutes Album gemacht“, dass wir absolut dahinter stehen können. Mit allem, was wir bisher herausgebracht haben, bin ich zufrieden, sonst hätten wir es auch vermutlich nicht veröffentlicht. Wir sind da sehr perfektionistisch!

 

Ihr habt ja 2017 schon einmal in Leipzig gespielt. Was sind eure Erinnerungen an die Stadt?

Wir waren schon einige Male in Leipzig. Zum Beispiel haben wir auch auf dem Campusfest gespielt (2016, Anm. d. Red.). Die alten verzierten Gebäude, die Infrastruktur und die Stadt an sich habe ich immer als sehr angenehm und schön empfunden. 

 

Zum Abschluss eine Off-Topic-Frage: Sollte zeitnah endlich eine neue Bundesregierung entstehen: Was wäre dein persönlich wichtigster Wunsch an die neue Regierung?

Das ist schwierig, eine passende Antwort zu finden, ohne, dass es banal klingt. Mich frustrieren Bilder aus anderen Ländern, in denen Menschen jeden Tag viel Leid erfahren müssen. Wir leben hier im totalen Überfluss. Ein krasser Kontrast. Ich wünsche mir eine gerechtere Verteilung und weniger Verschwendung von Ressourcen. Es kann nicht sein, dass Menschen vor Hunger über Kontinente fliehen und wir keine krummen Gurken im Supermarkt kaufen wollen.

 

Info: Live erleben könnt ihr Giant Rooks am 12.2.2018 im UT Connewitz Leipzig, am 26.2.2018 im Puschkin  Dresden und am 27.2.2018 im Columbia Theater Berlin. 



Diese Artikel könnten Dir gefallen:


Kommentare
› Schreibe einen Kommentar
    • Bisher keine Kommentare.
  • Bitte registriere dich bei uns oder log dich ein um Kommentare zu schreiben oder Bewertungen abzugeben.

Teilen auf

auf:

Urbanite verwendet Cookies

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Hier geht’s zu unseren Datenschutzerklärungen.

Ich stimme der Verwendung von Cookies zu