Hingehört – Plattenkritik: Megaloh und William Fitzsimmons

Megaloh: „Regenmacher” & William Fitzsimmons: „Charleroi: Pittsburgh Volume 2”

18.03.2016

Hingehört I:

 

Wie ein warmes Sommergewitter: Megaloh – „Regenmacher“

Hingehört - Plattenkritik: Megaloh und William Fitzsimmons
Große Lyrik, tighter Flow: Megaloh

Hingehört - Plattenkritik: Megaloh und William Fitzsimmons
Megaloh – „Regenmacher“
Megaloh hat seine Tontöpfe positioniert und lässt nun endlich seinen lange erwarteten Regenmacher los. Die gleichnamige Single prasselte mit Bläserinstrumental bereits auf Hip-Hop-Deutschland nieder wie ein warmes Sommergewitter: angenehm erfrischend, ein bisschen einschüchternd, aber definitiv belebend nach Wochen der Dürre.

Nicht nur durch Feature-Gäste wie Joy Denalane, Patrice, Jan Delay und den Labelchef selbst kann die Platte als eindeutiges Erzeugnis des Max-Herre-Universums „Nesola“ identifiziert werden, denn die Produktion ist detailliert und druckvoll, aber dennoch entspannt. Die unverwechselbare Stimmfarbe und poetische Genialität Megalohs veredeln den musikalischen Flickenteppich aus traditionellem Soul, exotischem Afrobeat und zeitgemäßem Trap. Egal, ob er im „Zug“ alles überrollt, kopfnickend und augenzwinkernd den „Zapp Brannigan“ gibt, im Feel-Good-Gewand den „Himmel Berühren“ will oder gemeinsam mit Tua in „Graulila“ die eigene Psyche auslotet, Megalohs Flow ist abwechslungsreich und immer punktgenau.

„Regenmacher“ ist ein Kleinod eines hochbegabten Straßenlyrikers geworden, der nicht nur sich selbst stets verbessern, sondern – wie ein Regenmacher eben – auch seine Umgebung befruchten und mit Leben segnen will. Oder, um es mit Megalohs eigenen Worten zu sagen:
„Er ist ein sehr gescheiter Versdesigner, er ist einfach stark, er ist Gärtner, seine Verse sind die Ernte seiner Saat“ („Er ist / Voodoo Interlude“).

Infos: Release: 4. März 2016



Hingehört II:

 

Oh Granny, where art thou?: William Fitzsimmons – „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“

Hingehört - Plattenkritik: Megaloh und William Fitzsimmons
Fitzsimmons bleibt akustisch und melancholisch

Hingehört - Plattenkritik: Megaloh und William Fitzsimmons
William Fitzsimmons – „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“
Letztes Jahr erschien das Minialbum „Pittsburgh“, auf welchem sich William Fitzsimmons von seiner verstorbenen Oma verabschiedete. Nun veröffentlicht der einfühlsame Singer/Songwriter „Charleroi: Pittsburgh Volume 2“, das von seiner anderen Großmutter Thelma handelt – welche er allerdings nie kennengelernt hat.

Fitzsimmons wuchs als Sohn eines blinden Ehepaars in einer Umgebung auf, in welcher auditive Wahrnehmung einen wichtigen Stellenwert einnahm. Seine Fähigkeit, visuelle Eindrücke in Töne zu verpacken, hört man in jedem seiner Lieder. Diese muten anhand ihres ruhigen Charakters, Fitzsimmons unaufgeregter, schwebender Stimme und der meist einfachen Songstrukturen simpel an, verbergen aber eben aufgrund ihres perfekten Arrangements die Komplexität dahinter. Fitzsimmons weiß genau, wie er Melancholie und Gefühle vertonen kann und erschafft so bewegende Stücke in leisen Tönen.

So homogen sich das Klangbild aus Akustikgitarre, unaufdringlicher Percussion und vereinzelten Streichern über die EP erstreckt, so zerrissen ist sie inhaltlich. Dies zeigt schon der Titel des Openers „People Change Their Minds“ im Vergleich zum letzten Track „Nothing Can Be Changed“. Fitzsimmons meistert aber die ungewöhnliche Aufgabe, eine fremde Person durch eigene kreative Prozesse kennenzulernen. Unstimmigkeiten sind nur logisch. So ist „Charleroi“ ein berührendes Werk eines zerstreuten Virtuosen, der sich nicht nur auf der Suche nach einem unbekannten Familienmitglied, sondern auch nach sich selbst befindet.

Infos: Release: 1. April 2016



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