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Interview Bilderbuch: „Wiederholung ist irgendwann der Tod der Kreativität“

Bilderbuch am 11. April im Haus Auensee

01.04.2019

„Willst du meine Frau werden?“, fragten Bilderbuch 2013, und seitdem sind die vier Jungs aus Österreich auch aus der deutschen Pop-Szene nicht mehr wegzudenken. Mit „Mea Culpa“ und „Vernissage My Heart“ brachte die Band im Dezember 2018 und Februar 2019 gleich zwei neue Alben an den Start; ab dem 6. April wollen sie die dann auch live unter die Leute bringen. Am 11. April 2019 spielen Bilderbuch ein Konzert im Haus Auensee in Leipzig. Wir haben zuvor mit Bassist und Gründungsmitglied Peter Horazdovsky gesprochen.

 Interview Bilderbuch: „Wiederholung ist irgendwann der Tod der Kreativität“

Anfang April beginnt ihr eure Tour durch Deutschland und Österreich – wie laufen die Vorbereitungen?

Wir haben uns vorgenommen, es nicht zu machen wie bei der letzten Tour, also dass wir eine feste Setlist haben, sondern dass wir beim Spielen flexibler sind. Aus dem Grund müssen wir aber umso mehr vorbereiten. Wir sind jetzt gerade dabei, 27 Tracks vorzubereiten. Und wir haben auch einen neuen Musiker dabei – einen Perkussionisten und Keyboarder. Der muss auch vorbereitet werden. Es ist echt an der Grenze des Machbaren, aber es geht sich ganz gut aus. Ein Woche vor Tour-Beginn proben wir auf einer großen Bühne. Und ja, dann geht es schon los. Aber wir freuen uns alle sehr.

 

Ihr habt innerhalb kurzer Zeit zwei Alben rausgebracht – wie kam das zustande?

Das kam tatsächlich so: Wir haben so viele Songs geschrieben und wollten uns einfach nicht von unseren Schätzen trennen. Wir hatten so viel Material angehäuft, dass wir gewusst haben, dass wir sowieso unheimlich viel wegschmeißen oder aufheben mussten. Aber von diesen Tracks wollten wir uns eben nicht trennen. Diese 17 Songs, die jetzt auf den zwei Platten drauf sind, wollten wir eben nicht vergeben. Wir haben auch gewusst, dass sich diese Tracks so schön aufteilen lassen, um wirklich zwei getrennte Platten – musikalisch, wie auch inhaltlich – zu präsentieren. Das war unser Ziel. Dass wir die Platten so gut wie möglich in ihrem eigenen Kontext einbetten können. Darum sind es zwei geworden. Wir wollten schnell releasen, wir wollten die Stücke schnell unter den Menschen wissen. Wir haben uns nicht lange damit aufgehalten. „Mea Culpa“ war fertig, drei Wochen bevor wir es gedropped haben. Also schneller ging es wirklich nicht. Die „Vernissage“ war etwa eineinhalb Monate vor dem Release fertig. Unser Management und unser Label hatten da schon ein bisschen zu hustlen. 

 

Aber im Endeffekt seid ihr glücklich mit diesem Weg?

Absolut. Also ich würde es immer wieder so machen. Allerdings muss man schon sagen, es war sehr viel Arbeit. Vor allem, wenn man Videos präsentieren und Interviews geben muss. Man muss über Strategien nachdenken, wie man seine Platten veröffentlicht. Das war tatsächlich gar nicht so einfach. Darum weiß man nie, was in der Zukunft passiert. Aber ich glaube, das nächste Album wird vielleicht ein bisschen einfacher.

 

Hast du einen Favoriten unter den neuen Songs?

Das ist schwierig. Es gibt kaum Tracks, die ich zu 95 Prozent einschätze. Für mich sind die meisten bei 100. Mit diesen Platten bin ich soundtechnisch und inhaltlich eigentlich am zufriedensten überhaupt. Ich war noch nie so happy mit dem, was wir gemacht haben. Es ist auch zu jedem Zeitpunkt unterschiedlich, wann welcher Track bei mir funktioniert. Natürlich, so etwas wie „Mein Herz bricht“ aus „Mea Culpa“ ist ein Favorit. Wenn man aber in einer etwas aggressiveren Stimmung ist, muss man bei „Kids im Park“ die Kopfhörer ganz laut aufdrehen.

Manche Songs spielen sich auch im Studio nicht so natürlich wie auf der Bühne. Man merkt das auch an der Reaktion des Publikums. Gerade live ist es so, dass man am meisten mit dem Publikum spielt und auch am meisten zurückbekommt. Dann kann man diesen Publikums-Moment auch wieder zurückgeben. Das ist so ein unendlicher Reflex, bis das Konzert vorbei ist, zwischen Publikum und Band. Ich bin schon gespannt, wie das bei den neuen Songs sein wird. Das haben wir ja noch nie probiert. Aber ich bin guter Dinge. Wir sind schon relativ gut vorbereitet. Ich glaube, um es gut zu spielen, musst du es einfach aus dem Handgelenk schütteln können. Dann macht es Freude, einen Track zu performen – wenn man ohne nachzudenken spielt.

 

Seit ihr angefangen habt, zusammen Musik zu machen, habt ihr euch ständig weiterentwickelt – musikalisch und auch persönlich. Wie nehmen eure Fans das auf?

Ich weiß genau, was du meinst. Es ist tatsächlich auch so, dass wir selbst so richtig krasse Fans, die teilweise mit den Konzerten mitreisen, anfangs überzeugen müssen. Dass es für uns wichtig ist, dass auch wir uns weiterentwickeln. Du musst dich, glaube ich, wirklich drauf einlassen. Ich finde, für eine Band ist es absolut notwendig, dass sie sich weiterentwickelt. Sonst stirbt sie. Wiederholung ist irgendwann der Tod der Kreativität. Und danach wird es auch nicht mehr besser. Das heißt nicht, dass du dich so viel verändern musst, wie wir das vielleicht machen. Das kommt einfach so raus bei uns, da überlegen wir gar nicht viel. Das funktioniert meist schnell in eine gleiche Richtung. Aber auch andere Acts müssen sich verändern, um weiterzuleben, denke ich. Das finde ich fürs Musikmachen essenziell. Und die Leute gehen irgendwann mit, die verstehen das irgendwann. Das Argument „Die vorherige Platte gefiel uns besser“ kommt immer. Und dann zwei Monate später kommt die Retour. Du musst den Leuten auch Zeit geben dafür. Es ist auch ein „Brocken“ zu einem gewissen Grad. 

 

Spielt ihr trotzdem noch gern eure „Klassiker“ wie „Maschin“ oder „Bungalow“?

Ja, live natürlich. Ganz klar. Wenn wir diese Tracks spielen und die Leute singen aus vollster Kehle mit, das ist einfach ein geiler Moment. Den will ich bei einem Konzert nicht missen. „Maschin“ proben wir wahrscheinlich am seltensten – iIrgendwann kannst du den Track auch und musst ihn nicht dauernd wiederholen. Aber wenn die Leute dabei sind, ist es etwas ganz anderes. 

 

Entwickelt ihr euch zusammen weiter?

Ja, ich glaube, das ist immer ein Prozess. Zwischen zwei Platten zum Beispiel – kurz, bevor wir wieder gemeinsam Lieder schreiben, haben wir meistens so ein paar Tage, in denen wir irgendwohin fahren und Musik so hören. Uns Musik vorspielen, die jeder so entdeckt hat. Oder auch Musik die man geschrieben hat. So, dass man auf einen Nenner kommt und versucht, den anderen zu zeigen, was man toll findet. So kommt eine Melange zusammen. Wir schweifen gemeinsam ab und hören Musik. Und kommen zu einem gemeinsamen Punkt, von dem wir losschreiben und spielen. Das funktioniert ganz gut. Jeder weiß, wo der andere gerade musikalisch ist.

 

Am 11. April spielt ihr in Leipzig – verbindet ihr etwas mit der Stadt?

Klar. Leipzig war einer der ersten Halts in Deutschland. Da haben wir 2008 einen kleinen Gig in Ilses Erika gespielt. Da waren wir auch noch klein als Band. Das war super. Ich glaube, Leipzig war auch die erste Stadt, wo wir Sightseeing gemacht haben, wo wir mal Zeit hatten in Deutschland auf Tour. Das war schon ein frühes Konzert-Erlebnis, so eine Erinnerung. Jetzt freuen wir uns aufs Haus Auensee.

 

BILDERBUCH

11.04.2019, Haus Auensee Leipzig | 20 Uhr | Tickets ca. 46 €

 

Weitere Termine: 

12.04.2019, Capitol Hannover | 20 Uhr

18.&19.04.2019, Columbiahalle Berlin | 20 Uhr | nur noch Tickets für die Zusatzshow am 19.04. verfügbar! 



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