Nr.1 und mittlerweile Depeche-Mode-Vorband

Polarkreis 18 auf Tour

09.03.2009
Autor: Tho mas
Es ist schon eine Weile her, dass Polarkreis 18 letztmals Magdeburg (in der Feuerwache) bespielten. Es folgten „Allein, Allein“, das zweite Album „The Colour Of Snow“ und der Bundesvision Songcontest. Und nach Ende des Redaktionsschlusses flatterte auch noch diese Meldung herein: Niemand geringeres als Depeche Mode persönlich haben das Dresdener Quartett als Vorband ihrer Konzerte in Berlin und Dresden ausgewählt. Nur wie verdaut man so viel Trubel? urbanite traf Philipp Makolies und Uwe Pasora bei ihrem Februar-Gig in der Factory und zog mit den beiden Bilanz.

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Hallo Philipp, hallo Uwe! Viel ist in letzter Zeit bei Polarkreis 18 passiert. Was waren die wesentlichsten Veränderungen für euch?

Uwe:

Viel mehr Termine hat man, im Gegensatz zu früher. Man ist jetzt ein Musiker, macht nur noch Musik, ist viel unterwegs.

Philipp:

Mit dem zweiten Album hat sich schon viel für uns verändert. Wir sind etwas bekannter geworden, was man ganz stark daran merkt, dass wir wirklich viel unterwegs sind. Früher waren wir zwar auch schon oft unterwegs und haben Musik gemacht, aber jetzt geht das richtig los. Man kann sagen: Die Maschine ist am Rotieren.

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Durchlebt ihr da bestimmte Szenen ein zweites Mal? Euer Debüt wurde ja in der Fachpresse und Szene sehr gut aufgenommen, von der großen Öffentlichkeit aber eher ignoriert. Nun wart ihr auf Platz 1 der Charts und auf einmal geht alles von vorne los.

Uwe:

Ich persönlich finde, es ging von Anfang an, von der ersten CD, so: Es kommt immer irgendwie der nächste große Hit. Man erlebt immer mehr und es kommt noch mehr. Man kann das gar nicht begreifen. Da kommt immer wieder etwas neues, von dem man vor zwei Jahren gedacht hat: Das wird nie passieren.Oder damit rechnet man gar nicht.

Philipp:

Aber gerade auf Tour gibt es schon Déjà-vus. Man ist ja immer jeden Tag in einer anderen Stadt, da weiß man am Morgen, wenn man aufwacht, gar nicht, wo man gerade ist.

Uwe:

Also ich weiß. (lacht)

Philipp:

Weil du dich eben gut vorbereitest. Aber ich finde schon, dass es sich oft ähnelt auf Tour.

Uwe:

Wie meinst du das? Der Alltag an sich, im Tourbus sein, das Aufbauen – na klar, so was ist ja immer gleich.

Philipp:

Es ist immer dasselbe: Unschön.

Uwe:

Aber trotzdem ist man ja da in einer Show etwa, in der man vor einem Jahr nicht war. Da gibt es schon eine Veränderung. Ich hab das jetzt nicht so kleinteilig gesehen wie du, Philipp.
Foto: Dmitrijs Filimonovs

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Durch die neue Welle der Aufmerksamkeit werdet ihr jetzt bestimmt auch wieder nach dem Hintergrund eures Bandnamen gefragt...

Philipp:

Ja, oft. Das ist so bestimmt mit die am meisten gestellte Frage.

Uwe:

Das bleibt uns nicht erspart. Es nervt schon ein bisschen.

Philipp:

Aber wir haben so ein super Namens-Entstehungs-Geschichtchen, dass es eigentlich auch wieder ganz cool ist, das immer wieder zu erzählen.

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Beim letzten Konzert in Magdeburg habt ihr noch in der kleineren Feuerwache gespielt, jetzt in der Factory. Spürt man da eine innere Bestätigung?

Philipp:

Für uns ist das etwas total Schönes, zu Sehen, wie die Clubs langsam größer werden. Oder dass man wirklich vor mehr Leuten dann spielt. Genau, wenn man so wie heute in Magdeburg spielt und sich daran zurück erinnert, dass man vor anderthalb bzw. zwei Jahren da in der Feuerwache gespielt hat, dass es ein – auf jeden Fall – wirklich tolles Konzert war. Und dann ist man auf einmal hier und spielt vor noch viel mehr Leuten – das ist eigentlich ein schönes Gefühl. Da fängt man an, so eine Entwicklung zu begreifen, an solch einem Beispiel.

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Bringt man von dem letzten Konzert auch eine gewisse Erwartunshaltung an die Stadt und ihr Publikum mit?

Uwe:

Von unserer Seite sollte es natürlich auch besser werden; das Konzert was wir geben. Und ansonsten ist es ja auch schon eine Weile her, dass wir hier waren, so viele Konzerte wieder dazwischen, da kann man sich nicht mehr an alles erinnern.

Philipp:

An sich ist das dann einfach eine schöne Erinnerung. Wir haben jetzt aber ein neues Album, neue Lieder, die wir spielen, das kann man ja gar nicht mehr vergleichen. Wir finden das natürlich besser für uns, weil es einfach frischer ist.

Uwe:

Ich finde es wird jetzt auch vom Publikum her. Wenn man an die alten Konzerte denkt, die manchmal auch gar nicht unsere waren, wo man dann teilweise ausgebuht wurde und solche Scherze. Da ist es auf einmal schon krass, wenn richtig viele Leute für dich in der Halle stehen. Du einen großen Saal und dann ist man schon beeindruckt; die erste Reihe singt fast alle Lieder mit.

Philipp:

Das ist wirklich beeindruckend auf dieser Tour: Dass gerade die Leute gerade vom neuen Album ganz viele Lieder mitsingen. Das ist irgendwie krass und war bisher noch nicht ganz so der Fall, höchstens vereinzelt.

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„Allein, Allein“ war ja das Startsignal für die Eroberung einer breiten Öffentlichkeit. Wie geht man mit so einem Song live um, wenn man nicht als One-Hit-Wonder gelten will?

Philipp:

Das ist natürlich ein Song, der ziemlich eingeschlagen hat, den auch viele Leute kennen, die ihn gar nicht mit der Band verbinden. Wir versuchen gerade auf den Konzerten aber zu zeigen, dass gerade die Band dahinter steht, die diesen Song geschrieben hat und live spielt. Aber es ist schon als eine Art Hymne gedacht, die die Leute auch mitsingen sollen. Dass das dann da auch machen, ist irgendwie logisch. Wir platzieren den Song ja auch so, dass wir zuerst die Stimmung anheizen, damit sie dann da richtig abgehen. Eigentlich ist das etwas cooles. Es könnte vielleicht auf Dauer etwas belastend werden, dass man immer nur auf diesen Song reduziert wird, aber wir versuchen gerade alles, um auch den Leuten, die uns gerade über diesen Song kennen gelernt haben, zu zeigen: Hej, hier gibt es eine Band, die hat noch andere Lieder und schon zwei Alben draußen. Sodass diese auch wirklich mal dahin kommen, sich das ganze Album anzuhören. Das versuchen wir auf der Tour.
Fotos: Christoph Paul

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Gelegenheit dazu bot euch der Bundesvision Songcontest.

Uwe:

Das war eine Riesen-Möglichkeit, auf jeden Fall. Hohe Einschaltquoten – das ist eine perfekte Werbung eigentlich. Wir haben natürlich gleich die neue Single mit einer sehr guten Show, die man dann umsetzen konnte, vorgestellt. Das war echt perfekt, um die anderen Facetten zu zeigen.

Philipp:

So was nehmen wir total gerne wahr. Wir versuchen schon diesen One-Hit-Wonder-Gedanken entgegen zu wirken und das war wirklich perfekt für uns. Wir konnten da unser Bandkonzept visuell und audio-technisch rüberbringen. So was muss man auf jeden Fall nutzen.

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Nocheinmal zu „Allein, Allein“: Der Song erreichte ja als Nephew-Remix auch in Dänemark die Top3. Wie nimmt man solche Kuriositäten mit?

Philipp:

Das war eine offizielle Zusammenarbeit. Nephew haben den Remix für uns gemacht. Wir fanden das ganz cool, was sie gemacht haben – völlig ihr Stil, aber eine sehr gute Arbeit –, und dann haben die das in Dänemark raus gebracht und es ging super ab.

Uwe:

Und plötzlich erfährt man, dass es Platin erreicht hat. Das ist einfach abgefahren: Das war das zweite Mal in Dänemark – bis auf das Roskilde-Festival –, als wir vor Nephew und vor über tausend Leuten in Kopenhagen gespielt haben und auf einmal alle Leute unser Lied schon mitsingen konnten. Und das in einem Land, in dem man quasi noch nie war. Das war witzig.

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Mit dem Erfolg im Rücken, leistet ihr euch nun auch diversen Luxus?

Philipp:

Was wir uns leisten, ist dass wir unsere Kräfte jetzt besser aufteilen können, indem wir Arbeit abgeben. Bis vor zwei Jahren sind wir etwa noch selbst auf der Tour gefahren, haben alles selber gemacht. Das zerrt schon an den Kräften, man will ja nebenbei auch noch kreativ arbeiten. Wir leisten uns diese gewisse Erleichterung.

Uwe:

Und natürlich, dass wir Musiker sein können. Das ist das Genialste.

Philipp:

Dass wir das machen können, was wir eigentlich schon immer gemacht haben, und jetzt davon leben. Das war früher schon schwieriger, aber jetzt läuft es ja ganz gut.

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Den Optimismus habt ihr dabei anscheinend nie verloren.

Uwe:

Der muss auch bleiben.

Philipp:

Uns gibt es ja schon seit über zehn Jahren und in der Besetzung seit vier, fünf Jahren. Ich glaub, wenn man das alles gar nicht lieben würde, dann würde man das auch gar nicht auf sich nehmen.

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Hat sich das Verhältnis untereinander verändert?

Uwe:

Man kennt sich besser, kennt die Macken von jedem, wächst zusammen. Man ist soviel unterwegs – ich sehe die Band ja mehr als meine Familie; meine Eltern ganz selten.

Philipp:

Das Verhältnis hat sich schon verändert, ist inniger geworden, durch das häufige Aufeinander-Hocken.

Uwe:

Wie im Schullandheim.

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Peter hat in einem anderen Interview vor wenigen Monaten gesagt, dass euch manchmal noch der gewisse Schutzschild gegen den Medienrummel und das Star-Dasein fehlt. Hat sich das mittlerweile gebessert?

Philipp:

Das kann ich schwer einschätzen, das ist innerhalb der Band unterschiedlich, wie wir diese Situation handhaben. Ich glaube, das kommt dann von ganz alleine.

Uwe:

Man sich erstmal mit diesem neuen Lebensumstand arrangieren. Ist ja alles neu, kennt man so nicht.

Philipp:

Das ist ein Lernprozess, der fließend vor sich geht. Man kann das gar nicht so festmachen: Ah, jetzt kann ich damit supercool umgehen mit allen Situationen. Irgendwann merkt man dann einfach, dass man entspannter und lockerer wird und genau weiß, was man will und was nicht.

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Zum Abschluss: Der Hunger der Fans muss stetig gestillt werden, schreibt ihr schon an neuen Songs auf dieser Tour?

Philipp:

Nicht konkret. Beim Songwriting und Sound sind wir eigentlich immer jeder für sich am Arbeiten, aber ganz fixiert auf ein neues Album noch nicht. Bei Polarkreis ist es eh immer so, dass alle konstant am Arbeiten sind.

Uwe:

Da fällt mir gerade ein: Du musst mir noch dein Projekt geben!


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