Käptn Peng & die Tentakel von Delphi: "Alles noch weit weg von Kommerz"

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi: "Alles noch weit weg von Kommerz"

Interview mit Tentakel-Mitglied Shaban über die Hip-Hop-Szene, sell-out und schwarze Plastikkübel aus dem Baumarkt

15.05.2017

Käptn Peng & die Tentakel von Delphi: "Alles noch weit weg von Kommerz"
Shaban (3. v.l.): "Ich respektiere, dass wir nicht dazugehören. Aber ich werde mir jetzt trotzdem nicht irgendeine Musikrichtung ausdenken. Die Szene soll machen, was sie will. Das ist total in Ordnung. Es hat einen eine Zeit lang gewundert, aber wir kamen dann gut darauf klar. Mit uns und Hip Hop ist alles in Ordnung."
Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi kommen mit ihrem neuen Album „Das Nullte Kapitel“ samt selbstgemachten Instrumenten wie Fahrradklingeln, Betonkübeln und grünem, abgewetztem Koffer am 20. Mai 2017 ins Haus Auensee. Wir sprachen mit Tentakel-Mitglied Shaban über Hip Hop, sell-out und schwarze Plastikkübel aus dem Baumarkt. 

 

Wie würdest du jemandem eure Musik beschreiben, der noch nie etwas von euch gehört hat?

Ich würde sagen, dass das Hip Hop ist. Auch wenn viele Menschen dem vielleicht widersprechen würden. Aber ich finde, das trifft es schon am ehesten. Es hat intelligente Texte. Und bei uns spielen gängige Hip-Hop-Klischees keine Rolle.

 

Ihr müsst euch öfter erklären, dass ihr eure Musik Hip Hop nennt. Wie kommt das?

Na ja, die deutsche Hip-Hop-Szene ist recht streng. Es gibt viele Bereiche, eingefleischte Leute, auch Battles spielen eine große Rolle, bestimmte Dinge sind denen wichtig – unsere Musik zählt dann nicht dazu. Die sagen einfach: Nein (lacht). Und das ist ok. Aber ich weiß trotzdem nicht, wie ich unsere Musik sonst bezeichnen sollte ... (lacht).

 

Die Hip-Hop-Szene ist doch sehr vielfältig, auch weil so viele Genres miteinander verschmelzen ...

Eigentlich ja. Aber ich sehe da letztendlich auch nicht so richtig durch. Ich verstehe auch nicht alles. Ich respektiere, dass wir nicht dazugehören. Aber ich werde mir jetzt trotzdem nicht irgendeine Musikrichtung ausdenken. Die Szene soll machen, was sie will. Das ist total in Ordnung. Es hat einen eine Zeit lang gewundert, aber wir kamen dann gut darauf klar. Mit uns und Hip Hop ist alles in Ordnung (lacht).

 

Was hat es eigentlich mit den selbstgemachten Instrumenten auf sich? Wer kam auf die Idee?

Ich hatte das Gefühl, wir brauchen etwas anderes als das klassische Schlagzeug. Eigentlich ist im Hip Hop alles elektronisch, wenn man an Samples usw. denkt. Es gibt natürlich auch viele Bands, die Live Hip Hop machen und Schlagzeug benutzen. Ich finde aber, es gibt relativ wenige, die das richtig gut hinkriegen. Schlagzeug hat immer einen Schlagzeugsound. Das ist auch essenziell für ganz viele Musikrichtungen wie Jazz, Rock, Punk. Ich habe dann irgendwann mal jemanden mit einer Betonmischtrommel gesehen und wollte das ausprobieren. Unser Percussionist Peter hat sich dann spezialisiert auf diese Koffer und so Metallrohr-Zeugs, was mittlerweile ziemlich angewachsen ist. Und wir waren uns einig, dass das was hat. So hat sich das entwickelt. 

 

Hast du ein Lieblings-Pseudo-Instrument?

Da gibt es verschiedene. Mein Set besteht ja nicht nur aus selbstgebauten Instrumenten. Ich habe zwei Snares, Toms und Becken. Bei mir ist das Ungewöhnliche die Bass Drum, die ich sehr mag. Dieser schwarze Plastikkübel aus dem Baumarkt für 5€ – ich finde es toll, dass das so möglich ist. Peter hat da mehr außergewöhnliche Sachen. Ich mag da sehr viel bei ihm, vor allem den Koffer, der immer dabei ist. Es ist immer derselbe grüne, abgewetzte Koffer – und der klingt toll.  

 

 

 

Auffallend ist bei den neuen Songs dieser krasse Wechsel zwischen unplugged und sehr verstromt.

Ja, das sind vor allem die Keyboards. Es macht einfach Spaß, mit neuen Sachen rumzuspielen. Das fällt einem beim Musikmachen gar nicht so auf. Es kann auch sein, dass das neue Album für manche produzierter klingt. Aber dieses Sich-Ausprobieren ist uns wichtig und dass wir uns keine Kette anlegen und sagen, weil das beim letzten Album funktioniert hat, müssen wir das jetzt immer so machen. Wenn unser Gitarrist Moritz Lust hat, Synthies zu spielen und wenn das toll ist, dann fetzt das halt einfach. Man kann Sachen machen, die man vorher nicht tun konnte. Das reizt als Band sehr. 

 

Dadurch, dass ihr in keiner Szene verankert seid, könnt ihr ja eigentlich machen, was ihr wollt.

Das kann ein Vorteil sein, ja. Es gibt Bands, die sind z.B. auf so ein Humording festgenagelt. Da wieder herauszukommen, ist schwierig. Das haben wir tatsächlich alles nicht. Wir können tun und lassen, was wir wollen. Eine andere Sache ist, ob die Leute das dann auch ok finden. Das ist aber erst mal nicht der Antriebspunkt, aus dem wir Musik schreiben. Das interessiert ja erst mal uns. Aber wir sind sehr gespannt, wie die Leute das Album finden.

 

Tickets für eure Tour sind sehr gefragt, in einigen Städten musstet ihr hochverlegen.

Stimmt. Und es wurden schon viele Karten gekauft, bevor klar war, dass wir ein neues Album rausbringen. Aber es kann auch sein, dass da lauter Leute sind, die nur unsere alten Sachen hören wollen. Aber die kriegen sie nicht. Die kriegen die neuen (lacht).

 

Aber ein paar alte auch, oder?

Bestimmt (lacht). Aber der Großteil werden neue Songs sein. Es ist für uns dermaßen reizend, die neuen Songs zu spielen und auf die Bühne zu bringen, dass wir ungerne darauf verzichten wollen.

 

Auch in Leipzig zieht ihr in die größere Location Haus Auensee um. Ihr habt euch genötigt gefühlt, das bei Facebook zu erklären. Was war da los? 

Es gab eine relativ breite Reaktion von Unmut darüber. Die Gründe der Hochverlegung sind, dass das Konzert schon ausverkauft war und noch Karten gesucht wurden. Wir wollten einfach noch mehr Leuten ermöglichen, das Konzert zu besuchen. Es ist natürlich auch der Begriff sell-out gefallen. Aber man muss auch sagen, dass die ursprüngliche Location Täubchenthal Open Air jetzt auch nicht unbedingt lauschig und klein ist. Wir wollten einfach nur, dass jeder, der eine Karte möchte, auch eine bekommt und nicht draußen stehen muss. 

 

Ihr habt mit Kreismusik ein eigenes Label. Ihr macht alles selber: Konzertorganisation, Management, Booklet, Instrumente, Produktion ... Ist das nicht wahnsinnig anstrengend? Hattet ihr keine Lust auf ein Major Label?

Das hat sich so entwickelt. Man muss auch sagen, dass wir anfangs unglaublich viel Glück hatten, unseren Booker Mariozu treffen, der mittlerweile einen Großteil des Labels organisiert. Ohne ihn wäre das alles gar nicht möglich. Wir haben auch keinen Vergleich mit einem Major. Wir haben ja schon immer alles selber gemacht. Wir stellen uns aber vor, dass es einfach große Freiheiten birgt. Wir haben auch Entscheidungen getroffen, die gelten in der Musikindustrie als eher ungewöhnlich. Aber für uns hatte das gut gepasst. Das Schöne ist, dass uns keiner reinredet. Alles wird demokratisch in der Band ausgetragen. 

 

Es gibt ja einige Brüderpaare in der Musikgeschichte wie Oasis, Kings Of Leon u.a. Wie ist es denn, mit seinem Bruder in einer Band zu sein? Gibt es viele Reibungspunkte? Nervt ihr euch?

Das kann sehr unterschiedlich sein. In der Band ist es eh so, dass wir alle eine Stimme haben. Da gibt es mitunter große Diskussionen. Wenn wir abstimmen, muss sich die unterlegene Fraktion fügen. Aber meine Erfahrung mit meinem Bruder ist eine wirklich fantastische. Es ist sehr produktiv. Es kommt auch mal eine Sache, mit der man sich auseinandersetzen muss. Aber unterm Strich ist es toll. Ich arbeite wahnsinnig gerne mit ihm zusammen. Ich kann nur jedem empfehlen, es mit seinen Geschwistern zu versuchen. Aber letztendlich ist es ja auch einfach unsere Geschichte.

 

Die Nachfrage eures Konzerts in Leipzig ist so groß, dass ihr nun in die größere Location Haus Auensee hochverlegt wurdet. Ihr habt euch genötigt gefühlt, das bei Facebook zu erklären. Was war da los? 

Es gab eine relativ breite Reaktion von Unmut darüber. Die Gründe der Hochverlegung sind, dass das Konzert schon ausverkauft war und noch Karten gesucht wurden. Wir wollten einfach noch mehr Leuten ermöglichen, das Konzert zu besuchen. Es ist natürlich auch der Begriff sell-out gefallen. Aber man muss auch sagen, dass die ursprüngliche Location Täubchenthal Open Airjetzt auch nicht unbedingt lauschig und klein ist. Wir wollten einfach nur, dass jeder, der eine Karte möchte auch eine bekommt und nicht draußen stehen muss, weil es ausverkauft ist. 

 

Der Sell-out-Vorwurf kommt meistens, wenn eine Band abgeht. Ist es ein Zeichen für Erfolg?

Ich frage mich, was sich Leute wünschen, die sich beschweren, dass in größeren Locations gespielt wird. Dass wir für immer vor 100 Leuten spielen und alles klein bleibt? Das ist doch aber auch komisch, anstatt sich für eine Band zu freuen, dass es gut funktioniert. Wir spielen ja nun nicht in der Mercedes Benz Arena vor 10.000 Leuten. Das ist ja noch alles weit weg von Kommerz. Verglichen mit anderen Bands in Deutschland sind wir ja nun nicht unbedingt eine riesen Nummer.

 

Kennst du denn Leipzig?

Leipzig mag ich wahnsinnig gerne. Unter den deutschen Städten finde ich Leipzig eine ganz spezielle, herausragende Stadt. Vielleicht finde ich auch genau das so toll, was manchmal nicht einfach ist: dieser extrem hohe Grad an Individualität in Kunst, Subkultur und Szene – wenn man dort ist, spürt man, dass da eine irre Kraft ist. Ich verstehe auch, dass Leipzig über die letzten Jahre so einen Hype hat. Alle wollen nach Leipzig. Und ich kann das total nachvollziehen. Man kommt in die Stadt und denkt sich: Wow, was ist denn hier los? Das ist, außer Berlin, endlich mal eine sinnvolle Stadt (lacht). 

 

 

 

INFOS:

 

Was: Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi live
Wann: 20. Mai 2017 um 20 Uhr

Wo: Haus Auensee

Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi auf Facebook

Tickets bekommt ihr hier

 

21. Mai 2017 Berlin — Columbiahalle — ausverkauft! 



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