Kontra K, Interview Kontra K, Kontra K berlin, aus dem schatten ins licht

Kontra K im Interview

Wie eine schwarze Leinwand mit weißer Farbe ...

17.03.2015

"Aus dem Schatten ins Licht“ ist nicht nur der Titel seines aktuellen Albums, sondern vielmehr eine Aufarbeitung der eigenen Lebensgeschichte von Max aka. Kontra K. Nach einer schweren Jugend im Dunstkreis von Gewalt und Kriminalität, hat es der Berliner aus eigener Kraft geschafft, einen Lebenswandel zu vollziehen, der beispielhaft für viele seiner Hörer ist. Mit einer eindeutigen Zielstellung im Fokus und jeder Menge Ehrgeiz, die er aus dem Kampfsport und seiner neuen Aufgabe als Familienvater zieht, bringt Kontra K mit 17 Tracks einen kleinen Auszug aus seiner ganz persönlichen Geschichte. Wir trafen Kontra K vor seinem Konzert am 11.04.2015 zum Gespräch.

 

 

Du hast vor einiger Zeit mit der Juice über Chart-Platzierungen gesprochen und meintest zum Album: "Mein Anspruch an mich selbst ist, dass das Ding durch die Decke geht." Platz 2 der Albumcharts – hast du das erwartet? 

Mir ist das nicht so wichtig. So lange ich mit meiner Musik viele Menschen erreiche und viele Leute  auf meine Konzerte kommen, ist mir die Chartplatzierung relativ egal.

 

Apropos Ehrgeiz, deine eigene Firma, der Boxsport, die Musik, bei der du alles versuchst zu prüfen und selbst zu machen: Wie bringst du das unter einen Hut?

Irgendwie muss es gehen. Wann, wenn nicht jetzt; wer, wenn nicht ich?! Ich will später die Zeit genießen, deshalb gebe ich jetzt Vollgas, um es irgendwann gut sein lassen zu können.

 

Kontra K, Interview Kontra K, Kontra K berlin, aus dem schatten ins licht
Am 11.04.2015 spielt Kontra K in Berlin vor ausverkauftem Publikum

Falls es mit einer Sache nicht klappt, hast du noch andere Möglichkeiten. Ist dir Sicherheit wichtig?

Ja, auf jeden Fall. Stell dir vor, ich sitze irgendwann auf der Straße. Mich kennen 100.000 Menschen, aber das bringt mir nichts. Ich habe ein Kind und eine Frau und dadurch auch Verantwortung. Außerdem bin ich zu abgebrüht von früher, dass ich weiß, man kann sich auf nichts verlassen. Gerade die Musik ist ein sehr schnelllebiges Geschäft.

 

Also bist du nach wie vor in deiner Firma sehr aktiv? Gehst du selbst auch noch der Tätigkeit als Industriekletterer nach?

Gerade vorhin hatte ich ein Meeting mit meinen Jungs. Momentan ist noch nicht soviel zu tun, weil wir hauptsächlich draußen arbeiten. Ich klettere jetzt nur noch selten und übernehme mehr die administrativen Aufgaben, prüfe Rechnungen usw., aber es läuft auf jeden Fall weiter.

 

Du bist im Mai von Distributionz zu Four Music gewechselt. Hat der Wechsel zum Major-Label auch Auswirkungen auf dich – hast du mehr Druck oder machst du dir den selbst?

Nicht jeder in der Musikindustrie ist mein Freund und natürlich muss ich an bestimmten Punkten nachfragen. Fremde Menschen können mir aber keinen Druck machen. Die einzige Person, die das kann, bin ich selbst - vielleicht noch meine Familie und Freunde.

 

... und gibt es Auswirkungen auf deine Musik?

Natürlich verändert sich der Sound ein wenig, weil man ganz andere Möglichkeiten hat. Man muss keinen Playstation Beat mehr benutzen, sondern arbeitet jetzt mit 1.000 Prozent. Meine Texte wiederum sind schon ewig fertig. Sechs Monate bevor das Major Label überhaupt im Gespräch war, hatte ich schon die Texte von neun Songs fertiggestellt. Dieses Mainstream-Gequatsche finde ich sehr anstrengend. Es gibt immer wieder Leute, die die großen Labels im Internet nicht so feiern und dann halt ihre Meinung kundtun. 100 kommen, einer geht – so war das schon immer. 

 

Der Wechsel vom Schatten ans Licht ist auch deine eigene Geschichte. Im Intro und Outro sprichst du fast liebevoll „vom ewig treuen Schatten“, der bei dir bleibt. Ist das Fluch oder Segen?

Ohne meine Vergangenheit wäre ich nicht, wer ich heute bin. Hätte ich auch nur an einem Tag etwas anderes gemacht, wäre ich auch ein ganz anderer Mensch. Es ist wie eine Leinwand mit schwarzem Untergrund, auf der du mit weißer Farbe etwas malst. Würde man das Bild mit weißer Farbe anfangen, wäre es ein komplett anderes. Ich habe nie den Kontakt dahin verloren, wo ich herkomme und bin immer noch derselbe wie früher. Man lernt mit seiner Vergangenheit umzugehen und sie so einzusetzen, wie es gut ist.

 

Du betonst oft, dass gerade der Kampfsport wichtig war in deinem Entwicklungsprozess vom Schatten in das Licht. Welche anderen Faktoren haben zu diesem Umdenken beigetragen?

Das sind die vielen Stromschläge des Lebens. Wenn du beispielsweise eine gewischt bekommst, weil dein Kumpel für drei Jahre in den Knast gehen muss oder wenn du selbst kurz davor steht. Man fragt sich dann, was man in zehn Jahren mal seinen Kindern erzählen wird. Wenn du dir diese Frage stellst, weiß du, dass sich etwas verändern muss.

 

In Träume heißt es: „Man ist nur heil, wenn man geboren wird, danach wird man verdorben“ – du bist selbst seit kurzem Vater. Wie versuchst du dem entgegen zu wirken und dein Kind auf die Gefahren des Lebens vorzubereiten?

Man kann das schwer abschätzen. Was ich aber auf jeden Fall sagen kann ist, dass er nicht meine Fehler machen wird. Sicher macht er eigene Fehler, aber es werden nicht die sein, die ich gemacht habe. Dafür werde ich sorgen.

 

Man merkt, dass du an harte Arbeit und einhergehenden Erfolg glaubst. Denkst du, mit harter Arbeit kann man alles erreichen? Oder gibt es Grenzen, die unüberwindbar sind?

Wenn man wirklich Bock hat, gibt es keine Grenzen, nur andere Optionen. Man muss dann eben etwas verändern. Mit genug Elan, Disziplin und Willensstärke kann man alles schaffen. Wer etwas anderes behauptet, ist einfach nur zu faul, das Maximum aus sich herauszuholen. Mir wird oft gesagt: ‚Erfolg ist auch Glück’, aber für mich ist das Schwachsinn. Jeder Mensch, der erfolgreich ist, wird dir bestätigen, dass viel harte Arbeit dahinter steckt. Auch für Talent muss man viel tun. Wie viele Boxkämpfe kann man mit Talent gewinnen? Drei, vier, vielleicht auch zehn. An dem Punkt, wo man dann aber 100 Kämpfe bestreiten muss, viel trainiert und echt Durchhaltevermögen braucht, bringt einem Talent nicht mehr viel.

 

 

Gerade in „Erfolg ist kein Glück“ betonst du diese Einstellung. Der Sound unterscheidet sich von dem, was du früher gemacht hast und wirkt sehr orchestral. Welche Einflüsse hast du mitgenommen und verarbeitet?

Ich hatte Bock mit sehr musikalischen Menschen zusammenzuarbeiten und auch das Video haben Leute gemacht, die sehr viel mehr Skills haben. Diese Möglichkeiten habe ich ausgeschöpft und ich würde es auch immer wieder so machen. Da sind viele verschiedene Einflüsse eingegangen, aber das ist eine starke Eigendynamik – das nächste Album kann wieder ganz anders sein.

 

Bei den Feature-Partnern hast du dich stark zurückgehalten, lediglich Skinny Al ist vertreten und Daniel Spencer steuert einen Gesangspart bei. Es wären ja weitere Artists in Frage gekommen. Warum hast du eben diese ausgewählt?

Ich vertrete die Ansicht, dass man sich nicht bei jedem anbiedern und nach Features fragen muss, um die eigene Platte zu promoten. Wenn die Musik gut genug ist, reicht das aus. Zumal die Rap-Szene heute für mich ein unloyaler Kreis ist. Heute mögen dich alle und morgen bist du wieder Feind. Darauf habe ich keine Lust, spiele nicht mit und mache lieber mein eigenes Ding. 

 

Wie waren die Reaktionen zum Album von deinen Jungs von früher?

Die finden super, was ich mache und sind stolz. Einige hätten gern wieder mehr Straßenrap von mir, weil sie das so kennen. Es kann auch sein, dass ich irgendwann wieder härtere Sachen mache, aber ich passe heute besser auf, was ich den Jugendlichen mitgebe. 

 

Siehst du dich in einer Vorbildfunktion oder hilft dir die Musik bei der Verarbeitung deiner eigenen Geschichte?

Ich bin lieber ein Beispiel, als ein Vorbild. Klar, muss ich auch ein Stück weit Vorbild sein. Wir haben viele junge Hörer und wenn ich meinem Sohn mal meine Musik zeige, möchte ich auch, dass er mich als Vorbild sieht. 

 

Du spielst das erste Mal auf einigen Festivals. Gibt für dich persönlich ein besonderes Highlight?

Alles ist ein Highlight! Ich habe die Möglichkeit auf einer eigenen Tour vor tausenden von Menschen zu spielen, viele Konzerte sind sogar ausverkauft. Ich freue mich extrem auf die Festivalsaison und hätte mir nie vorstellen können, dass ich auf einer Bühne vor 10.000 Leuten stehe. Um das so richtig zu begreifen, werde ich sicherlich einige Zeit brauchen und wenn wir uns nächstes Jahr wieder sprechen, sag ich dir: ‚Wir krass war das denn?!’ Ich habe jetzt auch schon neue Songs geschrieben und freue mich sehr darauf, im nächsten Jahr wieder ein Album zu machen. Für die Leute, die meinen alten Rap-Stil vermissen, kommt dieses Jahr eine EP mit sieben Songs und dann geht’s mit vollem Elan an das nächste Album.



Diese Artikel könnten Dir gefallen:


Kommentare
› Schreibe einen Kommentar
    • Bisher keine Kommentare.
  • Bitte registriere dich bei uns oder log dich ein um Kommentare zu schreiben oder Bewertungen abzugeben.

Teilen auf

auf:

Urbanite verwendet Cookies

Um die Webseite optimal gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Hier geht’s zu unseren Datenschutzerklärungen.

Ich stimme der Verwendung von Cookies zu