Michael Parensen: "Ich bin Teil eines großartigen Vereins"

Michael Parensen vom 1.FC Union im Interview

„Man braucht schon ein dickes Fell“

09.09.2016

Michael Parensen: "Ich bin Teil eines großartigen Vereins"
Michael Parensen: "Ich bin Teil eines großartigen Vereins"
Der seit 2009 beim Berliner Zweitligisten Union Berlin unter Vertrag stehende Michael Parensen weiß genau, warum die Grundschulkids mit weit aufgerissenen Augen zu ihren Fußball-Idolen aufblicken. Schließlich lockt das professionelle Fußballgeschäft mit Wohlstand, öffentlicher Anerkennung und sportlicher Unsterblichkeit. Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So viel, dass man seine eigenen Sprösslinge hinsichtlich der Berufswahl vielleicht lieber noch einmal zur Seite nehmen sollte? Wir trafen uns mit Michael Parensen zum Interview und stellten dem Wahl-Berliner während unseres Gesprächs über Union, Paul Pogba und Hertha BSC die wohl wichtigste Frage aller Kinderfragen: Lohnt es sich Fußballprofi zu werden? Interview: Kai Butterweck

 

Michael, die neue Saison hat gerade begonnen. Ihr seid mit einer Niederlage gegen Bochum gestartet. Du selbst wurdest erst zehn Minuten vor Schluss eingewechselt. Hätten wir lieber einen anderen Termin ausmachen sollen?

(lacht) Nein, völlig ok. Es ist halt, wie es ist. Wir hätten uns natürlich einen besseren Start gewünscht. Aber die Bochumer hatten leider etwas dagegen. 

 

Du hast der Mannschaft nur zehn Minuten helfen können. Ist die Enttäuschung daher umso größer?

Natürlich hätte ich gerne von Beginn an auf dem Platz gestanden. Aber der Trainer hat so entschieden. Das muss ich akzeptieren. Ich bin aber auch reflektiert genug, um zu wissen, was der Grund für meine Nichtberücksichtigung war. Meine Vorbereitung lief nicht gerade optimal. Und dann ist es natürlich verständlich, wenn der Coach lieber einen auf den Platz schickt, von dem er sich momentan mehr verspricht. 

 

Bist du jemand, der mit einer solchen Situation gelassen umgehen kann? Oder hat so eine Niederlage bei dir mehrere schlaflose Nächte zur Folge?

Glücklicherweise geht es ja mit Beginn einer neuen Saison Schlag auf Schlag. Es bleibt also kaum Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken. Ich werde mich weiter im Training reinhängen und dem Trainer zeigen, dass er auf mich setzen kann.

 

Fußballprofi gehört ja neben Rockstar, Schauspieler oder Astronaut zu den Traumberufen eines jeden Kindes im Grundschulalter. Lebst du – ganz persönlich - deinen Traum? Oder gibt’s hin und wieder auch Momente, in denen du das große Ganze gerne mal mit einem normalen „Dasein“ eintauschen würdest?

Nein, die gibt es eigentlich nicht. Sicher, wenn man mal lange verletzt ist, in einer spielerischen Krise steckt oder die Ergebnisse generell nicht stimmen, dann kommt natürlich auch ein Gefühl der Unzufriedenheit hoch. Aber im Großen und Ganzen lebe ich schon meinen Traum. Ich spiele Fußball, bin Teil eines großartigen Vereins mit einer unvergleichlichen Atmosphäre und bestreite mit meiner Leidenschaft auch noch meinen Lebensunterhalt. Im Grunde lebe ich genau das Leben, von dem ich immer geträumt habe.

 

Du würdest also jedem Achtjährigen mit dem gleichen Traum dazu raten, am Ball zu bleiben?

Auf jeden Fall. Wenn das Talent und der Wille vorhanden sind, spricht nichts dagegen. Und man muss natürlich auch ein dickes Fell haben.

 

Warum?

Es gibt keinen Verein auf dieser Welt, der jede Woche gewinnt. Und es gibt auch keinen Spieler, der jede Woche in der Lage ist, das Maximum aus sich rauszuholen. Jeder Spieler durchläuft auch mal schwächere Phasen. Das gehört einfach dazu. Das sind dann Zeiten, in denen man auch mit Kritik umgehen muss. Als Profi steht man nun mal im Rampenlicht. Spielt man schlecht, steht das am nächsten Tag auch ungeschönt in der Zeitung. Man muss sich unbequeme Fragen stellen lassen. Das ist nicht immer einfach. Das ist auch eine Charakterfrage.

 

Apropos Charakter: Viele Fans beklagen eine gewisse Söldner-Mentalität im Profifußball. Julian Draxler beispielsweise hat sich öffentlich darüber beschwert, dass er nicht von Heute auf Morgen von Wolfsburg nach London wechseln darf. Wie siehst du diesbezüglich die Entwicklung?

Da fehlt mir im Einzelfall natürlich das Hintergrundwissen. Grundsätzlich kann ich die Fans aber, vor allem in Bezug auf die horrenden Transfersummen, verstehen. Wenn ein Paul Pogba beispielsweise für über 100 Millionen Euro den Verein wechselt, dann ist das schon mal eine Ansage. Das sind Summen, mit denen jeder Normalsterbliche nur wenig anfangen kann. Man muss aber auch bedenken, dass es auf Champions-League-Niveau natürlich auch um Marketing, Image und Prestige geht. Das ist dann schon nochmal eine andere Welt. Ich, für meinen Teil, bin glücklich, so wie es ist. Ich spiele in einem unvergleichlichen Stadion, bin Bestandteil eines außergewöhnlichen Vereins mit familiärem Charakter und wohne in einer tollen Stadt. Alles super.

 

In dieser tollen Stadt gibt es auch noch einen anderen Profiverein. Dort schlug man neulich erst wieder die Hände vors Gesicht, als man kurz vor dem Lösen des Europa-League-Tickets auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht wurde. Kam da in Köpenick ein bisschen Schadenfreude auf?

Nein, gar nicht. Ich hätte Hertha den Einzug in die Europa-League von Herzen gegönnt. Für die Stadt wäre das eine tolle Sache gewesen. Schade, dass es nicht geklappt hat.

 

Wie sieht’s bei dir mit Zielen aus? Du bist jetzt 29. Wo soll die Reise noch hingehen?

Die eine oder andere Saison in der ersten Bundesliga würde ich natürlich gerne noch mitnehmen. Mal sehen, was die Zukunft noch für mich und Union bereithält.

 

Infos: Alles über den Berliner Zweitligisten FC Union hier: www.fc-union-berlin.de

 



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