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Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre

Autobiografie

24.04.2016

Cover Panikherz
Panikherz von Benjamin von Stuckrad-Barre
1998 löste Benjamin von Stuckrad-Barre mit dem Roman „Soloalbum“ ein mittleres Erdbeben im Feuilleton aus, aber eben nicht nur da: Ein Literatur-Popstar war geboren und plötzlich konnte Lesen ebenso cool sein wie Oasis hören. Die lange Reise vom Göttinger Pastorenkind über Popstar hin zum Popstar-Survivor schildert Stuckrad-Barre jetzt in seiner Autobiografie Panikherz“.

Das Feuilleton diskutierte damals erst einmal, ob so etwas wie Soloalbum überhaupt Literatur sein konnte: so schnell, so oberflächlich, so unverschämt, jede bräsige Innerlichkeit überspringend erzählte Stuckrad-Barre vom Leben eines anfang 20-jährigen Ende der 90er Jahre, der eigentlich alles um sich herum scheiße findet. Bis auf Oasis, ein, zwei Freunde und eine Frau, die ihn aber leider nicht will. 

Es folgten weitere Bücher (Remix, Auch Deutsche unter den Opfern, etc) des unterdessen auch als Journalist schreibenden Stuckrad-Barre, die nach dem selben Muster gestrickt waren: eigentlich Oberflächenbeschreibungen, Mitschriften des deutschen Alltags, die aber durch ihre Genauigkeit so entlarvend waren, dass das Elend der Tiefe offenbar wurde, ohne dass es noch benannt werden müsste. Mit besonderer Vorliebe nahm er sich Personen des öffentlichen Lebens vor: Seine Hinter-den-Kulissen Beschreibungen machten ihn für eine Weile zum wohl meistgehassten Journalisten des Landes. Mitte der 00er Jahre wurde ruchbar, dass Stuckrad-Barre ein solides Drogenproblem entwickelt hatte. Wie er das mit mehreren Anläufen und mit Hilfe seines Idols und unterdessen engen Freundes Udo Lindenberg überwunden hat, davon erzählt dieses Buch.

Beim Dreh des Videos zu „Sonderzug nach Pankow“ begegnet er Udo

Er kehrt dabei auch in seine Kindheit als behütetes Pastorenkind zurück, das schon sehr früh und spätestens als Jugendlicher merkt, dass es nichts als raus will aus dem kirchentagsgeschwängterten Umfeld. Statt Carepakete für Nicaragua zu packen will er nur eins: Das Rockstarleben seiner Vorbilder – wie Udo – führen.  Als Star der Popliteratur gelingt ihm das auch, nur verliert er sich auf dem Weg, auch hier folgt er seinen Idolen, immer mehr in Ruhm und Junk. Beim Dreh des Videos zu „Sonderzug nach Pankow“ begnet er Udo, der den völlig Abgewrackten schließlich unter die Fittiche nimmt. Auch für Udo Fans ist dieses Buch ein Muss: Während sich Benjamin von Stuckrad-Barre eine regelrechte Udo-Philosophie zusammenstrickt, mit der er sich langsam wieder aufrichtet, gewinnt mal als Leser einmalige Einblicke ins Leben von Udo Lindenberg.

Für Stuckrad-Barre Fans seines Jahrgangs ist „Panikherz“ auch ein bisschen wehmütig – nun sind wir nicht mehr 20. Aber, hurra, wir leben noch, und „Stucki“ auch. Beobachten und schreiben kann er immer noch wie ein junger Gott.

Infos: Benjamin von Stuckrad-Barre: Panikherz, Kiepenheuer&Witsch 2016, 576 Seiten, 22,99€



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