„Sport ist Stadtentwicklung“

ALBA Berlin

09.12.2015

Henning Harnisch
Henning Harnisch von ALBA Jugend
Die ALBA Jugend ist 10 Jahre alt geworden. Eng verbunden mit den Profis, erweitert der Verein den Radius des Clubs auf die ganze Stadt: Die ALBA Jugend ist einer der größten Player in der Jugendarbeit in Berlin. Interview mit dem Vizepräsidenten und Ex-Profi-Basketballer Henning Harnisch 

Erster Eindruck: Du bist wirklich groß. Muss man so lang sein, um Profibasketballer zu sein?

Also meine 2 Meter 2 sind eher Durchschnitt im Profi-Basketball. Aber jeder und jede kann Basketball spielen. Ab einem bestimmten Level hilft Größe natürlich, es kommt jedoch auch auf Beweglichkeit und Flinkheit an. Basketball ist ein intelligentes Spiel. Man braucht Kopf und Spaß dazu. 

Erzähl mal, was die ALBA Jugend so macht in Berlin. 

Wir haben zum Beispiel das Programm „ALBA macht Schule“ initiiert, das vom Senat unterstützt wird und dem sich mittlerweile die anderen Profivereine wie Hertha, Union und Eisbären unter dem Titel „Profivereine machen Schule“ angeschlossen haben. Wir bieten Schulen an, dass Jugendtrainer unserer Vereine den Sportunterricht unterstützen und Extraangebote wie AGs oder Camps organisieren. Das ist natürlich für die Kids toll, da ist plötzlich jemand von den großen Vereinen in der Schule, und der verteilt noch nicht einmal Noten ... Außerdem gibt es bei der ALBA Jugend Feriencamps, wir richten die ALBA Grundschulliga und ALBA Oberschulliga aus, haben ein Austauschprogramm mit Jugendlichen aus China, um nur einige wenige Projekte zu nennen. 

Man könnte kritisieren, ihr wollt euch mit der Förderung an Schulen nur die Talente herausfischen.

Es geht darum, möglichst viele Kinder in den Sport zu bringen. Wir versuchen, eine systematische Förderung zusammen mit Schulen und Kindergärten aufzubauen, denn sonst bleibt das immer Zufall, abhängig davon, ob es Eltern oder Lehrer gibt, die Sport pushen. Und zum Thema Talente herausfischen: Im Fußball wird ja etwas umgesetzt, was in der Logik des Profisports funktioniert, nämlich die zu finden, die den Sprung ins Profilager schaffen. Aber das ist ja immer nur einer von 10.000 und es wird nie gefragt, was mit denen ist, die nicht Profis werden. Unsere Idee ist anders. Natürlich wollen auch wir unbedingt den einen oder die eine finden, die später ALBA-Profis werden. Aber wir wollen auch die anderen 9.999 mit uns wachsen lassen. Es wäre ja nicht normal, wenn ein 14jähriger, der merkt, er wird kein Profi, mit dem Sport deshalb aufhört. 

Wie viele Jugendliche und Kinder trainiert ihr? 

Wenn man die Kinder zählt, die mindestens einmal die Woche einen ALBA-Trainer sehen, sind es etwa 3300 in Berlin und Brandenburg. Mittlerweile gibt es 120 ALBA-Jugendtrainer. Unterdessen ist die ALBA Jugend so stark gewachsen, dass schon die Trainingsorte knapp werden. 

ALBA Jugend
ALBA Jugend
Ihr seid in allen Bezirken der Stadt vertreten, aber Sport kann gerade für Jugendliche und Kinder, die es sozial schwer haben, eine riesige Chance sein. Du als Ex-Profi: Was lernt man auf dem Spielfeld fürs Leben? 

Man kommt bei dieser Frage immer gern mit Sekundärtugenden, die man dem Sport zuschreibt, soziales Lernen, Disziplin, Gewaltprävention und solche Dinge. Für uns steckt in dem Spiel selbst eine kulturelle Leistung. Wenn ein Kind ein Spiel kennenlernt, sich aneignet, passiert da wahnsinnig viel. Trifft man später die Jugendlichen, die das Spiel drauf haben, die im wahrsten Sinne des Wortes Spieler sind, dann merkt man denen das an. Das hat etwas identitätsstiftendes, etwas, das Haltung gibt, egal ob sie später Profis werden oder nicht. Das war immer mein Traum: Durch die Stadt gehen und sehen, aha, da drüben, die drei, das sind Spieler. Und es funktioniert: In Wedding arbeiten wir an einer Grundschule, an der die meisten Kinder aus sehr schwierigen sozialen Verhältnissen kommen und die normalerweise nicht in einen Sportverein gingen. Unterdessen gibt es dort ein Schulvereinsteam, und das ist schon richtig gut. Einer der Jugendlichen der Schule wird jetzt zum ALBA-Jugendtrainer ausgebildet. Für mich ist diese Form der Sportförderung ein Medium der Stadtentwicklung. Wichtig ist aber, dass dieses Engagement dauerhaft ist. Kennst du den Film „Rhythm Is It!“? Der zeigt, wie der Dirigent Sir Simon Rattle und seine Berliner Philharmoniker zusammen mit sogenannten Problemschülern in kurzer Zeit eine wahnsinnig gute Show auf die Beine gestellt haben. Da spürt man eine irre Dynamik und ein riesiges Potenzial. Aber wenn so ein Projekt nach einem Jahr wieder vorbei ist, was ist das für ein katastrophales Zeichen für die Jugendlichen? Und um Kontinuität zu haben, brauchen wir starke Partner. 

Wer sind die Partner? 

Das sind neben dem Senat Unternehmen, wie städtische Wohnungsbaugenossenschaften, mit denen wir in ihren Gebieten arbeiten. Und es wird immer deutlicher, dass das klappt und die Leute vor Ort davon profitieren. Daher gewinnen wir mehr und mehr Partner. Aber wir brauchen jetzt noch einen Hauptsponsor! 

Man merkt, du brennst für deinen Job. Was sind für dich die schönsten Momente bei der ALBA Jugend?

Ich sag ja immer, das kann man nicht beschreiben. Man muss vorbeikommen und es erleben, dann weiß man es. 


INFOS: www.albaberlin.de/jugend 

 

 



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