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Studium und Ausbildung: Was tun gegen den Prüfungsstress?

Tipps gegen die Prüfungspanik

21.02.2016
Autor: urbanite 

Prüfungsstress
Wenn der Stress überhand nimmt - ein paar einfache Tricks können schon helfen
Schlaflose Nächte, überhitzte Köpfe, keine freien Plätze in der Bibliothek. Das sind  Anzeichen, dass die Prüfungen nahen. Denn erst wenn das Semester zu Ende geht, beginnt die heiße Phase. Was aber, wenn die Belastung zu groß wird und sich die Angst zu versagen nicht vertreiben lässt? 
Text: Hendrik Rohling

Die Hände und Beine fangen an zu zittern, das Herz rast, dir ist furchtbar übel. Du sitzt in einer Klausur, an der du schon zweimal gescheitert bist. Aus Angst hast du den dritten und entscheidenden Versuch ganz ans Ende des Studiums geschoben. Alles andere ist mit guten Ergebnissen bestanden und abgehakt. Aber wenn du jetzt versagst, wird das alles auf einen Schlag bedeutungslos. Niemandem ist zu wünschen, in so einem Szenario zu stecken. Selten steht bei einer Prüfung so viel auf dem Spiel wie in diesem Albtraum.

Ein Viertel der Studierenden erlebt Prüfungsängste

Dennoch kennen viele Studierende das Gefühl, nicht nur ein erlerntes Fachwissen, sondern sie selbst würden auf dem Prüfstand stehen. Nach einer Umfrage des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erlebt mehr als ein Viertel der Studierenden Prüfungsängste.

Häufig lernt man erst im Laufe des Studiums, wie man mit dem Lernpensum und Druck am besten umgeht. Wer denkt in Prüfungsphasen manchmal nicht: Hätte ich mal früher mit der Vorbereitung angefangen. „Falsche Vergleiche mit anderen (Die sitzen zwölf Stunden in der Bibliothek!) und der vielleicht unrealistische Blick auf eine Mindestpunktzahl machen Stress“, sagt der Diplom-Psychologe Holger Walther, der an der Humboldt-Universität Studierende berät. Gleiches gilt etwa für diejenigen, die ihren Lebensunterhalt selbst verdienen müssen, aber dennoch in der Regelstudienzeit fertig werden möchten. Die Psyche wehrt sich in solchen Fällen mit Stresssymptomen.

Einfache Rezepte, mit denen sich der Stress reduzieren lässt

Dabei gibt es ein paar einfache Rezepte, mit denen sich der Stress nicht ganz vermeiden aber doch reduzieren lässt. Gerade wenn sich die Prüfungen auf einen kurzen Zeitraum konzentrieren, reicht es nicht, nach der einen Prüfung anzufangen, um für die nächste zu lernen. Das heißt, früh genug loslegen, sich einen ort suchen, an dem man gut lernen kann und mit Kommilitonen eine Lerngruppe bilden. Häufig gilt auch die Devise: Weniger ist mehr. Das heißt, statt den ganzen Tag in der Bibliothek herumzusitzen, ohne viel zu schaffen, lieber nur ein paar Stunden intensiv zu pauken. Sinnvoll ist ebenfalls, das Lernpensum in kleine Häppchen einzuteilen und erreichte Zwischenziele abzuhaken. Nicht zu vergessen: Belohnungen gönnen, Pausen einplanen und herausfinden, wie man in dieser Zeit am besten entspannen kann.

Schon im ersten Semester mit den Anforderungen vertraut machen


Und was ist eigentlich der schlimmste Fall, der eintreten kann? In den wenigsten Fällen droht ein Studium an einer einzelnen Prüfung wie im obigen Szenario zu scheitern. Hilfreich ist es, sich schon im ersten Semester mit der Studien und Prüfungsordnung vertraut zu machen und die Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Wer die Durchfall- und Abbrecherquoten in einigen Studiengängen kennt, muss sich nicht schlecht fühlen, eine einzelne Prüfung wiederholen zu müssen.

Wegen des erhöhten Oxytocinspiegels hilft auch Sex

Am Tag der Prüfung hilft es wenig, noch Neues zu lernen. Denn es zählt vor allem die Tagesform, damit man das Wissen auch abrufen kann. Deshalb ausreichend schlafen. Um entspannter in eine Prüfung zu gehen, hilft übrigens wegen des erhöhten oxytocinspiegels auch Sex mit einem Partner. Und ein bisschen Aufregung vor einer Prüfung schadet überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil.

„Lampenfieber ist gesund und steigert unsere Leistungsfähigkeit. Es nimmt nach wenigen Minuten deutlich ab und ermöglicht eine intensive Arbeitshaltung“, sagt Walther. Davon zu unterscheiden sei die Prüfungsangst. „Prüfungsangst wird durch negative Gedanken und Einstellungen ausgelöst. Dafür wird wertvolle Energie verbraucht. Und wir werden flucht- und kampfbereit. Die negativen Gedanken stören außerdem die intellektuelle Arbeit.“

Das Studentenwerk bietet Hilfe an

Prüfungsängste gehören neben Motivationsproblemen und Überforderung zu den häufigsten Gründen, warum Studierende die psychologischen Beratungsstellen der Unis und des Studentenwerks aufsuchen. In einem Beratungsgespräch wird geklärt, woher die Prüfungsängste kommen. Verweisen sie darauf, dass etwa zu wenig Zeit zum Lernen zur Verfügung stand? Wenn aber nicht? Wie lässt sich dann erreichen, dass trotz einer guten Vorbereitung das Bild des Scheiterns nicht zu einer Prophezeiung wird, die sich selbst erfüllt? Wer nach Prüfungsangst googelt, findet häufig den Ratschlag, negative durch positive Gedanken zu ersetzen. Das klingt so ähnlich, wie einem Depressiven zu raten, nicht immer so traurig zu sein. „Ängste gehen nicht von allein weg oder man meint, man gewöhne sich an etwas mit dem Sprung ins kalte Wasser. Das Gegenteil wäre der Fall: die Ängste würden stärker werden“, sagt Walther.

Ganz so einfach ist es häufig nicht, sich seiner eigenen Fähigkeiten zu versichern, ein realistisches Bild über den eigenen Lernstand zu gewinnen und an das erfolgreiche Bestehen der Prüfung zu glauben. Es erfordert die Bereitschaft, sich mit seinen eigenen Ängsten auseinanderzusetzen. Eine Gruppentherapie bietet regelmäßig das Studentenwerk an. Zur Selbsthilfe hat Holger Walther einen Ratgeber geschrieben, der ein Studium ganz ohne Prüfungsangst verspricht („ohne Prüfungsangst studieren“, UtB). “


Kontaktdaten und Sprechzeiten der  Beratungsstellen finden sich unter:

www.studentenwerk-berlin.de/bub/pp_beratung

www.hu-berlin.de/de/studium/beratung/psyber

www.fu-berlin.de/sites/studienberatung/ psychologische_beratung

www.studienberatung.tu-berlin.de/menu/beratung



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