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Heilstätten Beelitz werden nun saniert - aber ein Teil bleibt Ruine

"Kein Geisterbefall"

01.04.2016

Refugium Beelitz
Hier soll bald wieder gewohnt und gelebt werden: Seitenflügel im Refugium Beelitz
Die Beelitzer Heilstätten, circa 30 Kilomter südwestlich von Berlin gelegen, dienten ab 1903 der Behandlung der Tuberkulose. „Du kriegst die Motten“, sagte der Volksmund, da man sich vorstellte, dass die Krankheit die Lunge zerlöchern würde wie Motten die Wolle. Opfer waren hauptsächlich Bewohner der Arbeiterbezirke, deren Wohnungen es aufgrund der Enge fast unmöglich machten, sich nicht mit Tuberkulose anzustecken. Auch später hatte das Gelände eine wechselhafte Geschichte: In den Weltkriegen wurde es als Lazarett genutzt, zu DDR-Zeiten war es das größte Militärhospital, das die Sowjetunion im Ausland hatte. Nach der Wiedervereinigung lockte das unterdessen zur Ruine verkommene Gelände als „lost place“ Fotografen aus aller Welt an. Heute ist ein Teil der Gebäude bereits saniert und dient wieder als Krankenhaus, ein anderer ist Kulisse der Filmstudios Babelsberg und ein dritter soll Ruine bleiben, die per Laufsteg in 20 Metern Höhe besichtigt werden kann. Drei weitere Häuser werden nun durch einen Privatinvestor dem Dornröschenschlaf entrissen. Es wird bereits saniert, Ende 2016 sollen die Eigentums- und Mietwohnungen des „Creative Village“ bezugsfertig sein. Entwickler und Investor Frank Duske hat laut Interview eine ganz bestimmte Zielgruppe anvisiert.

 

Für welches Klientel sanieren Sie in Beelitz?


Zusammen mit meinem Kompagnon Jan Kretzschmar entwickeln wir das Gelände für Kreativschaffende. Nicht unbedingt nur Künstler, sondern alle, die in kreativen Berufen arbeiten, das können Agenten sein, Journalisten, Illustratoren, Architekten. Wir haben in unseren Recherchen entdeckt, dass es viele Leute in den angesagten Bezirken Friedrichshain, Neukölln und Kreuzberg gibt, die eigentlich gern rausziehen würden. Aber es gibt im Umland nicht viel. Nach Tempelhof oder Britz zu ziehen, das ist für jemanden, der aus den zentralen Bezirken kommt, zu spießig.

 

Wie viele Wohneinheiten planen Sie und wie werden die Preise im Vergleich zu Berlin sein?


Wir planen 38 Eigentums- und zwölf Mietwohnungen. Wenn Sie in Kreuzberg heute eine schöne Wohnung kaufen wollen, liegen Sie bei 4000 Euro pro Quadratmeter. Da sind unsere Preise mit im Schnitt 2070 Euro pro Quadratmeter eher ein Witz. Die Gebäude haben einen wesentlich höheren Wert, den wir im Umland im Moment nicht erzielen können. Die Kernsanierung ist profund, aber alle Extras haben wir gestrichen. Die Gebäude selbst sind so schön, da braucht man keine goldenen Türklinken.

 

Refugium Beelitz
Ein Entwurf des Innendesigns einer Wohneinheit im Refugium Beelitz

Trotzdem wird Beelitz dann nur etwas für Leute mit Geld sein.


Das sagen sie so. Und natürlich wird sich jemand, der HartzIV bezieht, dort keine Wohnung leisten können. Aber die meisten unserer Interessenten sind Selbstständige oder Angestellte, die eher mittlere Einkommen haben. Das sind keine Reichen, verfügen aber zum Beispiel über einen vorgezogenen Erbteil, das ist ja etwas, was heute sehr viele machen. Kommen dann noch günstige Zinsen dazu, dann geht’s.

 

Wird es denn in Ihrem Teil des Geländes irgendwelche öffentlichen Orte geben, die man besuchen kann, Bars, Cafés oder ähnliches?


Nein, das wird ein reines Wohngebiet. Aber viele Bereiche der Heilstätten sind öffentlich, wie das Krankenhaus, das komplett saniert ist. Das ist architektonisch und historisch sehr beeindruckend, denn mit dem Krankenhaus haben sie ein perfekt wiederhergestelltes Gebäude aus der Jahrhundertwende. Und ein paar hundert Meter weiter steht quasi das gleiche Gebäude, aber völlig verfallen. Es gibt auf dem Gelände auch eine Gaststätte, das Landhaus Gustav, gebaut in der ehemaligen Desinfektionsanstalt. Innerhalb der nächsten zwei Jahren soll eine Brauerei hinzukommen. Die Heilstätten Beelitz haben jetzt einen kritischen Punkt erreicht, die Zeit der verschlafenen Ruinenstadt ist es jetzt einfach vorbei.

Für die Fotografen, die aus aller Welt nach Beelitz kamen, ist es dann vorbei mit einem einzigartigem Motiv.
 

Ja und nein. Legal durfte man ja nie hinein, auch wenn‘s natürlich gemacht wurde. Aber zumindest in unserem Abschnitt geht das jetzt nicht mehr, da dort jetzt eine Baustelle ist. Es wird aber noch geführte Fototouren in dem Teil geben, der Ruine bleibt.

 

Es werden Geschichten über Geister in den Heilstätten erzählt, haben Sie schon einen getroffen?

 

Im Qadranten C des Geländes war der Gefreite Hitler mit seiner Kniewunde im ersten Weltkrieg untergebracht, Erich Honecker saß in Quadrant B, dann ermordete hier Anfang der 90er der als Rosa Riese bekannt gewordene Wolfgang Schmidt die schwangere Gattin eines Klinikarztes. 2008 tötete ein Fotograf sein Modell während einer Fotosession. Genug Stoff für Spukgeschichten. Aber wir haben aber das große Glück, bei uns in Quadrant D keinen Geister- befall zu haben.

 

Keine Geister in Quadrant D? Klingt ja, als gäbe es in den anderen Gebäuden welche!

 

Nein, aber wir müssen natürlich auf die Geschichten reagieren, die Journalisten erzählen. Derjenige, der Beelitz besucht, wird vielleicht merken, dass es dort sehr verwildert ist. Aber wenn er vorher gelesen hat, da spukt‘s, dann spukt es eben, denn das findet im Kopf statt. Es gibt diese Geschichten, aber keine Geister. Und die Energie ist in Beelitz von Natur aus gut, denn man hat die Heilstätten ja mit Absicht mitten in den Wald gesetzt. Die Patienten, meist Arbeiter und kleine Angestellte, sollten aus der dichten, lauten, dreckigen Stadt herauskommen, die meisten das erste Mal in ihrem Leben. Es gibt geisterhaftere Orte, etwa das Olympische Dorf in Wustermark.

weitere Infos: www.refugium-beelitz.de



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