7 Fragen an: Anna Mateur

7 Fragen an: Anna Mateur

Februar 2016 - Eine Sängerin und Texterin im Interview

22.02.2016
Autor: Kaddi Cutz

Jeden Monat stellt euch urbanite andere interessante Dresdner Persönlichkeiten vor. Diesmal im Dezember 2015: die Sängerin und Textschreiberin Anna Mateur.

 

7 Fragen an: Anna Mateur
Anna Mateur
Steckbrief von Anna Mateur

 

Geburtstag: 11. September 1977

Geburtsort: Dresden

Beruf: Sängerin, Texterin, Schauspielerin und Zeichnerin

Wohnort: Dresden Neustadt

Ausbildung: Musikstudium

 

 

Seit 2003 sind „Anna Mateur and the Beuys“ unterwegs und haben mit ihrer Formation zahlreiche Preise eingeheimst. Wenn sie nicht gerade auf Tour ist oder Songtexte für Bühne und Radio schreibt, gilt Annas Leidenschaft Systemen zwischen Ordnung und Chaos – und genau diesem Thema widmet sie seit einem Jahr eine eigene Show.      

 

 

Dein Büro für Ordnung und Chaos hat gerade Geburtstag gefeiert. Wie chaotisch war’s denn tatsächlich im ersten Jahr?

 

Das Chaos überwiegt noch. Aber das war abzusehen. Wir starten monatlich und es ist immer eine komplett neue Show mit neuen Bildern, Gästen, Geschichten, Filmen, Songs und Aktionen und einem PlemPlemSlam in einer anderen Sprache. Da braucht es noch Zeit, bis jeder seinen Platz gefunden hat. Wir probieren immer noch aus und lassen viel Spielraum für Impro. Das macht Spaß, ist aber auch oft ein Affentanz. Man kann ganz schön Federn lassen, aber die besten Momente entspringen oft aus dem, das man einfach geschehen lässt. Wenn man alles vorher festlegt, wird nichts Neues entstehen.

 

 

Auf welche Momente schaust du am liebsten zurück und wie geht’s im neuen Lebensjahr weiter?

 

Ich habe viele neue Freunde gefunden und kenne mich nun bestens aus mit sächsischen Kleinstädten wie Niesky, Eilenburg, Meerane oder Roßwein. Da strickt der Bär! Meine Kritzelzeiten und wir stricken jetzt alle. Ich habe gemerkt, dass ich gern unter Leuten bin, während jeder vor sich hinmuddelt. Stark inspiriert vom Hutzn im Erzgebirge. Tiefstes Sächsisch. Ich kann nichts dafür. Man sollte das Ganzjahreshutzn einführen.

 

 

2015 erschien dein Wehwehchenatlas. Dort begleiten wir die Protagonistin auf ihrer verzweifelten Suche nach Perfektion. Wieso hast du gerade „Selbstoptimierung“ zum Thema für dein erstes Buch gemacht?

 

Ich habe schon so viele Geschichten geschrieben, erzählt oder gezeichnet, aber das noch nie in einem Buch festgehalten. Alles liegt verstreut in meiner Wohnung. Irgendwo wollte ich anfangen, endlich mal meine Geschichten in Ruhe zu illustrieren. Ich hatte die Geschichte im „Screenshots“, dem Programm für Stimme, Edding, Cello und Gitarre, ja schon live auf der Bühne gezeichnet. Da hat man noch ein ganz anderes Timing. Ich habe das Gefühl, dass viele versuchen, perfekt zu sein. Möglichst eigen, aber dabei sich selbst verleugnen. Nein: Sei du selbst, sei so individuell es nur geht – wir helfen dir dabei! Das fand ich spannend und daraus habe ich eine Geschichte gemacht. Ein Apfel ist keine Banane. Die Banane ist nicht besser als der Apfel. Und umgekehrt. Es ist mein erster Versuch, meine Geschichten in dieser Art öffentlich zu machen. Und ja: Es ist ein unperfekter Versuch, eine Geschichte über eine Außenweltkontrollsüchtige zu „schreichnen“. Und selbst dabei erwische ich mich, wie ich fasziniert von „Lass es wie es ist“ und „Neeeinn!!! Die Seitenaufteilung kann ich sooo nicht stehenlassen!“ schwanke. „Was bleibt, wenn ihr geht, das wollt ihr nicht wissen: Zähne, Knochen... Silikonkissen.“ – aus meinem Song „Amsel“.

 

 

Ist das ständige Streben nach Perfektion eher ein Frauenproblem?

 

Nein. Ganz und Gar nicht. Es ist wohl ein kommerzielles Problem. Wenn man nicht ständig eingeredet bekäme, dass man nicht perfekt ist und dass dies ein Manko sei, welches es zu beseitigen gälte...Dann die ganzen Dienstleistungen, die sich daran dumm und dämlich verdienen. Unser Jugendwahn. Keiner will aussehen, als hätte er schon gelebt. Ich glaube, die Dame in meinem Erwachsenenbilderbuch hat eher zu viel Ordnung im Kopf, versucht ihre Außenwirkung bis ins Kleinste auszudefinieren und zu kontrollieren. Wir haben jetzt Botox in den Lippen und farbige Kontaktlinsen, Permanent Makeup, Haarverlängerung und angeklebte Wimpern. Was kommt als nächstes? Stimmlippentuning?

 

 

Du engagierst dich regelmäßig karitativ – wo siehst du die Verantwortung als Künstler, auch zu gesellschaftspolitischen Fragen offen Stellung zu beziehen?  

 

Künstler sind Übersetzer vom Bauch zum Kopf. Vom Kopf zum Bauch. Wir sind kreativ, offen und flexibel, was Umbrüche betrifft. Künstler stellen in Frage. Das gehört zu unserem Job. Wenn wir auf die Bühne gehen und alle schon wissen, was passiert, dann gähnen sie, gehen, oder aber sie trinken Bier und klatschen. Letzteres wäre die volksthümelnde Ecke. Da gehört das Nachvollziehbare zum Konzept, sonst würden die Leute unruhig. So etwas hat auch seine Berechtigung, aber nicht, wenn es nur um Abhocke von Muttchen geht. 

 

 

Anna Mateur ist das, was man allgemeinhin als Multitalent bezeichnen würde. Was kannst du eigentlich nicht?

 

Multitalent klingt immer ein bisschen wie ein Familien-Van. Wobei, wenn ich ein Auto wäre... ja. Dann trifft‘s das wohl. Doch ich kann dermaßen viele Sachen nicht. Fang ich mal bei A an: Angeln, Angst haben, Arschficken, Abnehmen, Algen züchten, Astlöcher zeichnen, Argentinien in drei Sätzen beschreiben, Atombomben bauen, Anständig sein, Armenisch sprechen, Armdrücken, Ärmelkanal durchschwimmen, Amseln, Akten abarbeiten, Ampeln übersehen, Armleuchter auf drei Euro runterhandeln, und das war noch nicht alles.

 

 

Und B?

 

BH von hinten schliessen ohne ihn auszuziehen, Bräute beruhigen, Blesshühner foppen, Barfuß über glühende Kohlen latschen, Bunsenbrenner einstellen, Bafög beantragen, Bargeld abheben (zumindest heute nicht), Bernsteinzimmer restaurieren, Betrunken Autofahren, Beuteschema entsprechen, Brutal um mich schlagen, Brezeln essen, Botox spritzen, Bewerbungen verschicken, Bockspringen, Bild lesen, Buxbaum züchten, Belgische Waffeln bereiten, Brettspielregeln erklären, usw.



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