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7 Fragen an: Frauenkirchenpfarrerin Angelika Behnke

"Die Erwartungen an die Frauenkirche sind hoch und teilweise widersprüchlich"

02.10.2017

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Die erste Pfarrerin der Frauenkirche: Angelika Behnke


Geburtsjahr
: 1. März 1973

Geburtsort: Wriezen

Ausbildung: Studium der Evangelischen Theologie

Beruf: Pfarrerin

Vorbilder: Arnold Schwarzenegger & Dave Grohl

Motto: Immer weitermachen

 

Das Pfarrer-Team an der Frauenkirche ist wieder komplett. Neben Pfarrer Sebastian Feydt ist seit Ende November 2016 nun auch Angelika Behnke in der symbolträchtigen Kirche tätig. Damit ist sie die erste Frau in der Geschichte des Dresdner Gotteshauses, die ein solches Amt bekleidet. Neben Taufen und Trauungen leitet und betreut sie die Seelsorgearbeit, gestaltet Glaubenskurse für Erwachsene und pflegt u.a. auch ökumenische Kontakte. 

 

1. Seit November sind Sie jetzt in Dresden. Sind Sie angekommen?

Beruflich auf jeden Fall. Privat braucht es da noch ein bisschen Zeit, um Stadt und Umgebung etwas mehr zu erkunden.

 

2. Sie sind die erste Pfarrerin in der Frauenkirche. Die mediale Aufmerksamkeit fiel dementsprechend aus. Können Sie mit dieser Aufregung etwas anfangen?

Ich kann schon nachvollziehen, dass die Aufmerksamkeit sehr groß ist, die wäre aber auch bei jedem männlichen Bewerber groß gewesen. Die Frauenkirche ist ein fester Bestandteil Dresdens mit einem hohen Identifikationsfaktor. Deshalb interessieren sich die Menschen dafür, wer an der Frauenkirche arbeitet. Auf meine Person bezogen, hätte ich allerdings nicht gedacht, dass diese Aufmerksamkeit so lange anhält. 

 

3. Die Berichterstattung fokussierte sich aber schon stark auf ihr Geschlecht. Sehen Sie sich da als Frau in einer besonderen Rolle?

Nein, und das betone ich auch immer wieder. Mir geht es um die Begabungen und darum, dass jemand zum Ort passt – egal ob Mann oder Frau. Aber natürlich ist es auch ganz charmant, dass die Frauenkirche nicht nur den Namen trägt, sondern nun auch offiziell eine Frau im Pfarramt hier ihren Dienst tut. An manche Dinge gehe ich in der Tat anders heran, als es ein Mann vielleicht tun würde. Das wird schon sehr genau und zum Großteil auch positiv wahrgenommen. Natürlich gibt es aber auch solche, die in der Ecke sitzen und meinen, ich sei keine richtige Pastorin. Das wird zum Teil mit solch „schlagkräftigen Argumenten“ untermauert wie „Frauen können nicht Pfarrerin sein, weil sie nicht singen können“. Das Gegenteil kann ich ganz gut beweisen (lacht).

 

4. Wieso sollte es für Sie ausgerechnet Dresden und die Frauenkirche sein?

Bis zum zweiten Examen war ich an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin tätig und dort habe ich Großstadt- und Citykirchenluft geschnuppert. Dort ist die Situation anders als in kleineren Gemeindekirchen, wo die Hemmschwelle eines Besuchs für Konfessionslose recht hoch ist. Citykirchen werden hingegen in erster Linie als touristische Attraktion wahrgenommen. Wenn dann hinter der Kirchentür noch etwas Geistliches passiert, also Inhalte vermittelt werden, ist es sehr wichtig, dass dies in wenigen Minuten passiert.

Genau das ist die Herausforderung einer Citykirche, die mich außerordentlich reizt: Das wechselnde Publikum und die Begegnungen, die auf den Punkt gelingen müssen. Wir sind ein Gotteshaus mit einer Botschaft, die für alle da ist. Es soll kein Insiderwissen nötig sein, sondern in wenigen Minuten muss verständlich werden, wofür diese Kirche steht – unabhängig davon, woran jemand glaubt. 

  

5. Sie wurden bereits im Vorfeld viel zu Ihrer Entscheidung befragt, oft auch im Kontext von Pegida und den Problemen, die Dresden damit hat. Sie sagten immer, Sie möchten erst mal ankommen, keine Ferndiagnosen geben und zunächst unvoreingenommen zuhören. Was haben Sie denn bisher gehört?

Ich befinde mich weiterhin in der Beobachterrolle. Ich merke, dass es das Leben hier schon beeinflusst, wenn sich montags auf dem Neumarkt oder wahlweise dem Altmarkt versammelt wird. Manchmal werden auch Veranstaltungen in der Kirche lautstark beeinträchtigt. Für mich ist bedeutend, dass die Frauenkirche für die Friedensbotschaft steht, aktiv vermittelt und sich nicht von denen, die anderer Meinung sind, davon abbringen lässt. Das ist meine momentane Einschätzung. 

  

6. Kommt man mit einer Botschaft von christlicher Nächstenliebe und Toleranz noch gegen pöbelnde Menschen an, die „Merkel muss weg” skandieren?

Wichtig ist, die Leute als Menschen zu sehen und sie als solche zu akzeptieren, zu tolerieren und mit diesem Respekt auf sie zuzugehen. Wenn das aber vom Gegenüber verletzt und unterlaufen wird und menschenverachtende oder auch verfassungswidrige Äußerungen fallen, dann ist für mich ein Punkt erreicht, wo ich mir sehr genau überlege, mit wem ich spreche. 

 

7. Es gibt ein paar Kritiker der Frauenkirche, die meinen, die Frauenkirche nutze ihre Symbolkraft als Mahnmal der Versöhnung nicht ausreichend, um auch mal eine politische Botschaft auszusenden. Würden Sie das gerne ändern?  

Die Erwartungen an die Frauenkirche sind hoch und teilweise widersprüchlich. Manchem ist das, was wir tun, schon zu viel politische Botschaft, anderen wiederum zu wenig. Wir werden daher nie allen Vorstellungen gerecht werden können. Schauen wir doch mal, was wir machen und was unsere Botschaft ist: Frieden, Versöhnung, Glaube, Hoffnung. Diese könnte vielleicht an mancher Stelle noch ein bisschen profilierter sein, aber ich denke, wir leisten gute Arbeit und stellen uns dieser Herausforderung tagtäglich. Möglicherweise machen wir das weniger auffällig, als es sich der eine oder andere wünschen würde, aber wir tun es – nicht effekthascherisch, sondern kontinuierlich und nachhaltig



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