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7 Fragen an FuckUp Nights Veranstalter Sören Frost

"Es ist notwendig, dass sich eine Fehlerkultur etabliert."

13.03.2017

Sören Frost veranstaltet die FuckUp Nights in Dresden
Sören Frost veranstaltet die FuckUp Nights in Dresden

Geburtstag: 1973

Wohnort: Dresden

Beruf: Unternehmer & Gründungsberater

Ausbildung: Studium der Betriebswirtschaftslehre

Motto: einfach machen

 

Sören Frost begleitet und berät mit seinem Unternehmen Gründernest zahlreiche Start-Ups und Jungunternehmer. Seit April 2016 veranstaltet er die FuckUp Nights in Dresden. Die nächste Veranstaltung findet am 16. März im Hygiene-Museum statt. Das Format stammt ursprünglich aus Mexiko und wird in den letzten Jahren in allen Teilen der Welt mächtig gefeiret. Und dass, obwohl einen Abend lang ausschließlich Misserfolge und Fehler im Vordergrund stehen. Wie passt das zusammen? Wir haben nachgefragt.

 

1. Wie kann man sich eine FuckUp Night vorstellen?

An einem Abend stellen sich drei Unternehmer oder Gründer, die einmal vor einer Herausforderung standen, etwas ausprobiert haben und gescheitert sind, auf die Bühne und erzählen davon. Fehler, die gemacht worden, werden sozusagen einem breiten Publikum vorgestellt. Im Grunde geht es darum, für eine gewisse Fehlerkultur einzutreten und darauf aufmerksam zu machen. Denn wenn man etwas anpackt und ein Ziel verfolgt, muss man auf dem Weg dahin Fehler machen – sonst kann man nicht lernen. Oder anders gesagt: Nur wer Fehler macht, weiß, was er anders und richtig machen muss.

 

Davon haben beide Seiten etwas: Das Publikum lernt daraus, schließlich muss man ja nicht jeden Fehler selber wiederholen – und tatsächlich fühlen sich auch die Speaker danach besser, einfach weil darüber geredet wurde. Zumindest kam das immer als Feedback (lacht). Und natürlich ist es eine Netzwerkveranstaltung. Das Publikum kann untereinander auch erkennen, wer Gründer, Unternehmer, Investor ist, sodass man relativ schnell ins Gespräch kommt. Und seit neuestem gibt es in den Pausen auch Themeninseln. So finden Personen, die sich für ein Thema interessieren, schneller zusammen.

 

>> Also ist es vor allem eine Veranstaltung für Gründer oder jene, die eine Gründung planen?

Ja und nein. Bei Gründern ist der Anteil an Annahmen natürlich viel größer als bei Unternehmern. Für Unternehmer, die innovativ sein wollen, ist es aber heute notwendig, eine Fehlerkultur im eigenen Unternehmen zu etablieren. Lasse ich keine Fehler zu, aus denen gelernt werden kann, verhindere ich neue Ideen, die mir vielleicht einen Marktvorsprung ermöglicht hätten. Die FuckUp Nights sind also für alle, die Fehler als Möglichkeit des Vorankommens betrachten.

 

2. Wie schwierig ist es denn, gescheiterte Menschen auf die Bühne zu bringen?

Das ist nicht ganz so einfach. Eigentlich ist es die größte Herausforderung an der Veranstaltung (lacht). Man schaut ständig: Gibt es da jemanden, kennt jemand jemanden, der jemanden kennt? Mittlerweile ist es schon zum Sport geworden, dass die anderen FuckUp Nights einander abgrasen. Das ist okay, überhaupt nicht schlimm. Es ist eben das schwierigste, die Leute zu finden. Man muss auch immer aufpassen, denn wenn sie gerade erst gescheitert sind, ist es noch zu früh, dann ist keiner bereit, bei den FuckUp Nights mitzumachen. Und ist es schon zu lange her, dann fehlt möglicherweise die Relevanz und es ist zu weit weg.

 

3. Sind die Speaker immer Menschen, die jetzt wieder erfolgreich sind?

Immer. Mit Gescheiterten kann man eigentlich nicht sprechen, weil man an die quasi gar nicht rankommt. Man findet sie gar nicht. Aber jeder dieser Unternehmer gelangte an einen Punkt, wo er eine Entscheidung fällen musste: weitermachen, aufgeben oder etwas anderes machen? Bei den Speakern hat sich danach meist etwas Neues ergeben und das zumeist positiv.

 

4. Du bist auch Geschäftsführer des Gründernests Dresden. Liegen Gründen und Scheitern so nah beieinander? 

Scheitern ist auf jeden Fall ein Thema. Ich gehe aber nicht immer vom schlimmsten Fall aus. Es ist Teil eines Prozesses und wenn man eine Gründung plant, ist erst einmal alles eine Annahme und ich muss ausprobieren. Ich probiere; wenn es nicht mehr geht, passe ich meine Idee an, bis es funktioniert. Sozusagen ein kleines Scheitern. Dass heißt eigentlich, dass jede Gründung, wenn ich Innovationen vorantreiben will, immer darauf aufbaut, dass gescheitert wird, nur eben in kleinen Schritten. Und erst wenn dieses Scheitern als Möglichkeit betrachtet wird, passiert eine Konditionierung, man lernt also und kann später schneller reagieren. Das ist wiederum beim Gründen ganz wichtig.

 

5. In den USA ist es vollkommen okay, mehr als nur einen Anlauf zu brauchen. Wie weit weg sind wir in Deutschland bzw. Sachsen von einer vergleichbaren Fehlerakzeptanz?

Also in Amerika wird dir tatsächlich auf die Schulter geklopft, schon allein für den Versuch. Obwohl sich da hoffentlich bald etwas ändert, ist es in Deutschland und in Sachsen schon immer noch eher so, dass es schnell heißt: „Hab ich dir doch gesagt, dass das nichts wird”. Welche Denkweise jetzt besser oder schlechter ist, sei mal dahingestellt, denn natürlich gibt es auch Nachteile, wenn alles allzu locker gesehen wird.

 

Aber grundsätzlich ist es notwendig, dass diese Fehlerkultur sich gewissermaßen etabliert. Dass Scheitern als Möglichkeit bedacht wird, sowohl bei den Gründern, als auch bei den Unternehmern. Und genauso bei Politikern. Ein „normaler“ Banker, der den amerikanischen Spirit nicht mal erfahren oder verinnerlicht hat, würde einen Kredit immer jemandem geben, der noch nie etwas in den Sand gesetzt hat, als jemandem, der vielleicht schon mal etwas verbockt, aber darüber hinaus auch Erfahrungen gesammelt hat. In dieser Hinsicht wäre ein Umdenken schon gut.

 

6. Wieso ist der Lerneffekt größer, wenn jemand aus Erfahrung berichtet, als wenn ich es in der Theorie lerne? Die Fehler werden ja vermutlich nie komplett neu sein?  

Das stimmt. Es gibt sicherlich so grundsätzliche Fehler, bei denen man sagen kann: Auf die Punkte muss man achten, sonst wird man damit in jedem Fall scheitern oder es erhöht ganz einfach das Risiko …

 

Aber ich denke, es ist wie bei kleinen Kindern auch – wenn die hinfallen, dann tun sie sich weh. Sie merken sich das und versuchen danach eben nicht mehr hinzufallen. Wenn man älter ist, ist es ähnlich. Du kannst in einem Lehrbuch zwar etwas lesen und dir das einprägen, hast es aber in der Praxis nie probiert und dadurch auch nicht so richtig verinnerlicht. Man weiß nicht wirklich, was es bedeutet. Das weiß man erst, wenn man es durchgemacht hat. Und dieser Schmerz, der daraus resultiert, überträgt sich sicherlich zu einem gewissen Teil auch während der Vorträge. Das ist noch mal was anderes, als wenn ein neutral formulierter Lehrbuchtext mir so etwas mitteilt. Vor Fehlern gefeit ist man natürlich trotzdem nicht. Die Lernkurve ist immer noch am höchsten, wenn man selber auf die Nase gefallen ist. 

 

7. Du bezeichnest dich selbst als Geschäftsmodellentwickler, berätst Gründer und hast selber schon sieben Firmen erfolgreich gegründet. Vermutlich wärst du ein schlechter Redner auf deiner eigenen Veranstaltung, oder?  

(lacht) Tatsächlich hab ich im geschäftlichen Bereich immer etwas Glück gehabt bzw. hab ich an der richtigen Stelle immer das Ruder gedreht. Natürlich ist mir geschäftlich auch schon einiges passiert und im Nachhinein gibt es da sicher die ein oder andere Sache, die man anders hätte machen können. Aber letztlich hatte ich immer irgendeine Idee, mit der ich auf eine Situation reagieren konnte. In Summe hatte ich schon ein paar FuckUps, aber es sind eher kleine Sachen, aus denen man relativ schnell gelernt hat ... Und dadurch, dass ich nun schon seit 20 Jahren Gründungen begleite und selber öfters mal gegründet habe, kann ich mit Problemen auch schneller umgehen

 

Übrigens: Tickets für die FuckUp Night am 16. März gibt es hier.



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