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7 Fragen an Konrad Küchenmeister

"Ich spiele kein einziges instrument bis zur Perfektion, aber viele auf einem Level ..."

10.02.2017
Autor: Kaddi Cutz

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Geburtstag: 10.03.1982

Geburtsort: Dresden

Beruf: Musiker

Wohnort: Berlin

Ausbildung: Küchenmeister

 

Konrad Küchenmeister lebt in Berlin und Dresden, und in erster Linie für die Musik. Am 11. Februar 2017 ist er in der Scheune live on stage.

 

1. Du bist ja eigentlich Ur-Dresdner, lebst aber seit vielen Jahren in Berlin - Muss man das heute als Künstler?

Nein, muss man nicht! Es macht aber vieles einfacher. Als ich nach Berlin gezogen bin, habe ich erst mal nur Straßenmusik gemacht und bin mit einem sehr günstigen WG-Zimmer und ohne große monatliche Ausgaben ganz gut über die Runden gekommen. Ich konnte jeden Tag auf öffentlichen Plätzen spielen, mit einer Autobatterie für den Strom und einem ziemlich großen Bassverstärker war das zwar nicht erlaubt, wenn man aber nicht nachts um 12 mitten im Wohngebiet den Verstärker auf Anschlag stellt und versucht, alle aus den Betten zu spielen, dann eckt man mit Straßenmusik in Berlin beim Ordnungsamt oder Polizei relativ selten an. Dieser Einstieg in die Musik war für mich wichtig, um Erfahrung mit Auftritten vor Publikum zu sammeln, und um das Netzwerk auszubauen, mit dem ich am Ende immer unabhängiger von Straßenmusik wurde und mich mehr auf Bühnenmusik konzentrieren konnte. In Dresden wäre das alles wesentlich schwieriger gewesen, zumal ja Dresden in den letzten Jahren die Gesetze für Straßenmusik immer mehr anzog und verschärfte.

 

2. Nach wie vor arbeitest du aber mit dem Dresdner Label Spur1-Music zusammen. Wie bist du mit Dresden verbunden und was an Elbflorenz fehlt dir manchmal in der „großen Stadt“?

Spur1-Music hat mich schon unter Vertrag genommen, als ich noch reiner Straßenmusiker war. Durch mein Label und jetzt auch neu die Booking Agentur „Dynamite Konzerte“ aus Dresden, komme ich nach wie vor sehr oft in meine Heimatstadt. Da ich noch viele Freunde und auch Familie in Dresden habe, ist das für mich natürlich perfekt, auch weil für mich Dresden sowieso die weitaus schönere Stadt ist. Im Sommer mit einem Radler an den Elbwiesen zu sitzen oder generell die Biergarten-Kultur, durch Striesen zu spazieren, der Kompromiss zwischen Stadt und Natur, Dresdner Eierschecke - da gibt es schon so einiges was mir in Berlin fehlt.  Aber zum Glück bin ich ja oft in Dresden und kann somit die schönsten Seiten beider Städte genießen. 

 

3. Dein Loop-Live-Entertainment-Programm hat irgendwann mal als Straßenshow angefangen - inzwischen bist du auf den Bühnen der ganzen Welt zuhause. Was waren deine bisherigen Highlights und was willst du unbedingt noch machen?

Jede Tour in diesen Ländern hatte ihre eigenen Highlights. Eines, das neben meiner eigenen Musik-Karriere stattfand war, als ich als Looptrainer von Helene Fischer für die Echoverleihung eingeladen war.  Da konnte ich im Backstage nicht nur mit Depeche Mode zusammen frühstücken und mit Peter Fox Käffchen trinken, sondern auch Jimmy Page und John Paul Jones von „LED ZEPPELIN“ persönlich danken. Das war ein sehr besonderer Moment für mich, denn Led Zeppelin ist maßgeblich daran Schuld, dass ich heute Musiker bin. Was ich unbedingt noch machen will, ist z.B. eine Tour von der Ostküste bis zur Westküste in den USA. Diesen Traum erfülle ich mir im August. Die ersten Konzerte sind schon gebucht. Ich kann es kaum erwarten, mit Bulli Bus am Grand Canyon zu stehen.

 

4. Letztes Jahr sollte eigentlich deine neue Platte erscheinen, das wurde aber mal flott nach 2017 verschoben. Warum?

Leider konnten wir den Zeitplan mit den Albumaufnahmen nicht einhalten. Unser Fokus liegt vor allem auf Live-Konzerten. Als letztes Jahr spontan drei weitere Touren reinkamen, waren alle Record-Release-Pläne dahin. Die ausstehenden Aufnahmen für das neue Album gehen jetzt aber weiter.

 

5. Auf Tour geht es oft mit einem alten Bulli Bus – klingt das nur abenteuerlich oder ist es das auch? 

Auf der letzten USA Tour im Bulli Bus sind wir etwas leichtsinnig mitten in den Hurrikan Matthew geraten. Das war ein Kategorie-4-Hurrikan und somit einer der ungemütlichsten Orte, die man sich so vorstellen kann. Als dann die Flut kam, waren wir froh, dass es im Bulli kaum Elektronik gibt und der kleine Bus ohne Problem durch das kniehohe Wasser gefahren ist. Viele Autos sind liegen geblieben, weil die Elektronik bei diesem Wasserstand versagte. Wir haben versucht, uns Richtung Berge im Landesinneren zu retten und das nach zwölf Stunden Fahrt auch geschafft. Leider hatte das Wasser den Unterboden und die Mechanik des Bullis ganz schön mitgenommen. Als wir dann den steilen Berg rauf gefahren sind, ist uns das Gaspedal durchgebrochen und wir konnten erst nach einer Reparatur-Improvisation mit zwei Zangen und einem Drahtseil weiter. Leider sind bei der Abfahrt denselben Berg runter die Bremsen gerissen. In einem vollbeladenen Bulli mit provisorischem Gas-Pedal und bei einem Hurrikan ohne Bremsen einen Berg hinab zu düsen, ist so ziemlich die unentspannteste Situation, in er ich bis jetzt war. Ein Kiesbett, die Handbremse, Gebüsch und etwas Glück mit dem Straßenverlauf hat uns dann zum Stehen gebracht. Wenn ich heute daran denke, muss ich immer noch laut loslachen, wahrscheinlich, weil wir so viel Glück hatten, oder weil so viel auf einmal schief ging. 

 

6. Für deine Loops kommen nicht nur unzählige Instrumente sondern auch allerlei andere Gerätschaften. Welches hat den besten Groove?

Ich spiele kein einziges Instrument bis zur Perfektion, aber viele Instrumente auf einem Level, mit dem ich mich in meiner Musik gut ausdrücken kann. Am liebsten sitze ich jedoch am Klavier. Am interessantesten ins Set einzubauen sind Sachen, die  eher tiefe oder hohe Geräusche machen. Wenn alles nur im mittleren Frequenzbereich stattfindet, wie ein Klacken von Plastik, dann kann man am Ende kaum noch differenzieren. Je ungewöhnlicher etwas klingt, desto besser. 

 

7. Was macht Konrad Küchenmeister, wenn er mal nicht auf der Bühne oder im Studio steht?  

Er sieht seine Freunde und seine Familie, isst ein Eis beim Eiscafé Lösch in Dresden, schlendert über‘n Flohmarkt in Berlin oder versucht Kochen zu lernen… Ja, es gibt auch Küchenmeister, die schlecht kochen ;)



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