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7 Fragen an Matthias Schuh

Die jungen wilden Winzer

22.09.2016
Autor: Marko Beger

Im September finden in Radebeul und Meißen wieder die großen sächsischen Weinfeste statt. Das Elbland hat sich als Weinanbaugebiet fantastisch weiterentwickelt. Die Weinbauern haben ihre Weine zu immer besserer Qualität geführt und einige Winzer sind sogar als Prädikatsweingüter ausgezeichnet. Nun beginnt langsam ein Generationswechsel an den Hängen und in den Elbweindörfern. urbanite sprach mit einem der jungen Winzer.

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Name: Matthias Schuh
Geburtstag: 5.11.1987
Geburtsort: Trier
Beruf: Winzer
Wohnort: Sörnewitz
Ausbildung: Weinbautechniker 
 
 
 
 
Wann hast du die Entscheidung getroffen Winzer zu werden und was hat zu deiner Entscheidung geführt?
Früher, während meiner Abiturzeit wollte ich immer etwas in Richtung Informatik einschlagen. Dann belegte ich die Leistungskurse Informatik und Englisch. Nach dem Abitur hatte ich allerdings von Informatik genug und entschied mich, erst mal eine
fundierte Lehre als Winzer zu beginnen, um ein wenig in den Job rein zu schnuppern. Im Endeffekt hat niemand von mir erwartet, diesen Weg einzuschlagen. Nach ein paar Wochen im Job habe ich jedoch gemerkt, dass mich der Beruf an sich total erfüllt.
 
Wie wird man zum Winzer, welche Stationen in Ausbildung und Beruf bist du gegangen?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man kann sowohl eine duale Ausbildung durchlaufen mit späteren Weiterbildungsmöglichkeiten oder auch Hochschulstudium und BA Studium. Ich fing damals mit einer Ausbildung an, die ich durch das Abitur auf zwei Jahre verkürzen konnte. Nach der Ausbildung flog ich nach Neuseeland, um dort in einem biodynamisch
wirtschaftenden Weingut zu arbeiten. Als ich im darauffolgenden Sommer wieder nach Deutschland kam, merkte ich sehr schnell, dass mir hier die Decke auf den Kopf fällt. Also ging ich nach Bordeaux arbeiten, um der deutschen Engstirnigkeit zu entfliehen. Nach der Ernte kam ich zurück und dachte mir, es wäre doch besser wieder nach Neuseeland zu gehen. Also buchte ich kurzerhand ein Ticket und flog wieder runter. Später habe ich dann noch eine Weiterbildung zum Techniker für Weinbau und Oenologie gemacht, bevor ich 2013 zurück ins Unternehmen meiner Eltern gekommen bin. 
 
Wie sieht so ein klassischer Arbeitstag eines Winzers aus? Lange Nächte im Weinkeller oder eher früher Aufstieg in den Weinberg?
Für mich persönlich gibt es keinen klassischen Arbeitstag, da jeder Tag abwechslungsreich ist und neue Aufgaben und Herausforderungen bringt. Weinbergsbewirtschaftung, Weinausbau und viel Kundenkontakt prägen jedoch neben einigem Papierkrieg meine Arbeitszeit. Generell bin ich eher für lange Nächte im Weinkeller gemacht und bin Nachts wesentlich produktiver als morgens früh. Da wir jedoch sehr viel in der Natur arbeiten, beginnen wir normalerweise um 7 Uhr mit der Arbeit, um die heißen Nachmittagsstunden wenigstens ein wenig zu umgehen. Doch an die Qual um 6.30 Uhr aufzustehen, werde ich mich wahrscheinlich nie gewöhnen. 
 
Trinkt man als junger Winzer auf Party oder beim Konzert auch mal ein Bier oder einen Gin Tonic? Und gibt es Getränke, die du genau so akribisch „abschmeckst“ wie Wein?
Hefeweizen und Gin Tonic zählen zu meinen Hauptnahrungsmitteln im Nachtleben. Wein meide ich meist, da mir die anonymen Weine in den meisten Clubs einfach keinen Spaß bereiten und ich mich dann ärgere, für so etwas Geld ausgegeben zu haben. Da ist der Spaßfaktor bei frisch gezapftem Weizen oder Gin Tonic mit gutem Tonic wesentlich höher. Und gerade bei Gin Tonic bin ich dann doch genau so akribisch wie bei Wein, da ich es einfach nicht verstehen kann, wie man sauguten Gin mit Billig-Tonic mischen kann. Zum Wein trinken gehe ich allerdings regelmäßig in die Weinzentrale in der Neustadt. Da ist es für mich wie im Paradies. 
 
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Ihr habt Euer Weingut von den Eltern übernommen, was habt ihr direkt neu gemacht und wobei helfen die Eltern noch?
Zusammen mit der Übernahme des Weingutes haben Katharina und ich einen kompletten Relaunch des Corporate Designs vorgenommen. Unter anderem wurden Logo und Etiketten von Dominik Schech, einem tollen Grafiker und Designer aus Dresden überarbeitet. Auch Webseite, Shop und das gesamte Paperwork werden zurzeit noch überarbeitet. Da wir aber auch vorher schon ein paar Jahre hier im Weingut mitgearbeitet haben, konnten wir auch zu der Zeit schon unsere Gedanken einfließen lassen. Unser Vater hat in den letzten 25 Jahren einen tollen Grundstein für uns gelegt, bei dem wir uns nicht mehr mit dem Aufbau beschäftigen müssen sondern unsere ganze Energie in den Verfeinerung stecken können und unseren Drang nach Perfektion ausleben. 
 
Wie wird der Jahrgang 2016?
Diese Frage bekomme ich sehr oft gestellt und es fällt mir meist schwer, sie richtig zu beantworten. Genau gesehen freue ich mich innerlich auf einen wirklich fetten 16er Jahrgang, allerdings ging mir das im Jahr 2015 auch so. Und dann rasierte Hagel am 1. September kurz vor der Ernte alle meine Weinberge. Das sind Herausforderungen, mit denen man umgehen muss und die man nicht voraussagen kann. Von daher: Wenn es in den nächsten acht Wochen warm und trocken bleibt, werden wir ein paar richtig schöne Trauben in unseren Keller fahren können. 
 
Was fehlt dir in der Sächsischen Weinlandschaft? Worin liegt die Zukunft?  
Das, was in Dresden gefehlt hat, wurde inzwischen etabliert - die Weinzentrale. Ansonsten denke ich, dass wir Winzer unsere Zusammenarbeit untereinander noch deutlich steigern können. Hier gibt es in anderen Anbaugebieten wesentlich mehr Austausch und weniger Konkurrenzdenken. Was mir noch ein bisschen fehlt sind Partys für junge Leute. Wir haben zum Beispiel jedes Jahr im September ein Rock ‚n‘ Rolling Hoffest mit Live-Bands bei uns auf dem Hof. Da kommen einige junge Menschen. Ich habe auch schon oft darüber nachgedacht, auch mal eine schöne Electro-Party bei uns zu veranstalten. Mal sehen, was die nächsten Jahre so bringen! Die Zukunft liegt für mich auf jeden Fall in Nachhaltigkeit. Es ist einfach überholt, die Böden auszubeuten und mit Herbiziden zu missbrauchen. Der Boden ist im Endeffekt die Grundlage für unsere Nahrungsmittel und auch für die Herstellung von Wein. Dementsprechend sollten wir damit respektvoll umgehen, damit auch die Generationen nach uns noch Freude damit haben.
 
Mehr Infos findet ihr unter www.weingut-schuh.de


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