7 Fragen an: Menschen in Dresden

7 Fragen an: Menschen in Dresden

"Humans of Dresden"

29.03.2016

7 FRAGEN AN 

Menschen in Dresden

7 Fragen an: Menschen in Dresden
Robert (Deutschland), Sandra (Venezuela) und Jessica (USA)

Geburtstag 11.01.2015

Geburtsort Dresden

Beruf Zuhörer/Erzähler/Fotograf

Wohnort Dresden

Ausbildung Wir lernen noch

Vorbild Humans of New York

 

Seit dem 11. Januar 2015 porträtiert die Facebook-Initiative „Humans of Dresden / Menschen in Dresden“ jeden Tag eine Person und erzählt die Geschichte hinter dem Foto. Die so entstandenen Interviews zeichnen ein ganz besonderes Bild der Stadt: Individuell, überraschend und manchmal auch traurig. Wir haben den Machern hinter „Menschen in Dresden“ 7 Fragen gestellt.            

 

1. Wie funktioniert „Humans of Dresden / Menschen in Dresden“?

Wir sind zu dritt: Sandra aus Venezuela, Jessica aus den USA und Robert aus Deutschland. Gemeinsam laufen wir durch die Stadt, interviewen Menschen und veröffentlichen ihre Geschichten. Dabei lernen wir viele nette Leute und tolle Initiativen kennen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, übersetzen wir unsere Texte auch ins Englische.

 

2. Was hat euch dazu inspiriert, das Projekt ins Leben zu rufen?

Die Initiative ging hauptsächlich von Sophie, einer Austauschschülerin aus den USA aus. Sie hatte so etwas schon bei sich zuhause gemacht. Die Idee an sich ist ja auch nicht neu, Humans of New York ist sehr bekannt. Wir haben es hauptsächlich gemacht, weil wir denken, dass man miteinander und nicht übereinander reden muss. Zuhören ist wichtig. Außerdem ist es doch schön, wenn man zeigen kann, was für nette und engagierte Menschen in unserer Heimatstadt leben. 

 

3. Wie viele Menschen habt ihr schon porträtiert?

Wir veröffentlichen jeden Tag eine Geschichte. Jetzt haben wir gerade unseren ersten Geburtstag gefeiert. Also haben wir fast 400 Menschen gezeigt.

 

 
7 Fragen an: Menschen in Dresden
Auch ein indischer Arzt erzählt seine Geschichte

 4. Nach welchen Kriterien wählt ihr die „Menschen in Dresden“ aus?


Auf der Straße sprechen wir einfach jemanden an, der so aussieht, als würde er mit uns sprechen wollen. Manche Menschen stechen einem natürlich direkt ins Auge, aber wir versuchen, auch den Typen von nebenan bei uns zu zeigen. Ein paar Mal haben wir uns auch bestimmte Veranstaltungen gesucht und sind dorthin gegangen, z.B. Pegida, ein Kochen mit Flüchtlingen oder das Montagscafé im Kleinen Haus. Oder es gibt Leute, die uns ansprechen, weil sie selbst oder mit ihrem Projekt bei uns sein wollen.

 

5. Welche Geschichte ist euch nachhaltig in Erinnerung geblieben? 

Im Gedächtnis bleiben eigentlich alle Geschichten. Ein paar stechen natürlich heraus, einfach weil sie sehr emotional oder lustig waren. Besonders bewegend waren z.B. der Junge aus Malaysia, der uns erzählt hat, wie er gemobbt wurde, oder ein Mann mit Krebs, bei dem nicht klar war, wie es weitergeht. Einmal hatten wir einen Arzt aus Indien. Er war sich während seiner Ausbildung nicht sicher, ob der Arztberuf das richtige für ihn ist, bis sich einmal die Familie eines seiner Patienten dadurch bei ihm bedankt hat, dass sie sich vor ihm auf den Boden gelegt hat. Oder die Flüchtlinge, die wir interviewen durften, das geht einem schon sehr nahe, viele standen schon auf der Abschussliste und sind quasi im letzten Moment geflohen. Besonders bewegend für uns persönlich war noch das Interview, das wir mit Sophie, der Gründerin des Projekts, anlässlich ihres Abschieds geführt haben. Da gab es echte Tränen. Ein lustiges Beispiel ist der Junggesellinnenabschied.  Die hatten keine Zeit, weil gleich der Stripper kam. Oder die Amerikaner, die uns erzählten, was sie in Deutschland komisch fanden, z. B., dass hier die Kinder nackt im Springbrunnen baden. Oder die zwei Münchner, die tatsächlich Leinen an die Albertbrücke gebunden hatten, um auf der Elbe zu surfen. Die hatten wirklich Spaß dabei. Leider hat sie die Polizei erwischt, keine Ahnung, ob sie deswegen Strafe zahlen mussten. Es gibt einfach so viele unterschiedliche Menschen, und jeder hat eine Geschichte zu erzählen. Klar sind einige auch eher banal, aber genau so wichtig. 

 

7 Fragen an: Menschen in Dresden
Diese beiden Münchner surften auf der Elbe

 

 6. Ihr betreibt die Seite jetzt seit einem Jahr. Haben sich die Geschichten in der Zeit verändert?

Mit der Zeit ist es uns gelungen, dass sich die Menschen uns gegenüber mehr öffnen und mehr von sich preisgeben. Es ist wichtig, eine Beziehung aufzubauen, was in der Kürze der Zeit gar nicht so leicht ist. Wir haben als vollkommene Amateure angefangen und lernen jedes Mal dazu. 

 

7. Wie geht es mit „Humans of Dresden / Menschen in Dresden“ weiter? 

Da draußen laufen noch mehr als 500.000 Menschen herum, die wir interviewen können. Und genau das haben wir uns vorgenommen. Vielleicht machen wir auch mal was anderes, eine Ausstellung vielleicht. Letztes Jahr haben wir auch eine Humans-of-Dresden-Party veranstaltet, die uns viel Spaß gemacht hat. Mal sehen, vielleicht haben wir irgendwann Lust auf eine neue. Auf jeden Fall wollen wir bekannter werden, weil wir gemerkt haben, dass wir auch eine Zentrale zur Vermittlung von Kontakten sein können. Das fühlt sich richtig toll an, wenn man konkret etwas Gutes tut.

Viola Martin-Mönnich

 

Info: „Humans of Dresden / Menschen in Dresden“ im Netz: www.facebook.com/humansdresden

 



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