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7 Fragen an Peter Wawerzinek

Dresdens Stadtschreiber 2016 im Interview

10.08.2016

Der Schriftsteller Peter Wawerzinek ist ein bodenständiger, sympathischer Typ, der von sich selbst sagt, er quatsche viel und gern. Für seinen Roman Rabenliebe erhielt er 2010 den Ingeborg-Bachmann-Preis. Wawerzinek ist gern als Stadtschreiber an dern verschiedensten Orten unterwegs. urbanite sprach mit ihm über diese Leidenschaft und was er seiner Zeit in Dresden erwartet. 

 7 Fragen an Peter Wawerzinek
Peter Wawerzinek

Geburtstag: 28. Septmeber 1954                                                              

Geburtsort: Rostock                                                                           

Beruf: Schriftsteller                                     

Wohnort: derzeit Dresden                                                                                                      

Vorbild: Mein Vorbild sind alle Leute, die ihr Ding machen, also der Mann am Besen, die Frau auf der Bühne, das Paar im Rettungshaus und dabei noch so etwas wie Spaß dran haben, als würde es toll sein und einzigartig, immer das gleiche zu tun, auch an den weniger glücklichen Tagen. Ansonsten mag ich alle Spinner mit Phantasie und Lebenslust verbunden.            

 

 

Das Stadtschreiberprojekt feiert in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Haben Sie sich im Vorfeld mit Ihren Vorgängern beschäftigt?

 

Bei der Bewerbung hab ich mal reingeguckt, wer schon alles da war. Ich wollte schauen, ob ich da gut reinpasse oder ob ich unter ferner liefen bin. Aber ich pass da gut rein. Ich hab auch schon festgestellt, dass die meisten Stadtschreiber gar nichts mit der Stadt groß zu tun haben. Sie bringen sich einen Haufen Arbeit mit, hocken in der Bude. Aber das will ich nicht. Wenn ich wo bin, will ich die Stadt auch kennenlernen. Und hier ist es günstig, weil Dresden kenn ich seit vier Jahrzehnten nicht mehr. Ich hab überhaupt keine große Vorbildung, sozusagen.

 

Seit 1. Juni sind Sie Stadtschreiber. Was haben Sie zuerst gemacht?

 

Erst mal habe ich mein Fahrrad hierher überführt. Dann bin ich die Elbwege in näherer und fernerer Umgebung mal langgefahren. 

Die Neustadt und Pieschen hab ich mir etwas angeschaut und war auch schon bei Büchers Best.Außerdem habe ich nach Denkmälern, Figuren und Orten Aussschau gehalten, an die ich mich noch von früher erinnere. Ich war im Theater, bei einer Fotoausstellung und bei der „Vermessung des Unmenschen“. War toll, eine großartige Ausstellung. Von da hab ich mir auch Plakate von so kleinen Plastiken mit hässlichen Äffchen drauf mitgenommen. Das fand ich besser für mein Zimmer, weil das auch zu Dresden aktuell passt. Ich hab so ein Stillleben an der Wand hängen… jetzt sind da die Plakate drüber. 

 

In einer Kolumne schrieben Sie, Sie wollen die Stadt von unten betrachten. Wie sieht das aus?

 

Das erste Ziel war zum Beispiel das Elbhangfest, also da wo die normalen Leute ihre Häuser öffnen und Stände haben... da war ich mit meinem Kumpel Klaus, mit dem ich immer schon in Berlin solche Spaziergänge gemacht habe. Ich will mich nicht in diesen elitären Kunstkreisen rumtreiben, also nicht bei diesen Rechtsanwälten, Architekten, Eigentumwohnungsbesitzern - nicht bei dieser Hautevolee aus Politik und sonstwas. Ich versuche mit ganz normalen Menschen ins Gespräch zu kommen. Ich bin ja auch sehr verquatscht; ich quatsch die alle an und die quatschen dann zurück. Ich habe da keine Scheuklappen und schließe Menschen nicht von vornherein aus. 

 

Ist der Dresdner denn kommunikationsfreudig?

 

Bisschen reserviert, aber das geht dann schon. Ich kenn das aus Mecklenburg. Die sind auch erst ein bisschen reserviert, gucken komisch, wenn man nicht im Dialekt spricht. Aber wenn du dann Themen mit der Person triffst und ein wenig witzig reagierst, geht das schon.

 

Als Stadtschreiber haben sich rund 60% weniger Schriftsteller beworben, als die Vorjahre. Ein Erklärungsversuch ist Pegida. Können Sie die Zurückhaltung verstehen? 

 

Nein, kann ich nicht. Schon gar nicht, wenn ich jetzt in Dresden bin. Denn was ich gedacht habe, dass es das ganze Stadtbild ständig prägt -  das ist ja gar nicht der Fall. Ich war selber auch noch nicht da. Ich will einen Montag mal vorbeigucken, aber wie genau ich das mache, ob ich mitlaufe, mir das von Außen angucke oder mit den Leuten quatsche, das weiß ich noch nicht. Da sind ja auch nur prozentual die rechtsrändigen Gruppierungen dabei, wäre ja auch ein Wunder, wenn die das nicht ausnutzen.

Ansonsten habe ich mich informiert, was andere Autoren dazu gemacht haben, aber das war immer etwas abgehoben und von oben herab und hat einen großen Teil der Demonstranten ausgelassen, die einfach sauer sind - auf irgendwas ... 

Aber so im Stadtbild habe ich es überhaupt noch nicht gesehen. Ich hätte gedacht, dass viel mehr Schmierereien vorhanden sind. Und das es auf den Straßen allgegenwärtig ist und man ständig auf irgendwelche Gruppierungen trifft, die rumlungern. Das ist aber gar nicht der Fall.  

 

Erwarten Sie etwas, wenn Sie bei Pegida vorbeischauen?

 

Nö. Also ich kann mir vorstellen, was ist, aber ich will es im Einzelnen sehen. Ich will mit Leuten quatschen. Ich will rausfinden was das ist, wie es ihnen damit geht, wenn sie sich da ständig treffen, worum es ihnen persönlich geht. Ob sie nur noch dabei sind, weil man eben generell zu einem Verein hält, sich aber eigentlich langweilen.

Zumindest hab ich jetzt erst mal gesehen, dass Pegida doch mehr rufschädigend ist, als das, was ich in Dresden antreffe. Und ich bin ja erst am Anfang… 

 

Sie waren schon woanders Stadtschreiber. Was begeistert Sie daran?  

 

Mich reizt es, weil das Stipendium, was man bekommt ortsgebunden ist. Du kannst ja auch Stipendien kriegen, da kannste Zuhause bleiben. Aber das ist langweilig, Zuhause rumzusitzen. Das kenn ich ja. Dieses, sich immer wieder neu auf andere Städte, Menschen und Typen einzustellen - das ist schon toll. Ich bin auch so ein Typ, der schnell reflektiert und sofort versucht etwas daraus zu machen. Ich mag diese Ortswechsel. Innerhalb von Berlin bin ich mindestens zwanzig Mal umgezogen. Ich finde, dass das auch immer den Horizont etwas erweitert. Arbeiten in einer anderen Umgebung - das ist doch toll. Hier in Dresden wird auf jeden Fall ein Buch über die ganze Zeit entstehen.

 

Apropos Schreiben, wie sieht das bei Ihnen aus? Mit Laptop in den Großen Garten?

 

Ich bin der Typ der nach außen hin überhaupt nicht als Schreiber auffallen will. Ich stell mich auch nicht groß hin und mach Notizen oder setz mich immer in die gleiche Ecke eines Cafés... Ich bin so ein Flaneur. Habs auch immer ganz gern, wenn man mich überhaupt nicht als Schreiberling erkennt. Ich hab einen Fotoapparat dabei und merke mir viel damit. 

Und die Arbeiten mach ich Zuhause am Schreibtisch mit dem Laptop, ziemlich nach dem Aufstehen. Noch mit verklüserten Augen, wie der Norddeutsche sagt -  noch nicht richtig wach. Meist zieh ich mir den Laptop gleich ans Bett ran und arbeite zwei, drei Stunden. Irgendwann fehlen die Ideen und dann ist es ganz schön, wenn man rausgehen kann. Deswegen ist es auch schön, in einer anderen Stadt zu sein.



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