Ausländerrat Dresden e.V.

Ausländerrat wird 25 und steht vor großen Aufgaben

„Wir bleiben bei unseren Prinzipien“

24.09.2015

Anlässlich 25 Jahren Ausländerrat Dresden sprachen wir mit Frau In Am Sayad Mahmood. Die Vorsitzende des Dresdner Ausländerrats hat aktuell viel zu tun und ist eine gefragte Ansprechpartnerin in Sachen Migration. In Zeiten von PEGIDA-Märschen und Zeltstädten für neuankommende Flüchtlinge reißen die Presseanfragen natürlich nicht ab. Trotzdem fand sie am Ende eines langen Arbeitstages noch Zeit für ein Gespräch mit uns.


Von Bagdad nach Dresden

Ausländerrat Dresden e.V.
„Vorurteile – ob positiv oder negativ – verhindern den offenen Austausch“
Die gebürtige Irakerin spricht eindrücklich über Flucht und Migration. Sie weiß, was Menschen bewegt, die ihre Heimat verlassen müssen, floh sie doch selbst 1996 mit ihrer Familie aus Bagdad. Ihre Odyssee durch 22 deutsche Flüchtlingsheime endete schließlich in Dresden. Als eine der wenigen Kopftuchträgerinnen erfuhr sie selbst Ausgrenzung und Diskriminierung und engagiert sich deshalb seit Jahren unermüdlich in verschiedenen Organisationen für die Belange von Migranten und den interkulturellen Dialog. 2014 erhielt sie dafür das Bundesverdienstkreuz.

19 Jahre nach ihrer Flucht blickt die studierte Elektroingenieurin zurück. Die Menschen in Dresden hätten sich nicht geändert, aber die Situation um sie herum sei eine andere geworden, sagt sie. Obwohl sich der Ausländeranteil in Dresden in den vergangenen Jahren sichtbar erhöht habe, hätten die Dresdner vergleichsweise wenig persönliche Erfahrung mit Migranten und deshalb verstärkt Ängste und Sorgen: „Vorurteile – ob positiv oder negativ – verhindern den offenen Austausch. Aber die Gesellschaft ist in den letzten Jahren in jeder Hinsicht deutlich bunter geworden.“

Für die Proteste vor den Erstaufnahmeeinrichtungen findet Sayad Mahmood deutliche Worte: „Dafür habe ich kein Verständnis. Vor Kriminellen haben die Leute zu Recht Angst, aber die Demonstranten kennen die Flüchtlinge doch gar nicht!“ 


Der Ausländerrat: 25 Kulturen, zehn Sprachen

Ausländerrat Dresden e.V.
Der Ausländerrat feierte 25 Jahre
Vor kurzem feierte der Ausländerrat sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Sommerfest im Vereinsgarten. Die Vereinshistorie ist auch eine Geschichte gelebter Integration, kommen die derzeitigen Mitglieder des Rates doch selbst aus über 25 verschiedenen Ländern. In diesem Querschnitt der Kulturen werden daher auch mehr als zehn Sprachen gesprochen, man versteht sich trotzdem oder gerade deswegen. Seit der Gründung 1990 stärkt der Ausländerrat das Selbstverständnis der Migranten, ohne sie zu bevormunden. Im Internationalen Begegnungszentrum (IBZ) in der Heinrich-Zille-Straße organisieren Ehren- und Hauptamtliche Kulturveranstaltungen, Vortragsabende, Sport- und Musikkurse. Außerdem hilft die mobile Beratungsstelle bei allen Fragen rund um Integration. Im Rahmen des Projekts „Grenzen überwinden“ besuchen Vereinsmitglieder Schulen und diskutieren mit Schülern über Migration und Rassismus. Mit der Kita „Kleiner Globus“ gibt es seit März dieses Jahres für rund 100 Kinder – darunter 20 Kinder, die aus Flüchtlingsfamilien stammen – sogar eine vereinseigene Betreuung. Das Bildungspatenschaftsprogramm des Vereins beinhaltet dabei wesentlich mehr als schulische Nachhilfe. 400 Ehrenamtliche nehmen mit ihren Schützlingen am kulturellen Leben teil, nicht selten entstehen aus diesen Patenschaften später auch Freundschaften. Das Engagement des Vereins trägt Früchte. Er wurde mit zahlreichen Demokratie- und Integrationspreisen ausgezeichnet. Förderer sind unter anderem die Bürgerstiftung Dresden und das Landesprogramm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“. 


„Wir bleiben bei unseren Prinzipien“

Ausländerrat Dresden e.V.
„Den Leuten zu helfen, ist unsere Aufgabe. Natürlich gehen wir dahin. Die Flüchtlinge brauchen eine anständige Betreuung.“
Zum Ende des Interviews wird Frau Sayad Mahmood noch einmal sehr ernst. Auf die aktuelle Flüchtlingssituation in Dresden angesprochen, sagt sie, dass ihr die Menschen in der Zeltstadt Bremer Straße am Herzen liegen, auch wenn sie formal nicht zuständig sei. „Den Leuten zu helfen, ist unsere Aufgabe. Natürlich gehen wir dahin. Die Flüchtlinge brauchen eine anständige Betreuung.“ In Zusammenarbeit mit dem Sozialamt sind fünf Koordinierungsstellen geplant, bei denen die rund 300 Neuankömmlinge pro Tag Hilfe und Erstberatung erhalten. 

Und wie geht es weiter mit dem Ausländerrat? „Wir passen uns den neuen Umständen an und bauen, falls notwendig, unser Engagement aus. Wir stärken die Solidargemeinschaft und kämpfen gegen jede Form von Diskriminierung. Dafür stehen wir ein. Und wir bleiben bei unseren Prinzipien.“

Viola Martin-Mönnich



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