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Autorenvorstellung: Francis Mohr

Literatur ist keine Einschlafhilfe

15.02.2017
Autor: Kaddi Cutz

Francis Mohr ist Wahl-Dresdner und erfolgreicher Autor, auch wenn er beruflich noch ganz woanders unterwegs ist. Wir baten den studierten Psychologen zum Einzelgespräch. 

 

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Buchautor: Francis Mohr
Francis Mohr wuchs in Leipzig auf, nach Elbflorenz verschlug ihn das Studium - Job und Liebe sei Dank, lebt er noch heute in Dresden und schanzt für den sozialmedizinischen Kapitalkomplex als Psychologe. 2011 erschien beim Dresdner Buchverlag / EDITIA sein Romandebüt „Flashback Ost“, dem 2015 der Kriminalroman „Februar“ folgte. 2013 erschien sein Erzählband „Kafka & Knödel/Die Invasion der Elstern“ beim zwiebook-Verlag.

 

Sein täglich Brot ist aber tatsächlich etwas ganz anderes: „In meinem Job als Psychotherapeut tüftle ich täglich an seriösen Texten wie Anamnesen und Befunden. Die Beobachtung des Alltags und der Wirren einer aufgeladenen Zeit und dessen Transliteration auf Papier schafft dazu einen fantastischen Ausgleich“, sagt Mohr, der seine Inspiration aber auch aus seinem Dasein als zweifacher Familienvater zieht – Reflexionen, die er nicht missen möchte, egal, ob er damit dem typischen Schriftstellerklischee gerecht wird: „Ich kann mir schlecht vorstellen, tagein tagaus mit Stift und Zettel in einem Café zu sitzen und auf Einfälle zu hoffen. Meine Tagarbeit bringt mir nicht nur das Geld zum Leben, sondern ist der Diesel für die Schreiberei.“

 

Der Stoff liegt auf der Straße

 

 

Dieser hat durchaus auch schon für Drive gesorgt: Sein Roman „Februar“ gilt als streitbar und führte zu sehr konträren Reaktionen bei Lesern und Rezensenten. „Obwohl ich das schon beim Schreiben ahnte, habe ich unter manchen Kritiken doch gelitten – bis mir klar wurde, dass ich vermutlich genau das wollte: Den Widerspruch.“

 

Eine prominente Rolle in beiden Romanen und auch in vielen seiner Geschichten spielt Dresden: „Ich liebe und hasse diese zerrissene Stadt. Der Stoff liegt hier auf der Straße – ich muss ihn nur aufsammeln“. Nicht jede Alltagsbeobachtung ruft gleich lauthals nach einem Roman, für eine Short Story reicht es oft aber allemal. Alle zwei Monate bringt er diese mit der Phrase4 auf die (Lese-)Bühne der Veränderbar.

 

Literarisch zuhause fühlt sich der Schriftsteller „in der wilden angloamerkanischen Plotkultur“ von DBC Pierre, D.R. Pollock oder Samuel Becket, „der melancholischen Tiefe russischer Autoren wie Pristakwin und Teschechow und in der nüchternen bis humorvollen Analytik deutscher Literaten wie Christoph Hein oder Jan Weiler.“ Als Jugendlicher verschlang er die Bücher Stefan Zweigs. Er sei, so Mohr, „manchmal neidisch auf die Autoren guter Bücher. Ich bin ihnen aber auch dankbar für wunderbare, innere Momente.“

 

In der Dresdner Literaturszene sieht er viel Potential, es fehle aber an Synergien: „Es existiert Dünkel zwischen Unterhaltungsliteratur und der ernsten, ‚eigentlichen‘ Literatur. Dabei ist Literatur doch immer ernst gemeinte Unterhaltung, die uns wachrütteln soll und nicht als Einschlafhilfe gedacht ist.“



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