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Böse und Gemein - Festival

Fokus auf die Vulva

23.06.2016
Autor: Kaddi Cutz

Mit dem „böse und gemein“ findet vom 24. bis 26. Juni erstmals ein female focused Festival in der Groovestation statt. Wir sprachen mit Anny und Ulla, den Mädels hinter der Sause.

 

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Mit dabei beim böse und gemein ist auch die Band Gurr
Braucht Dresden ein female focused Festival?

Das braucht jede Stadt. böse und gemein ist aus unserer unglaublichen, persönlichen Frustration entstanden. Nach dem siebentausendsten Abend auf einem Konzert mit fünf Bands, nur Typen auf der Bühne, fast nur Typen im Publikum - ohne überhaupt einem Ansatz des Nachdenkens darüber, dass dafür nicht nur fehlende Musikerinnen verantwortlich sind, sondern auch Strukturen, die immer wieder reproduziert werden - haben wir super angepisst eine Flasche Wein getrunken und all unsere Lieblingsbands nach Dresden eingeladen. Und alle haben zugesagt. Wir wollen Aufmerksamkeit auf die Thematik Frauen auf der Bühne lenken, ohne ein Frauen-Selbsthilfefestival zu veranstalten. Feminismus ist zwar en vogue, was irgendwie schön ist, aber das muss auch inhaltlich umgesetzt werden. Holt die Ladyz auf die Bühne und an die Decks, macht ein 50/50 Booking, reflektiert eure Jungsnetzwerke und eure Repressionsinstrumente.

 

Wie läuft‘s mit der Planung?

Das ist fast schon absurd. Mitte Februar wurde die Idee geboren, Mitte März stand das Ding, inklusive Bands, Location und einem kleinen Supportnetzwerk. Die Reaktionen sind sehr wertschätzend und positiv, wir haben das Gefühl, dass unser Anliegen vor allem Frauen erreicht, die Bock auf so ein Konzert haben und diesen Impuls bis jetzt hier vermisst haben. Wir hoffen auch, dass Leute auf unser Konzert kommen, die vielleicht nicht 100% auf Krachmusik stehen, aber auf die Aktion an sich. Es ist etwas anderes, wenn weibliche Positionen auf der Bühne überwiegen und den Ton angeben.  

 

Die Stimmen derer, die Feminismus für Quatsch halten, sind gerade auch online ziemlich laut - Gibt‘s Gegenwind gegenüber dem Festival, das auch noch von Frauen organisiert wird?

Klar, unser Handeln ist politisch und wir sind gern Teil einer Debatte oder auch Beispiel. Anti-Feminismus muss auf vielen Ebenen begegnet werden: Mit (kreativem) Protest, Argumenten und aktivem Tun. Gegenwind erleben wir auf zwei Ebenen – welche typisch sind, um weibliches Engagement klein zu machen. Jede Frau hat das in tausend Zusammenhängen schon erlebt – entweder wird unsere Veranstaltung lächerlich gemacht oder als überflüssig erklärt. Beides falsch, beides scheiße.

 

Was erwartet die Besucher_innen und was macht das Festival auch für Männer lohnenswert?

Eingeladen sind alle. Das ist eine Frage der Einstellung, nicht des Genitals. Geboten werden grandiose Konzerte, eine Atmosphäre voller Liebe und Energie und natürlich die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zu bilden. Wir haben mit dem Cunt Collective aus Oldenburg eine Gruppe dabei, die mit einer interaktiven Ausstellung über die Vulva und kreativen Mitmachaktionen begeistern wird, das Performancekollektiv Henrike Iglesias aus Berlin und Yori Gagarim am Start, von ihm können wir viel über queere und trans-Themen, Misgendering und Lookism lernen. Und natürlich haben wir mit Sexclusivitäten aus Berlin die Übermutter des sex-positiven Feminismus in Deutschland zu Gast. Dazu gibt es Vorträge, Workshops und eine Lesung. Wer also keinen Bock auf tolle Konzerte, nette Menschen und Feminismus hat, sollte unbedingt zuhause bleiben!



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