Afterwork mit Sisyphos

Buchrezension: "Afterwork mit Sisyphos" von Nik Salsflausen

Mythologie modern aufgepeppt

29.09.2017
Autor: Kaddi Cutz

Griechische Mythen und Sagen sind vor allem eins: Geschichte. Dass das Stöbern in längst vergangenen Zeiten alles andere als staubtrocken und langweilig daherkommen muss, zeigt die Anthologie „Afterwork mit Sisyphos“, die garantiert Bock auf die Biographien griechischer Götter und vor allem mächtig Spaß macht.

 

Afterwork mit Sisyphos
Eine Sammlung neu interpretierter Mythen
Im Poetry Slam ist generell ja erst mal alles möglich. Ein gern behandeltes Thema ist und bleibt aber die griechische Mythologie. Und das ist cool, denn die ohnehin schon spannenden Geschichten bekommen durch diesen jungen, frischen Blick nicht selten noch mal eine ganz andere Facette und machen Lust, tiefer in die Sagen und Mythen einzutauchen. Das dachte sich wohl auch Nik Salsflausen, als er sich entschloss, in der Anthologie „Afterwork mit Sisyphos“ die besten Slam-Texte zum Thema zwischen zwei Buchdeckeln zu vereinen. Herausgekommen ist dabei sehr viel mehr als nur Flausen – wer es bis hierhin immer noch nicht verstanden hat, lese nochmal den Namen des Herausgebers und gehe dann kurz in sich – denn es wird mächtig aufgefahren.

Marc-Uwe Kling wandelt ausnahmsweise mal nicht auf den Spuren des Kängurus, sondern stürzt sich mit Herkules ins Abenteuer, Bestseller-Autor Sebastian 23 wirft einen Blick in die Bäuche trojanischer Pferde der Gegenwart, Jule Weber teilt sich einen Spiegel mit Narziss und Nick Pötter heftet sich an die Fersen des Götterboten Hermes. Die Geschichten greifen vielfältige Figuren und ihre Geschichte auf und machen irrsinnigen Spaß. Auch, weil man sich – es ist kaum zu glauben – plötzlich bei Wikipedia wiederfindet, auf der Suche nach noch mehr Informationen. Oder mit der Nase in den klassischen Sagen des Griechischen Altertums vergraben, die man irgendwann mal gekauft, aber nie wirklich gelesen hat. Endlich zahlt sich diese Investition also aus! Und das, obwohl jedem Text eine kurze, glänzend unterhaltende Zusammenfassung nebst Illustration zur behandelten Heldenfigur vorangestellt ist, damit man nicht völlig im Dunkeln tappt. Wusstet ihr, dass Apollon als „das olympische Taschenmesser“ unter den Göttern gilt und Odysseus nach seiner Rückkehr als Erstes eine Runde Amok lief, das aber als Heldentat in die Geschichte einging, weil man das Wort „Amok“ noch nicht kannte? Seht ihr.

Zu immerhin sieben Texten gibt es Audiolinks, dennoch funktionieren alle Texte auch gelesen. Lasst ihr euch darauf ein, stellt sich möglicherweise gar ein Effekt ein, den Sebastian 23 in „Trojanische Worte“ treffend beschreibt: „Es taucht unter Worten Verborgenes auf / Wenn der Hörende nicht nur die Ohren gebraucht.“ Ein großartiges Lach,- Lern- und Nachschlagewerk, das nicht umsonst von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. als Buch des Monats Juli 2017 ausgezeichnet wurde!

 

Nik Salsflausen
Herausgeber und Slamtalent
Über den Herausgeber

 


Nik Salsflausen studierte in Konstanz Germanistik und Geschichte, inzwischen lebt er in Esslingen und arbeitet unter seinem bürgerlichen Namen als Lehrer. 2016 erlangte er in Stuttgart den Vizemeister-Titel bei den 20. deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam.



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