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Coworking in Dresden

Kuchendienstag im etwas anderen Büro

09.03.2017

Latte statt abgestandener Filterbrühe, kreative Freiberufler statt dröger Kollegen. Soweit das Klischee. Aber wie funktioniert die freie Zusammenarbeit unter einem Dach wirklich? Wir haben uns in der Dresdner Coworking-Szene umgeschaut.

 

Auch im Kraftwerk Mitte gibt es Gemeinschaftsarbeitsplätze
Auch im Kraftwerk Mitte gibt es Gemeinschaftsarbeitsplätze
Ein eigenes Büro ist häufig vor allem eins: teuer. Gerade Freiberufler und Gründer tun sich mit den laufenden Kosten schwer, zu unbeständig ist das Einkommen. Künstler, Studenten oder Angestellte, die viel auf Reisen sind, wissen einen ruhigen und beständigen Arbeitsplatz zu schätzen, wollen sich aber nicht dauerhaft an einen Standort binden. Die Lösung: sogenanntes Coworking (engl: zusammenarbeiten) in geteilten Mietbüros. Der Anbieter stellt dabei Räume und die notwendige Infrastruktur zur Verfügung, vom stundenweise gemieteten Schreibtisch im Gemeinschaftsraum bis zum exklusiven Einzelbüro sind viele verschiedene Varianten und Tarife möglich. Die Arbeitsatmosphäre reicht dabei vom eleganten Loft mit Kaffee-Flatrate für die Anwältin auf Durchreise bis zum gemütlichen Büro im Hinterhof, das sich der freie Kreative mit der Studentin teilt.

 

Gemeinsamer Arbeitstag, gemeinsamer Feierabend

Die Bürogemeinschaft auf Zeit hat viele Vorteile gegenüber dem Homeoffice oder klassischen Großraumbüros. Heimarbeitern fällt schnell die Decke auf den Kopf, im Büro nervt die Routine. Im Coworking-Space wird das Kollegium täglich neu zusammengewürfelt, so entstehen Netzwerke, in denen Projektideen wachsen und der eine vom anderen profitiert, basierend auf den fünf Coworking-Grundwerten Offenheit, Kollaboration, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Zugänglichkeit.

 

"Ich wollte mal aus der Uni-Blase raus"

 

Pierre Herzer und Julian von Gebhardi sind Pioniere in der Dresdner Coworking-Szene, von Gebhardi betreibt außerdem noch einen Online-Versandhandel für nachhaltige Produkte. 2015 gründeten beide mit dem Collab & Couch einen gemütlichen Coworking-Space im ehemaligen Serverraum eines in die Jahre gekommenen DDR-Hochhauses. Dort treffen sich Start-Up-Gründer, Projektmanager und Studenten zum gemeinsamen Arbeiten.

 

Dienstag ist Kuchentag

Einer, den man dort ständig antrifft, ist Andreas Deicke. Der Diplom-Kaufmann hat sich als IT-Dienstleister selbstständig gemacht, am Coworking schätzt er die familiäre und doch professionelle Atmosphäre und vor allem, „dass man sich nach der Arbeit nochmal entspannt zusammensetzt und über den Tag redet.“

Gemeinsam statt einsam: im Collab & Couch ist Austausch wichtig
Gemeinsam statt einsam: im Collab & Couch ist Austausch wichtig
Feste Institutionen wie der „Kuchendienstag“ sorgen für Struktur und bieten Möglichkeiten zum Kennenlernen: Um Punkt 16 Uhr sitzen alle gemeinsam am großen Küchentisch und tauschen sich aus – die Themenvielfalt reicht von aktueller Tagespolitik bis hin zu den neuesten Projekten der Coworker. „Unser Konzept zieht Freelancer an, aber auch kleine und mittelständische Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter zu uns“, erklärt Collab & Couch-Geschäftsführer Lorenz Weil. Der Politikstudent fing als normales Mitglied bei Collab & Couch an und stieg bald zum Geschäftsführer auf. „Ich wollte mal aus der Uni-Blase raus“, erzählt er. Das ist Weil gelungen. Im Coworking-Space kann er sich über die Vor- und Nachteile von Balkongemüse informieren oder mit US-Amerikaner Jace fachsimpeln, der anspruchsvolle Radreisen anbietet. All das, ohne den Raum zu verlassen.

 

Netzwerken im Impact Hub

Neben München und Berlin wird Dresden der dritte Standort in Deutschland
So edel wird es im zukünftigen Coworking-Space Impact Hub aussehen.
Der Bedarf an Coworking-Spaces steigt beständig. Die Collab & Couch-Chefs Herzer und von Gebhardi bauen deshalb gemeinsam mit dem Unternehmer Ulf von Elten die Dresdner Coworking-Szene aus. An der Bayrischen Straße nahe dem Hauptbahnhof entsteht ab März 2017 mit dem Impact Hub ein neuer, moderner Coworking-Space. Hierbei handelt es sich um ein weltumspannendes Netzwerk von Coworking-Spaces mit speziellen Angeboten für die Mitglieder. Beispielsweise können Nutzer 50% ihrer gebuchten Arbeitszeit in einem der anderen 85 weltweit existierenden Impact Hubs verbringen. In Deutschland ist mit Dresden neben Berlin und München nun der dritte Standort dazugekommen.

 

Frühstück mit dem Ministerpräsidenten

Als Ergänzung zum Arbeitsalltag richtet das Impact-Hub-Team regelmäßig Kooperationen, Workshops und Events aus. Im März findet in Zusammenarbeit mit „Get Started by Bitkom“ ein Gründerfrühstück mit Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich statt. Trotz Mehrwert bleibt der Arbeitsplatz bezahlbar: Der kleinste Coworking-Tarif beträgt 19,90€, Extras wie ein Postfach und ein Werbeschild können dazu gebucht werden. Startups, Gründer und Studenten erhalten im Impact Hub Sonderkonditionen. Das gemütliche „Collab & Couch“ wird es dafür bald nicht mehr geben, die Community zieht geschlossen ins Impact Hub um. Schade, findet Andreas Deicke, der nach durchgearbeiteten Nächten gern die Sonne über dem Bahnhof Mitte hat aufgehen sehen. Aber auch an der Bayrischen Straße heißt es: Dienstag ist Kuchentag.

 

Ein Schmuckstück im Industriekomplex

Andere Coworking-Spaces sind ebenfalls in Bewegung. Im April 2017 zieht neonworx ins Kraftwerk Mitte ein. Auf rund 1.700qm warten dann 70 Arbeitsplätze für Agenturen und Einmannbüros sowie 20 Coworking-Plätze auf kreative Köpfe. Martin Fiedler (33) betreibt hauptberuflich das Designbüro neongrau und gründete 2009 mit zwei Mitstreitern neonworx. „Wir sind da so ein bisschen reingepurzelt“, erzählt der studierte Produktdesigner. Waren es zunächst nur ein paar Büroräume in einer sonst leerstehenden Etage, eroberte sich die wachsende Coworking-Gemeinschaft nach und nach insgesamt 1.400qm. 

 

In dieser Größenordnung geht es zukünftig am neuen Standort Kraftwerk Mitte weiter. „Wir bauen ein richtiges Schmuckstück in den Industriekomplex, das wird auch aus architektonischer Sicht spannend“, so der neonworx-Chef. Auf zwei Geschossen können sich die Coworker austoben, und bei rund 6m Raumhöhe ist der eine oder andere geistige Höhenflug auch kein Problem. Auch die ehemalige Kranhalle gehört zu neonworx. Auf 160qm wird Platz für kleine Events und Ausstellungen sein, was genau die Dresdner erwartet, verrät Martin Fiedler noch nicht, die Planungen laufen aber auf Hochtouren.

 

Neonworx wird sich auch auf kulinarisches Terrain wagen und bietet neben den obligatorischen Arbeitsplätzen auch eine eigene Gastronomie an – Coworker essen hier günstiger. Für die nötige Entspannung sorgt ein betriebseigenes Yoga- und Pilatesstudio. 

 

Weitere Coworking Spaces:

 

The Shire

Mitten in der Altstadt sorgt The Shire für ein entspanntes Arbeitsklima. Unter dem Motto „Hello Networker, Goodbye Homeoffice!“ hat sich der Anbieter auf Start-ups spezialisiert. Hier soll die Dresdner Gründerszene zusammenfinden. Preislich geht es ab 30€ pro Tag für einen flexiblen Arbeitsplatz los. Kaffee und Mate gibt’s unbegrenzt dazu.

 

Impact Loft Dresden

Die Gründer des gemeinnützigen Unternehmens „Was hab ich“ bieten im Impact Loft Dresden exklusive Büroräume zwischen Zwinger und Schauspielhaus. Das Impact Loft residiert seit März 2015 in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kantine einer Großbank und punktet mit gehobener Einrichtung, Lounge und Toplage mitten in der Altstadt. Ab 175€ pro Monat ist man dabei. 

 

Dresden Airport

Im Konferenzcenter des Dresdner Flughafens warten sechs moderne, spontan und auch kurzfristig anmietbare Arbeitsplätze auf Geschäftsreisende, Studenten und Start-ups. Auf Wunsch wird auch ein Catering angeboten, Kaffee-Flatrate und ein Kicker sorgen für entspannte Arbeitspausen. Kostenpunkt: 22€ pro Stunde.

 

Rockzipfel

Das Eltern-Kind-Büro in der Dresdner Neustadt bringt Arbeits- und Familienleben unter einen Hut. Während die Kleinen spielen, können die Eltern sich auf ihre Projekte konzentrieren – auf den Nachwuchs wird abwechselnd aufgepasst. Der Monatsbeitrag für eine 2-3 Tage-Woche beträgt 75€.

 

Cloudsters

Der kleine aber feine Coworking-Space auf der Bautzner Straße. Ein Gemeinschaftsbüro, ein Meeting-Raum und zwei kleine Büros warten hier auf Mitglieder. Moderne Arbeitsmaterialien werden gestellt. Die Monatsgebühr beträgt bei 2 Arbeitstagen pro Woche 50€, eine eigene Post-Adresse ist dabei inklusive.

 

 

+++ Adressenübersicht +++

 

Impact Hub Dresden

Bayrische Straße 8

01069 Dresden

Mail: dresden@impacthub.net

Telefon: 0351/79990980

Web: facebook.com/impacthubdresden

 

Neonworx

Kraftwerk Mitte 7

01067 Dresden

Telefon: 0351/47969831

Web: neonworx.de

 

Dresden Airport

Flughafenterminal (Ebene 2)

Wilhelmine-Reichard-Ring 1 

01109 Dresden

Telefon: 0351/8813050

Web: dresden-airport.de/coworking

 

The Shire 

Dr.-Külz-Ring 15 

01067 Dresden

Telefon: 0351/28708070 

Web: the-shire.com

 

Impact Loft

Theaterstraße 4 

01067 Dresden

Telefon: 0351/4188900 

Web: impactloft.de

 

Rockzipfel

Großenhainer Straße 98

01127 Dresden

Web: rockzipfel-dresden.de

 

Cloudsters

Bautzner Straße 22 

01099 Dresden

Web: dresden.cloudsters.net



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